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Darum machen gerade so viele Unternehmen dicht | Wirtschaft erklärt
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 75 Zeilen
- Habt ihr auch das Gefühl, gerade macht jeder zweite Laden dicht und wahnsinnig viele Firmen müssen schließen? Egal, wo man hinschaut, Insolvenz hier,
- Insolvenz da. Das Autohaus, wo ich mein Auto abgeben soll, ist Insolvent gegangen. Das ist nicht nur ein Gefühl, das ist
- real. Die Lage ist ernst. Wir verlieren jeden Tag bis zu 60 Unternehmen und ein Ende längst nicht in Sicht.
- Ja, auch für das kommende Jahr gibt es laut Kreditreform nicht wirklich einen Grund zur Entwarnung. Das bedeutet einerseits der Baumarkt um
- die Ecke verschwindet. Hier ist niemand mehr willkommen. Oder der Lieblingsbäcker [musik] macht zu, wie bei mir neulich passiert. Und
- andererseits von diesen Pleiten sind jährlich mehrere 100000 Jobs betroffen. 2025 waren es 285 000.
- Kleine Fzallah haben wir letztes Jahr sieben Unternehmen verloren, die durch Insolvenz oder unternehmerische Entscheidung geschlossen haben.
- Ich bin Florian Neuhann. Ich berichte fürs ZF über Wirtschaft und will jetzt klären, warum gehen gerade so viele Unternehmen pleite? Welche Branchen sind
- am meisten betroffen? Und steckt in dieser Krise vielleicht auch eine kleine [musik] Chance.
- [musik] Die Zahlen sind auf jeden Fall brutal. [musik] Alle 20 Minuten geht in
- Deutschland eine Firmaappleite. Diese Kurve hier zeigt die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Und schaut mal, während der
- Coronapandemie ging die Zahl runter. Warum dazu kommen wir gleich? Doch seit 2022 geht der Trend wieder nach oben.
- Wir leben gerade nicht weniger als die größte Insolvenzwelle seit 2013. Allein im ersten Halbjahr 2026 haben schon 13 000 Unternehmen Insolvenz angemeldet.
- Fast 8% mehr als im Vorjahr. Hier neulich sogar Thema im Fernsehen. [musik] Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist
- im ersten Halbjahr auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Floria Neuern aus unserem Wirtschaftsteam. Was sind die Gründe?
- Für die aktuelle Pleitewelle gibt es verschiedene Gründe. [schnauben]
- Während der Coronazeit hat der Staat ja vielen Unternehmen mit viel Geld unter die Arme gegriffen. Insgesamt mit 130 Milliarden Euro für Kredite und
- Finanzhilfen. Das hat viele Unternehmen vor dem Pandemietod bewahrt und damals war das sicher sinnvoll. Aber mit diesen Hilfen hat der Staat auch Firmen am
- Leben gehalten, die kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr hatten, die also nur wegen der Finanzhilfen überhaupt weiterleben
- konnten. Sogenannte Zombieunternehmen. Diese lebenden Toten mussten seitdem immer wieder weitere Rückschläge einstecken
- vom Ukrainekrieg bis hin zu den US-Zö. Und jetzt sind die Finanzhilfen aus der Coronazeit alle ausgelaufen. Was in den letzten Monaten passiert, ein
- klassischer Nachholeffekt. Ein Untoter nach dem anderen kollabiert. [stöhnen] Aber das alleine wäre ja nur ein statistischer Effekt. Hinter dieser
- Pleitewelle steckt noch viel mehr und zwar die längste Phase ohne Wirtschaftswachstum, die wir in
- Deutschland je hatten. Die Deutsche Wirtschaft krielt, vor allem im Vergleich zu anderen Industrienationen bereits seit 2019.
- Warum? Dazu haben wir schon mal ein Video gemacht, Link hier oben. Und es ist doch klar, so eine Krise zeigt sich auch in den Zahlen von
- Firmeninsolvenzen. Irgendwann gehen die Unternehmen halt pleite, weil die Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne gestiegen sind und viele Firmen stehen
- in hartem Wettbewerb und können diese Kosten nicht mal ebenso an ihre Kunden weitergeben.
