Informatik · Klasse 11–13 · aktualisiert
Wasserfallmodell: Phasen und Einsatz einfach erklärt
Du lernst, wie das Wasserfallmodell Softwareprojekte in Phasen ordnet, was jede Phase liefert und wann es passt – auch im Vergleich zu agilem Vorgehen.
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Kurz gesagt
Das Wasserfallmodell ist ein lineares Vorgehensmodell: Die Phasen laufen nacheinander, und die Ergebnisse einer Phase sind für die nächste verbindliche Vorgaben. Es wird allgemein vorteilhaft angewendet, wenn sich Anforderungen in der Planung relativ präzise beschreiben lassen.
Stell dir vor, ein Team soll eine Software bauen, ohne einen Plan zu haben. Schnell weiß keiner mehr, wer was wann liefern soll. Ein Vorgehensmodell gibt dem Projekt deshalb eine Ordnung. Das Wasserfallmodell ist eines der ältesten davon, und du lernst, wann es hilft und wann nicht.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Ein Vorgehensmodell ist ein Plan für ein Softwareprojekt. Es teilt die Entwicklung in überschaubare Phasen auf, die zeitlich und inhaltlich begrenzt sind. Das Wasserfallmodell ist eines der ältesten Modelle und nimmt eine starre Abfolge der Phasen an. Es ist linear und nicht iterativ. Iterativ heißt: Ein Arbeitsschritt wird wiederholt und dabei verbessert. Im einfachen Wasserfallmodell wird jede Phase dagegen einmal durchlaufen.
Der Name kommt von der Darstellung: Die Phasen werden häufig als Kaskade gezeichnet, also als Stufen nach unten. Die Ergebnisse einer Stufe „fallen“ in die nächste und sind dort verbindliche Vorgaben. Jede Phase hat einen festgelegten Start und ein festgelegtes Ende mit eindeutig definierten Ergebnissen. Am Phasenende werden die vorgesehenen Dokumente im Projektmanagement verabschiedet. Das heißt, sie werden offiziell abgeschlossen.
Es gibt auch Varianten. Beim Wasserfallmodell mit Rücksprung darf man schrittweise in frühere Phasen zurückgehen. Das ist zum Beispiel nötig, wenn man beim Testen merkt, dass der Systementwurf angepasst werden muss.
Definition
Wasserfallmodell
Ein lineares (nicht iteratives) Vorgehensmodell für die Softwareentwicklung. Die Projektphasen folgen nacheinander, und die Ergebnisse einer Phase sind für die nächste verbindliche Vorgaben.
Merke: Beim einfachen Wasserfallmodell gilt: Phase für Phase, von oben nach unten. Die Ergebnisse jeder Stufe sind die verbindliche Vorgabe für die nächste.
Teste dich
Eine häufige Variante hat fünf Phasen. Phase 1 ist die Anforderungsanalyse und -spezifikation, sie führt zum Lastenheft. Phase 2 ist das Systemdesign und die -spezifikation, sie führt zur Softwarearchitektur. Das ist der Plan, wie der Programmaufbau aussehen soll. Phase 3 ist die Programmierung mit Modultests, sie führt zur eigentlichen Software. Phase 4 ist der Integrations- und Systemtest. Phase 5 ist Auslieferung, Einsatz und Softwarewartung.
Eine andere Variante hat sechs Schritte: Planung, Definition, Entwurf, Implementierung, Testen sowie Einsatz und Wartung. Dort entsteht beim Testen ein Testprotokoll. In der Definition entsteht das Pflichtenheft. Das Wasserfallmodell ist dokumentgetrieben: Am Ende jeder Aktivität steht ein fertiggestelltes Dokument.
Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber, also der Besteller. Es sagt, was und wofür etwas gemacht werden soll. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer, also der Hersteller. Es sagt, wie und womit er die Anforderungen lösen will. Erst wenn der Auftraggeber das Pflichtenheft akzeptiert, sollte die eigentliche Umsetzungsarbeit beginnen.
Der Auftraggeber ist in der Anfangsphase beteiligt. Danach erfolgen Entwurf und Implementierung ohne ihn. Weitere Änderungen stellen danach Neuaufträge dar.
| Nr. | Phase | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Anforderungsanalyse und -spezifikation | Lastenheft |
| 2 | Systemdesign und -spezifikation | Softwarearchitektur |
| 3 | Programmierung und Modultests | die eigentliche Software |
| 4 | Integrations- und Systemtest | Testprotokoll (so heißt das Ergebnis des Schritts „Testen“ in der Sechs-Schritte-Variante) |
| 5 | Auslieferung, Einsatz und Softwarewartung | Software im Einsatz, die in der Wartung den betrieblichen Bedürfnissen angepasst wird |
Definition
Lastenheft
Das Dokument des Auftraggebers. Es beschreibt in der Regel, was und wofür etwas gemacht werden soll.
Definition
Pflichtenheft
Das Dokument des Auftragnehmers. Es beschreibt, wie und womit er die Anforderungen des Auftraggebers lösen will.
Teste dich
Das Wasserfallmodell stammt ursprünglich aus dem Bau- und Produktionsprozess. Dort sind späte Änderungen prohibitiv teuer oder sogar unmöglich, also kaum bezahlbar. Es wird allgemein dort vorteilhaft angewendet, wo sich Anforderungen, Leistungen und Abläufe in der Planungsphase relativ präzise beschreiben lassen.
Vorteile sind die klare Abgrenzung der Phasen und einfache Möglichkeiten der Planung und Kontrolle. Außerdem gibt es eine klare Abschätzung von Kosten und Umfang bei stabilen Anforderungen.
Nachteile gibt es auch. Das Modell ist unflexibel gegenüber Änderungen. Frühes Festschreiben der Anforderungen ist oft problematisch, da es eventuell zu teuren Änderungen führt. Das System wird sehr spät nach Projektbeginn eingeführt, deshalb zeigt sich der Ertrag für das investierte Geld spät. Das ganze System kommt auf einmal (Big Bang), deshalb werden Fehler unter Umständen erst spät erkannt. Das fertige Ergebnis zeigt den Anforderungsstand zu Projektbeginn. Bei größeren Projekten mit meist sehr langer Laufzeit kann die Software schon bei der Einführung inhaltlich veraltet sein.
Ein Vorgehensmodell garantiert keinen Projekterfolg. Es sollte an die Anforderungen angepasst und nicht zum Selbstzweck eingesetzt werden. Prüfe also immer: Sind die Anforderungen früh genau beschreibbar und stabil?
Beispiel: Ausgedachtes Beispiel: Programm für eine Etikettier-Anlage
- 1Annahme (ausgedacht): Eine Firma bestellt ein Programm, das eine Waage mit einem Etikettendrucker verbindet.
- 2Annahme (ausgedacht): Die Firma kann genau beschreiben, was die Anlage tun soll, und das ändert sich nicht.
- 3Prüfung: Die Anforderungen lassen sich in der Planungsphase relativ präzise beschreiben.
- 4Ergebnis: Das Wasserfallmodell kann hier vorteilhaft sein, denn bei stabilen Anforderungen lassen sich Kosten und Umfang klar abschätzen.
Merke: Das Wasserfallmodell passt eher, wenn die Anforderungen früh relativ präzise beschreibbar und stabil sind. Ändern sich die Ziele im Projekt, wird es zum Problem.
Teste dich
Agile Softwareentwicklung (von lateinisch „agilis“, flink, beweglich) will Risiken und Fehlentwicklungen verringern. Sie versucht, die Entwurfsphase auf ein Mindestmaß zu reduzieren und so früh wie möglich zu ausführbarer Software zu kommen. Diese wird in regelmäßigen, kurzen Abständen mit dem Kunden abgestimmt. Agile Entwicklung ist iterativ, also wiederholend, und inkrementell, das heißt, das Produkt wird schrittweise erweitert. Dazu kommen selbstorganisierende Teams.
Das Wasserfallmodell arbeitet dagegen nach einem festen Plan in Phasen. Man nennt solche Modelle plangetrieben. Im Agilen Manifest heißt es zum Beispiel: Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans. Agile Methoden eignen sich besonders gut, um auf geänderte Anforderungen zu reagieren. Nachträgliche Änderungen sind dort durch die in der Regel kurzen Zeiträume relativ leicht möglich. Auch plangetriebene Modelle regeln Änderungen, aber der Aufwand und die geforderte Dokumentation sind vergleichsweise höher.
Agil ist aber nicht automatisch besser. Klare inhaltliche Vorgaben wie ein Pflichtenheft sind bei agilem Vorgehen schwierig, weil die Anforderungen erst während des Projekts entwickelt werden. Agile Methoden werden manchmal fälschlicherweise als Allheilmittel bei Projektproblemen angesehen. Hinderungsgründe wie Interessen- oder Zielkonflikte können für agile genauso wie für traditionelle Verfahren gelten.
Definition
Agile Softwareentwicklung
Ansätze, die schnell ausführbare Software liefern sollen und diese in regelmäßigen, kurzen Abständen mit dem Kunden abstimmen. Sie arbeiten iterativ und inkrementell.
| Merkmal | Wasserfallmodell | Agile Entwicklung |
|---|---|---|
| Ablauf | Linear: Phasen nacheinander, im einfachen Modell einmal durchlaufen | Iterativ und inkrementell: Schritte werden wiederholt und verfeinert |
| Entwurf | Eigene Phase, ihre Ergebnisse sind verbindliche Vorgaben | Entwurfsphase soll auf ein Mindestmaß sinken, früh ausführbare Software |
| Kunde | In der Anfangsphase beteiligt, spätere Änderungen sind Neuaufträge | Regelmäßige Abstimmung in kurzen Abständen |
| Änderungen | Nicht bzw. nur sehr eingeschränkt aufnehmbar | Relativ leicht möglich |
Merke: Wasserfall: erst planen, dann nacheinander ausführen. Agil: in kurzen Zyklen arbeiten und sich oft mit dem Kunden abstimmen. Keines von beiden garantiert den Erfolg.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Wasserfallmodell
Grundprinzip
Linear, die Phasen laufen nacheinander und die Ergebnisse sind verbindliche Vorgaben
Phasen
Anforderungen, Systemdesign, Programmierung, Test, Einsatz und Wartung
Dokumente
Am Ende jeder Aktivität steht ein fertiges Dokument, zum Beispiel das Lastenheft
Passung
Vorteilhaft, wenn Anforderungen früh relativ präzise beschreibbar sind
Agil
Iterativ und inkrementell, kurze Abstimmung mit dem Kunden, aber kein Allheilmittel
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ausgedachtes Beispiel: Passt das Wasserfallmodell zur Schülerzeitungs-App?
- 1Ausgedachte Aufgabe: Die Schülerzeitung will eine App. Die Redaktion weiß noch nicht genau, welche Funktionen sie braucht, und ihre Wünsche wechseln oft.
- 2Schritt 1: Frage, ob sich die Anforderungen in der Planungsphase relativ präzise beschreiben lassen. Hier nicht, denn sie ändern sich.
- 3Schritt 2: Das Wasserfallmodell nimmt Änderungen im Projektlauf nicht bzw. nur sehr eingeschränkt auf. Das fertige Ergebnis zeigt den Anforderungsstand zu Projektbeginn.
- 4Schritt 3: Agile Methoden eignen sich besonders gut für geänderte Anforderungen, weil die Zyklen in der Regel kurz sind.
- 5Ergebnis: Hier spricht mehr für agiles Vorgehen. Ein Erfolg ist damit nicht garantiert, denn Interessenkonflikte können jedes Verfahren stören.
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Fehler in Zeile 3Das ist eine zu allgemeine Aussage: Agile Methoden werden manchmal fälschlicherweise als Allheilmittel angesehen. Richtig: Hinderungsgründe wie Interessens- oder Zielkonflikte können für agile genauso wie für traditionelle Verfahren gelten.
Lückentext
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Weil jede Aktivität beendet sein muss, bevor die nächste anfängt, laufen die Phasen im Wasserfallmodell . Der Auftraggeber beschreibt im Lastenheft, er haben möchte. Agile Entwicklung stimmt sich in kurzen Abständen mit dem Kunden ab und arbeitet .
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