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Darum machen gerade so viele Unternehmen dicht | Wirtschaft erklärt

ZDFheute Nachrichten10:54 123.530 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 75 Zeilen
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  1. Habt ihr auch das Gefühl, gerade macht jeder zweite Laden dicht und wahnsinnig viele Firmen müssen schließen? Egal, wo man hinschaut, Insolvenz hier,
  2. Insolvenz da. Das Autohaus, wo ich mein Auto abgeben soll, ist Insolvent gegangen. Das ist nicht nur ein Gefühl, das ist
  3. real. Die Lage ist ernst. Wir verlieren jeden Tag bis zu 60 Unternehmen und ein Ende längst nicht in Sicht.
  4. Ja, auch für das kommende Jahr gibt es laut Kreditreform nicht wirklich einen Grund zur Entwarnung. Das bedeutet einerseits der Baumarkt um
  5. die Ecke verschwindet. Hier ist niemand mehr willkommen. Oder der Lieblingsbäcker [musik] macht zu, wie bei mir neulich passiert. Und
  6. andererseits von diesen Pleiten sind jährlich mehrere 100000 Jobs betroffen. 2025 waren es 285 000.
  7. Kleine Fzallah haben wir letztes Jahr sieben Unternehmen verloren, die durch Insolvenz oder unternehmerische Entscheidung geschlossen haben.
  8. Ich bin Florian Neuhann. Ich berichte fürs ZF über Wirtschaft und will jetzt klären, warum gehen gerade so viele Unternehmen pleite? Welche Branchen sind
  9. am meisten betroffen? Und steckt in dieser Krise vielleicht auch eine kleine [musik] Chance.
  10. [musik] Die Zahlen sind auf jeden Fall brutal. [musik] Alle 20 Minuten geht in
  11. Deutschland eine Firmaappleite. Diese Kurve hier zeigt die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Und schaut mal, während der
  12. Coronapandemie ging die Zahl runter. Warum dazu kommen wir gleich? Doch seit 2022 geht der Trend wieder nach oben.
  13. Wir leben gerade nicht weniger als die größte Insolvenzwelle seit 2013. Allein im ersten Halbjahr 2026 haben schon 13 000 Unternehmen Insolvenz angemeldet.
  14. Fast 8% mehr als im Vorjahr. Hier neulich sogar Thema im Fernsehen. [musik] Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist
  15. im ersten Halbjahr auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Floria Neuern aus unserem Wirtschaftsteam. Was sind die Gründe?
  16. Für die aktuelle Pleitewelle gibt es verschiedene Gründe. [schnauben]
  17. Während der Coronazeit hat der Staat ja vielen Unternehmen mit viel Geld unter die Arme gegriffen. Insgesamt mit 130 Milliarden Euro für Kredite und
  18. Finanzhilfen. Das hat viele Unternehmen vor dem Pandemietod bewahrt und damals war das sicher sinnvoll. Aber mit diesen Hilfen hat der Staat auch Firmen am
  19. Leben gehalten, die kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr hatten, die also nur wegen der Finanzhilfen überhaupt weiterleben
  20. konnten. Sogenannte Zombieunternehmen. Diese lebenden Toten mussten seitdem immer wieder weitere Rückschläge einstecken
  21. vom Ukrainekrieg bis hin zu den US-Zö. Und jetzt sind die Finanzhilfen aus der Coronazeit alle ausgelaufen. Was in den letzten Monaten passiert, ein
  22. klassischer Nachholeffekt. Ein Untoter nach dem anderen kollabiert. [stöhnen] Aber das alleine wäre ja nur ein statistischer Effekt. Hinter dieser
  23. Pleitewelle steckt noch viel mehr und zwar die längste Phase ohne Wirtschaftswachstum, die wir in
  24. Deutschland je hatten. Die Deutsche Wirtschaft krielt, vor allem im Vergleich zu anderen Industrienationen bereits seit 2019.
  25. Warum? Dazu haben wir schon mal ein Video gemacht, Link hier oben. Und es ist doch klar, so eine Krise zeigt sich auch in den Zahlen von
  26. Firmeninsolvenzen. Irgendwann gehen die Unternehmen halt pleite, weil die Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne gestiegen sind und viele Firmen stehen
  27. in hartem Wettbewerb und können diese Kosten nicht mal ebenso an ihre Kunden weitergeben.