- Außerdem sind in vielen Branchen auch Einnahmen weggefallen. Der Export z.B., Der ist vielfach eingebrochen. Etwa bei unserem langjährigen Exports Schlagert
- den Autos. Hier läuft es besonders in China für deutsche Autobauer immer schlechter. Das treibt zwar die großen Automobilkonzerne wie VW, BMW oder
- Mercedes nicht in die Insolvenz, aber die müssen drastisch sparen. Erst vor ein paar Tagen wurde ja berichtet, dass VW möglicherweise bis zu 100.000 Stellen
- streichen könnte. Wer dann Pleite geht, das sind kleine, teilweise auch schon größere Zulieferer.
- Ab dem ersten Quartal in dem Jahr hat sich im Endeffekt abgezeichnet, dass wir die Presse nicht mehr durchsetzen können, um sag mal profitable Aufträge
- hier ins Unternehmen zu holen. Und zu allem kam in diesem Jahr noch der Irankrieg.
- Der hat für einen echten Energiepreischock gesorgt. Im März ist der Ölpreis innerhalb weniger Tage um mehr als 50%
- raufgeknallt. [musik] Auch wenn sich der Markt da mittlerweile wieder etwas entspannt hat, die noch mal höheren Energiekosten haben in diesem
- Jahr vielen kriselnden Unternehmen endgültig den Koschlag verpasst. [musik]
- Der Pleiteggeier erwischt bestimmte Branchen härter als andere. Am häufigsten mussten zuletzt Unternehmen aus der
- Dienstleistungsbranche dicht machen. Danach kommt der Handel. An dritter Stelle das Baugewerbe. Im Vergleich dazu wirken 940
- Industrieunternehmen [musik] auf Platz 4 eher wenig. Aber Achtung, hier hängen oft viele Arbeitsplätze dran. Ich finde es richtig schade, dass jetzt
- die Firma Bachund ist. Ich bin jetzt hier 39 Jahre und heute ist mein letzter Arbeitstag. Und dann tut eine Insolvenz besonders
- weh. In diesem Jahr waren in allen Branchen bisher 165 000 Arbeitsplätze betroffen. Das ist viel. Ganze 15% mehr als im Vorjahr. Und Forscher warnen, der
- Pleitehöhepunkt ist noch nicht erreicht. Besser werden soll es erst, wenn die Wirtschaft wieder wächst, also vielleicht 2027. Insolvenzen folgen
- nämlich in der Regel zeitverzögert auf den Verlauf der Konjunktur. [musik] Das alles klingt dramatisch und für jeden Betroffenen ist es das ja auch
- ganz ohne Frage. Aber und das hört sich vielleicht erstmal seltsam an, für eine große Volkswirtschaft sind einzelne Pleiten nicht unbedingt schlecht, denn
- hier kommt Josef Schumpitzer ins Spiel. Ein Ökonom aus Österreich. Anfang des 20. Jahrhunderts leitete eine Wiener Bank, die kurz darauf selbst pleite
- ging. Vielleicht hat ihn das für eine seiner einflussreichsten Theorien inspiriert, [musik] die schöpferische Zerstörung.
- Das alte Unternehmen pleitehen ist also ganz normal. Wenn etablierte Firmen eine Neuerung verschlafen, dann kauft der Kunde eben woanders. Ein Klassiker ist
- die Geschichte von Quelle, eine deutsche Institution mit dem berühmten Quellekatalog. Hier sind die neuesten Modelle. Direkt vom Großversandhaus
- Quelle. Die neue Schöpfung war der Versandthandel übers Internet. Die Erfolgsgeschichte des Sommers heißt
- Amazon.com. 2,5 Millionen Bücher online im Angebot. Versandt in jedes Haus. Amazon hat den Handel schöpferisch zerstört und Quelle gegen Pleite.
- [musik] Schauen wir noch mal auf die Lage bei uns. Die Plitewelle, die ist real. Aber ist das nun eine schöpferische
- Zerstörung? Deutschland hat nicht das Problem, dass hier zu wenig gegründet wird. Im Gegenteil, 2025 war ein Boomjahr für Unternehmensgründungen. Es
- wurde so viel gegründet, wie noch nie und der Anstieg geht auch in diesem Jahr weiter. Dass es mehr Gründungen gibt, ist in Krisenzeiten übrigens ganz
- typisch. [musik] Viele versuchen es dann mit der Gründung einer eigenen Firma. Das Problem ist, dass zu viele der jungen Unternehmen
- wieder scheitern. Das liegt unter anderem am Valley of Death, dem Tal des Todes.
- Dieser Begriff beschreibt eine besondere finanzielle Durstrecke zwischen der ersten Finanzierung und dem Punkt, an dem sich ein Unternehmen selbst
- finanzieren kann. Genau an diesem Tiefpunkt geht vielen Startups das Geld aus und sie sterben. Das Besondere dieses Valley of Death
- gibt es vor allem in Deutschland und in Europa. Hier siehst du, welche Bewertungen Startups in der EU im Vergleich zu den USA erreichen.
- Bei Startups in der frühen Phase kann die EU noch halbwegs mithalten. Auf 100 Firmen in den USA kommen 54 in der EU. Doch je höher die Bewertung, desto
- deutlicher fällt die EU zurück. Warum? Vor allem, weil es an Investitionen fehlt, [musik] an Wagniskapital, also an Geld, das mit
- etwas Risiko in junge Firmen gesteckt wird. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit seiner Gründerfinanzierung gerade mal im
- Mittelfeld. Sobald es ans Wachsen geht, wandern viele Unternehmen ins Ausland ab. Da gibt es nicht nur weniger Bürokratie,
- sondern vor allem mehr Investoren. Die Regierung kennt das Problem. Seit dem Jahreswechsel gibt es z.B. den
- Deutschlandfond, der Startups fördern soll. Um bei der Finanzierung zentraler Zukunftsinvestitionen [musik] sozusagen den Turbo zu zünden, möchte
- der Bund mit dem Deutschlandfond gezielt auch privates Kapital mobilisieren. Vom Bund selbst kommen Garantien in Höhe von 30 Milliarden Euro und mit diesen
- Garantien soll privates Geld mobilisiert werden, insgesamt 130 Milliarden Euro. Doch mit dem Fond sollen neben Startups zugleich noch zickere Dinge gefördert
- werden. Mittelstand, der Abbau kritischer Rohstoffe, ein paar Schlüsseltechnologien. Ob der Fond also ausreicht, um Gründer
- richtig groß werden zu lassen, da sind viele eher skeptisch. Halten wir fest, [musik] ein schnelles Ende der Pleitewelle ist nicht in Sicht.
- Die Zahl der Insolvenzen dürfte erstmal weiter steigen. Die meisten Insolvenzen kann und sollte der Staat auch nicht verhindern. Wichtiger wäre eher, viel
- mehr in Weiterbildung zu investieren und den Betroffenen dem Jobwechsel in neue Branchen zu erleichtern. Und wenn [musik] genug vielversprechende neue
- Unternehmen auf den Markt kommen und neue Arbeitsplätze schaffen, verlieren Pleiten ein Stück [musik] weit ihren Schrecken. Hier bei der Erneuerung der
- Schöpfung, da hapert es noch. Wir brauchen dringend mehr Investitionen vom Staat, aber auch [musik] aus der Wirtschaft. Sonst werden viele deutsche
- Startups den Durchbruch weiterhin nicht schaffen. Was meint ihr? Wie schlimm ist die Pleitewelle wirklich? [musik] Schaffen wir neben der Zerstörung auch
- den zweiten, den wichtigeren Teil, die Schöpfung? [musik] Oder haben wir den Anschluss schon verpasst? Schreibt's uns in die Kommentare und bis zur nächsten
- Folge von [musik] Wieso Wirtschaft erklärt.