Physik · Klasse 10–13 · aktualisiert
Röntgenstrahlung: Entstehung, Spektrum und Nutzung
Verfolge Elektronen durch die Röntgenröhre, unterscheide die Spektralanteile und verstehe Bild, Dosis und Schutz.
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Kurz gesagt
Röntgenstrahlung ist energiereiche, ionisierende elektromagnetische Strahlung. In einer Röntgenröhre werden Elektronen im Vakuum beschleunigt und an einer Metallanode abgebremst. So entstehen kontinuierliche Bremsstrahlung und materialtypische Linien.
Röntgenstrahlung ist kurzwellige, energiereiche elektromagnetische Strahlung. In einer Röntgenröhre entsteht sie, wenn schnelle Elektronen auf eine Metallanode treffen. Bei üblichen diagnostischen Röhren werden etwa 0{,}5 bis 1\,\% der elektrischen Leistung in Röntgenstrahlung umgewandelt; fast der gesamte Rest wird zu Wärme. Auf dieser Seite lernst du, wie eine Röntgenröhre arbeitet, warum ihr Spektrum aus zwei Anteilen besteht und wie Spannung, Röhrenstrom und Filterung die Strahlung beeinflussen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Röntgenstrahlung gehört wie sichtbares Licht zum elektromagnetischen Spektrum. Ihre Photonen sind jedoch wesentlich energiereicher. Dadurch kann sie Materie durchdringen und Elektronen aus Atomen oder Molekülen lösen.
Röntgenstrahlung ist keine Teilchenströmung aus Elektronen. Die Elektronen werden zu ihrer Erzeugung gebraucht, doch die Röhre sendet elektromagnetische Strahlung aus. Eine ausgeschaltete Röntgenröhre ist keine dauerhaft strahlende radioaktive Quelle. Die Strahlung entsteht nur, solange Elektronen beschleunigt werden und auf die Anode treffen.
Für die Erzeugung werden freie Elektronen, eine hohe Spannung, ein Vakuum und eine Metallanode benötigt. Bei üblichen diagnostischen Röntgenröhren werden nur etwa 0{,}5 bis 1\,\% der elektrischen Leistung zu Röntgenstrahlung; der überwiegende Rest wird Wärme. Die genaue Ausbeute hängt von den Betriebsbedingungen ab. Deshalb muss die Anode thermisch geschützt werden. Eine Drehanode verteilt den Elektronenbeschuss auf eine größere Fläche; Öl- oder Wasserkühlung führt Wärme ab.
Definition
Ionisierende Strahlung
Ionisierende Strahlung besitzt genug Energie, um Elektronen aus Atomen oder Molekülen zu entfernen. Deshalb kann Röntgenstrahlung lebendes Gewebe verändern oder schädigen.
Beispiel
- 1Stell dir vor, Luft gelangte in die Röhre.
- 2Die beschleunigten Elektronen würden unterwegs mit Luftteilchen zusammenstoßen und dabei Richtung oder Energie verlieren.
- 3Sie erreichten die Anode nicht mehr so gezielt und energiereich.
- 4Das Vakuum ist daher eine notwendige Betriebsbedingung und nicht bloß eine leere Verpackung.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Eine elektrisch beheizte Glühkathode setzt Elektronen frei. Dieser Vorgang heißt Glühemission.
- 2Ein negativ geladener Wehnelt-Zylinder bündelt die Elektronen und richtet sie zur Anode.
- 3Die Röhrenspannung zwischen negativer Kathode und positiver Anode beschleunigt die Elektronen.
- 4Im Vakuum können sie sich bewegen, ohne vorher durch Luftteilchen abgelenkt oder abgebremst zu werden.
- 5An der Anode treffen sie auf Metall und geben ihre Energie als Röntgenstrahlung und vor allem als Wärme ab.
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Das ausgesandte Röntgenspektrum besteht aus Bremsstrahlung und charakteristischer Strahlung. Beide entstehen an der Anode, aber durch unterschiedliche Vorgänge.
Bei der charakteristischen Strahlung kann ein auftreffendes Elektron ein Elektron aus einer inneren Atomschale des Anodenmaterials herausschlagen. Ein Elektron aus einer äußeren Schale füllt die Lücke. Die dabei frei werdende Energie wird als Röntgenphoton ausgesendet. Die möglichen Energien sind diskret und für das Anodenmaterial typisch.
Definition
Bremsstrahlung
Schnelle Elektronen werden im elektrischen Feld von Atomkernen abgelenkt und abgebremst. Dabei geben sie unterschiedlich große Energiebeträge als Photonen ab. So entsteht ein kontinuierliches Spektrum ohne einzelne feste Energiewerte.
Beispiel
- 1Im Spektrum einer Wolframanode liegt ein breiter, kontinuierlicher Untergrund.
- 2Das ist die Bremsstrahlung.
- 3Darüber können einzelne schmale Linien liegen.
- 4Sie stammen von bestimmten Übergängen zwischen den Elektronenschalen des Wolframs und gehören zur charakteristischen Strahlung.
Merke: Kontinuierlich entsteht durch unterschiedlich starke Abbremsung. Diskrete Linien entstehen durch festgelegte Energieunterschiede im Atom.
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Kathodenheizung, Röhrenspannung und Filterung erfüllen verschiedene Aufgaben. Für den Vergleich in der Tabelle bleiben Anodenmaterial und alle nicht genannten Einstellungen gleich.
Ein Elektron gewinnt beim Durchlaufen der Anodenspannung U_A die Energie
E=e\cdot U_A
Dabei ist e der Betrag der Elektronenladung. Eine höhere Spannung stellt einem Elektron mehr Energie zur Verfügung. Deshalb kann die maximale Energie der erzeugten Photonen steigen.