  28. Außerdem sind in vielen Branchen auch Einnahmen weggefallen. Der Export z.B., Der ist vielfach eingebrochen. Etwa bei unserem langjährigen Exports Schlagert
  29. den Autos. Hier läuft es besonders in China für deutsche Autobauer immer schlechter. Das treibt zwar die großen Automobilkonzerne wie VW, BMW oder
  30. Mercedes nicht in die Insolvenz, aber die müssen drastisch sparen. Erst vor ein paar Tagen wurde ja berichtet, dass VW möglicherweise bis zu 100.000 Stellen
  31. streichen könnte. Wer dann Pleite geht, das sind kleine, teilweise auch schon größere Zulieferer.
  32. Ab dem ersten Quartal in dem Jahr hat sich im Endeffekt abgezeichnet, dass wir die Presse nicht mehr durchsetzen können, um sag mal profitable Aufträge
  33. hier ins Unternehmen zu holen. Und zu allem kam in diesem Jahr noch der Irankrieg.
  34. Der hat für einen echten Energiepreischock gesorgt. Im März ist der Ölpreis innerhalb weniger Tage um mehr als 50%
  35. raufgeknallt. [musik] Auch wenn sich der Markt da mittlerweile wieder etwas entspannt hat, die noch mal höheren Energiekosten haben in diesem
  36. Jahr vielen kriselnden Unternehmen endgültig den Koschlag verpasst. [musik]
  37. Der Pleiteggeier erwischt bestimmte Branchen härter als andere. Am häufigsten mussten zuletzt Unternehmen aus der
  38. Dienstleistungsbranche dicht machen. Danach kommt der Handel. An dritter Stelle das Baugewerbe. Im Vergleich dazu wirken 940
  39. Industrieunternehmen [musik] auf Platz 4 eher wenig. Aber Achtung, hier hängen oft viele Arbeitsplätze dran. Ich finde es richtig schade, dass jetzt
  40. die Firma Bachund ist. Ich bin jetzt hier 39 Jahre und heute ist mein letzter Arbeitstag. Und dann tut eine Insolvenz besonders
  41. weh. In diesem Jahr waren in allen Branchen bisher 165 000 Arbeitsplätze betroffen. Das ist viel. Ganze 15% mehr als im Vorjahr. Und Forscher warnen, der
  42. Pleitehöhepunkt ist noch nicht erreicht. Besser werden soll es erst, wenn die Wirtschaft wieder wächst, also vielleicht 2027. Insolvenzen folgen
  43. nämlich in der Regel zeitverzögert auf den Verlauf der Konjunktur. [musik] Das alles klingt dramatisch und für jeden Betroffenen ist es das ja auch
  44. ganz ohne Frage. Aber und das hört sich vielleicht erstmal seltsam an, für eine große Volkswirtschaft sind einzelne Pleiten nicht unbedingt schlecht, denn
  45. hier kommt Josef Schumpitzer ins Spiel. Ein Ökonom aus Österreich. Anfang des 20. Jahrhunderts leitete eine Wiener Bank, die kurz darauf selbst pleite
  46. ging. Vielleicht hat ihn das für eine seiner einflussreichsten Theorien inspiriert, [musik] die schöpferische Zerstörung.
  47. Das alte Unternehmen pleitehen ist also ganz normal. Wenn etablierte Firmen eine Neuerung verschlafen, dann kauft der Kunde eben woanders. Ein Klassiker ist
  48. die Geschichte von Quelle, eine deutsche Institution mit dem berühmten Quellekatalog. Hier sind die neuesten Modelle. Direkt vom Großversandhaus
  49. Quelle. Die neue Schöpfung war der Versandthandel übers Internet. Die Erfolgsgeschichte des Sommers heißt
  50. Amazon.com. 2,5 Millionen Bücher online im Angebot. Versandt in jedes Haus. Amazon hat den Handel schöpferisch zerstört und Quelle gegen Pleite.
  51. [musik] Schauen wir noch mal auf die Lage bei uns. Die Plitewelle, die ist real. Aber ist das nun eine schöpferische
  52. Zerstörung? Deutschland hat nicht das Problem, dass hier zu wenig gegründet wird. Im Gegenteil, 2025 war ein Boomjahr für Unternehmensgründungen. Es
  53. wurde so viel gegründet, wie noch nie und der Anstieg geht auch in diesem Jahr weiter. Dass es mehr Gründungen gibt, ist in Krisenzeiten übrigens ganz
  54. typisch. [musik] Viele versuchen es dann mit der Gründung einer eigenen Firma. Das Problem ist, dass zu viele der jungen Unternehmen
  55. wieder scheitern. Das liegt unter anderem am Valley of Death, dem Tal des Todes.
  56. Dieser Begriff beschreibt eine besondere finanzielle Durstrecke zwischen der ersten Finanzierung und dem Punkt, an dem sich ein Unternehmen selbst
  57. finanzieren kann. Genau an diesem Tiefpunkt geht vielen Startups das Geld aus und sie sterben. Das Besondere dieses Valley of Death
  58. gibt es vor allem in Deutschland und in Europa. Hier siehst du, welche Bewertungen Startups in der EU im Vergleich zu den USA erreichen.
  59. Bei Startups in der frühen Phase kann die EU noch halbwegs mithalten. Auf 100 Firmen in den USA kommen 54 in der EU. Doch je höher die Bewertung, desto
  60. deutlicher fällt die EU zurück. Warum? Vor allem, weil es an Investitionen fehlt, [musik] an Wagniskapital, also an Geld, das mit
  61. etwas Risiko in junge Firmen gesteckt wird. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit seiner Gründerfinanzierung gerade mal im
  62. Mittelfeld. Sobald es ans Wachsen geht, wandern viele Unternehmen ins Ausland ab. Da gibt es nicht nur weniger Bürokratie,
  63. sondern vor allem mehr Investoren. Die Regierung kennt das Problem. Seit dem Jahreswechsel gibt es z.B. den
  64. Deutschlandfond, der Startups fördern soll. Um bei der Finanzierung zentraler Zukunftsinvestitionen [musik] sozusagen den Turbo zu zünden, möchte
  65. der Bund mit dem Deutschlandfond gezielt auch privates Kapital mobilisieren. Vom Bund selbst kommen Garantien in Höhe von 30 Milliarden Euro und mit diesen
  66. Garantien soll privates Geld mobilisiert werden, insgesamt 130 Milliarden Euro. Doch mit dem Fond sollen neben Startups zugleich noch zickere Dinge gefördert
  67. werden. Mittelstand, der Abbau kritischer Rohstoffe, ein paar Schlüsseltechnologien. Ob der Fond also ausreicht, um Gründer
  68. richtig groß werden zu lassen, da sind viele eher skeptisch. Halten wir fest, [musik] ein schnelles Ende der Pleitewelle ist nicht in Sicht.
  69. Die Zahl der Insolvenzen dürfte erstmal weiter steigen. Die meisten Insolvenzen kann und sollte der Staat auch nicht verhindern. Wichtiger wäre eher, viel
  70. mehr in Weiterbildung zu investieren und den Betroffenen dem Jobwechsel in neue Branchen zu erleichtern. Und wenn [musik] genug vielversprechende neue
  71. Unternehmen auf den Markt kommen und neue Arbeitsplätze schaffen, verlieren Pleiten ein Stück [musik] weit ihren Schrecken. Hier bei der Erneuerung der
  72. Schöpfung, da hapert es noch. Wir brauchen dringend mehr Investitionen vom Staat, aber auch [musik] aus der Wirtschaft. Sonst werden viele deutsche
  73. Startups den Durchbruch weiterhin nicht schaffen. Was meint ihr? Wie schlimm ist die Pleitewelle wirklich? [musik] Schaffen wir neben der Zerstörung auch
  74. den zweiten, den wichtigeren Teil, die Schöpfung? [musik] Oder haben wir den Anschluss schon verpasst? Schreibt's uns in die Kommentare und bis zur nächsten
  75. Folge von [musik] Wieso Wirtschaft erklärt.

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