Ein Metallfilter, häufig aus Aluminium und bei besonderen Anwendungen zusätzlich aus Kupfer, entfernt bevorzugt niederenergetische Photonen. Diese würden im Körper überwiegend absorbiert und wenig zur Bildentstehung beitragen. Das Entfernen dieses Anteils heißt Aufhärtung. Ein Filter entfernt Photonen aus einem bereits erzeugten Spektrum und verändert dessen maximale Energie nicht.
| Änderung | Unmittelbare Wirkung | Folge für die Strahlung |
|---|---|---|
| stärkere Kathodenheizung | mehr Elektronen werden freigesetzt, der Röhrenstrom steigt | mehr Photonen; bei gleichen anderen Einstellungen bleibt die Spektrumsform nahezu gleich |
| höhere Anodenspannung | jedes Elektron erhält mehr Bewegungsenergie | energiereichere und durchdringendere Strahlung |
| stärkere Filterung | vor allem niederenergetische Photonen werden entfernt | geringere Photonenmenge, aber höhere mittlere Energie; die maximale Photonenenergie bleibt gleich |
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Bei einer Aufnahme durchläuft die Strahlung den Körper oder einen technischen Gegenstand. Ein Detektor auf der anderen Seite misst, wie viel Strahlung ankommt. Verschiedene Materialien schwächen die Strahlung unterschiedlich stark.
Knochen absorbieren mehr Röntgenstrahlung als viele Weichteile. Hinter einem Knochen erreicht daher weniger Strahlung den Detektor. In der üblichen Röntgendarstellung erscheint dieser Bereich hell. In der Materialprüfung können Unterschiede in der Abschwächung beispielsweise Risse oder Hohlräume sichtbar machen.
Bei einer Röntgenröhre geht es um äußere Bestrahlung mit ionisierenden Photonen. Die Aufnahme radioaktiver Stoffe in den Körper wäre ein anderer Expositionsweg; sie gehört nicht zu diesem Röhrenbeispiel. Die Aktivität einer radioaktiven Quelle in Becquerel beschreibt eine Röntgenröhre nicht.
Bei medizinischen Untersuchungen werden Nutzen, Dosis und mögliche Alternativen abgewogen. Filter, ein abgeschirmtes Röhrengehäuse, ein auf das Untersuchungsgebiet begrenztes Strahlenfeld und eine passende Belichtungszeit helfen, die Dosis zu begrenzen. Für beruflich Exponierte zählen auch Abstand, kurze Aufenthaltsdauer und Abschirmung.
Die Strahlenschutzkommission empfiehlt seit 2022, Schutzmittel am Patienten je nach Untersuchung gezielt einzusetzen. Falsch platzierte Schutzmittel können die Bildqualität mindern oder die Dosis erhöhen. Die Auswahl trifft das Fachpersonal. Experimente mit Röntgengeräten oder ionisierender Strahlung gehören nicht in die Schule oder nach Hause.
Definition
Absorbierte Dosis
Die absorbierte Dosis gibt an, wie viel Strahlungsenergie E pro Masse m aufgenommen wurde. Ihre Einheit ist Gray: D=\frac{E}{m} 1\,\mathrm{Gy}=1\,\mathrm{J/kg}
Beispiel: Dosis eines Schutzblocks
- 1Ein Schutzblock mit m=5\,\mathrm{kg} absorbiert E=5985\,\mathrm{J} Energie.
- 2D=\frac{E}{m}=\frac{5985\,\mathrm{J}}{5\,\mathrm{kg}}
- 3D=1197\,\mathrm{J/kg}=1197\,\mathrm{Gy}
- 4Die Rechnung beschreibt nur die absorbierte Dosis dieses Blocks. Der Wert darf nicht auf einen Menschen oder ein Organ übertragen werden, denn Bezugsmasse und Aufnahmesituation gehören zur Aussage.
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Alles auf einen Blick
Röntgenstrahlung
Röntgenröhre
Kathode, Vakuum, Anode
Entstehung
Bremsstrahlung und charakteristische Strahlung
Steuerung
Röhrenstrom, Spannung und Filterung
Wärme
Kühlung und Drehanode
Bild
unterschiedliche Abschwächung und Detektor
Schutz
Dosis begrenzen, Feld einblenden und Gehäuse abschirmen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Dosis in einem Prüfstück
- 1Ein Metallprüfstück mit m=8\,\mathrm{kg} nimmt E=24\,\mathrm{J} Strahlungsenergie auf. Gesucht ist die absorbierte Dosis des Prüfstücks.
- 2Die Definition lautet D=E/m. Ein Gray entspricht einem Joule pro Kilogramm.
- 3D=\frac{24\,\mathrm{J}}{8\,\mathrm{kg}}
- 4D=3\,\mathrm{J/kg}=3\,\mathrm{Gy}
- 5Die absorbierte Dosis des Prüfstücks beträgt 3 Gy. Diese Modellrechnung beschreibt keine menschliche Dosis.
Fehler finden
Energie pro Masse In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Dosis ist Energie pro Masse; die Multiplikation hat auch die falsche Einheit. Richtig ist D=18\,\mathrm{J}/(6\,\mathrm{kg})=3\,\mathrm{J/kg}=3\,\mathrm{Gy}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die beheizte setzt Elektronen frei. Die Röhrenspannung beschleunigt sie im zur Anode. Beim Auftreffen entstehen Röntgenstrahlung und vor allem .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback