Englisch · Klasse 11–13 · aktualisiert
Creative Writing im Englischabitur: Anleitung
Du gestaltest literarische Vorlagen im Abitur textnah: Perspektive, Fortsetzung oder Filmszene müssen zu Auftrag und Vorlage passen.
0 von 12 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Textgebundenes Creative Writing im Abitur entwickelt einen eigenen literarischen Text aus einer Vorlage. Prüfe Auftrag, Figurenwissen und Textsignale; gestalte etwa einen Perspektivwechsel oder eine Fortsetzung, ohne der Vorlage zu widersprechen.
Beim Creative Writing im Englischabitur schreibst du kreativ, aber nicht beliebig: Dein neuer Text muss zur Vorlage, zur verlangten Textsorte und zum Arbeitsauftrag passen. Entscheidend ist, dass du Textsignale erkennst und daraus eine plausible Gestaltung entwickelst. Auf dieser Seite lernst du, Aufgaben zu entschlüsseln, eine Vorlage auszuwerten, die Perspektive zu wechseln, eine Handlung fortzuführen und eine Szene filmisch umzusetzen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Creative Writing kann im Englischunterricht zwei verschiedene Bereiche umfassen: literarische Zieltexte, etwa eine Fortsetzung, einen Perspektivwechsel, einen inneren Monolog oder die Umwandlung einer Szene in ein Drehbuch; Sachtexte, etwa einen Leserbrief, eine Stellungnahme, einen Zeitungsbericht, ein Interview, eine Filmrezension oder ein Porträt.
Diese Seite konzentriert sich auf literarische Aufgaben. Bei ihnen veränderst du meist die Perspektive, den weiteren Handlungsverlauf oder die Darstellungsform einer Vorlage.
Was verlangen typische Aufgabenformulierungen?
„Rewrite the incident from John's point of view.“ – Erzähle das Ereignis aus Johns Perspektive.
„Describe the day through Mary's eyes.“ – Zeige Marys Wahrnehmungen, Gedanken und Wertungen.
„How could the story continue?“ – Entwickle eine plausible Fortsetzung.
„Write an inner monologue.“ – Formuliere die unausgesprochenen Gedanken einer Figur.
„Turn the scene into a film script.“ – Übertrage die Szene in sprachliche, nonverbale, akustische und visuelle Mittel.
Markiere vor dem Planen drei Dinge:
(1) Form: Was für einen Text sollst du schreiben? (2) Ausgangspunkt: Welche Szene, Figur oder Leerstelle ist gemeint? (3) Veränderung: Was soll gleich bleiben, was darf oder soll sich ändern?
Bevor du schreibst, sammelst du Textsignale. Ein Textsignal ist eine konkrete Beobachtung an der Vorlage, die deine Gestaltung begrenzt oder stützt.
Lies diese kurze Beispielvorlage:
The corridor had emptied when Maya reached the music room. Through the glass she saw Ben holding her red notebook. He looked up, slipped it behind his back and smiled. „You're early,“ he said. Maya kept her hand on the door handle.
Aus diesem Ausschnitt weißt du sicher:
Maya erreicht einen fast leeren Flur vor dem Musikraum.
Ben hält ihr rotes Notizbuch und versteckt es hinter seinem Rücken.
Ben spricht Maya an.
Maya bleibt mit der Hand an der Türklinke stehen.
Nicht sicher weißt du: warum Ben das Notizbuch hat; was darin steht; ob sein Lächeln freundlich, nervös oder spöttisch ist; was Maya als Nächstes tut.
Genau hier liegt dein Gestaltungsspielraum. Du darfst eine plausible Erklärung entwickeln, solltest sie aber nicht mit einem belegten Fakt verwechseln.
Vier Leitfragen für die Analyse:
(1) Was weiß die Figur? Eine Figur darf nur auf Informationen reagieren, die ihr zugänglich sind. (2) Was will die Figur? Ihr mögliches Motiv sollte zu ihrem bisherigen Verhalten passen. (3) Wie wirkt die Szene? Achte auf Stimmung, Konflikt und Kernaussage. (4) Wie erzählt die Vorlage? Untersuche auffällige Wortwahl, Satzlänge und Erzählweise.
Stilbezug bedeutet nicht, den Schriftsteller künstlich nachzuahmen. Übernimm stattdessen erkennbare Merkmale, die für den Anschluss wichtig sind. Ein knapper, angespannter Ausschnitt sollte beispielsweise nicht ohne erkennbaren Grund in eine ausführliche, heitere Schilderung umschlagen.
Definition
Textgebundenes kreatives Schreiben
Textgebundenes kreatives Schreiben bedeutet: Du verfasst einen eigenständigen Text, übernimmst aber relevante Vorgaben der Vorlage. Dazu gehören je nach Aufgabe Figuren, Ereignisse, Wissensstände, Motive, Stimmung, Aussage und Stilmerkmale.
Merke: Kreative Freiheit beginnt erst nach dem genauen Lesen des Auftrags. Die Vorlage setzt den Rahmen; innerhalb dieses Rahmens triffst du eigene Entscheidungen.
Beispiel
- 1Textsignal: Ben versteckt das Notizbuch sofort.
- 2Plausible Deutung: Er möchte verhindern, dass Maya sieht, was er damit macht.
- 3Noch offene Möglichkeiten: Er könnte neugierig, besorgt, beschämt oder auf einen eigenen Vorteil bedacht sein. Erst weitere Textsignale würden zwischen diesen Möglichkeiten entscheiden.
- 4Der entscheidende Denkweg lautet deshalb: erst beobachten, dann vorsichtig deuten, danach gestalten.
Teste dich
Bei einem Perspektivenwechsel erzählst du eine bekannte Situation aus dem Blickwinkel einer anderen Figur. Häufig spricht sie als Ich-Erzähler. Das englische Pronomen „I“ allein genügt nicht: Auch Wahrnehmung und Wissen müssen zur Figur passen.
Plane mit den Schritten im Beispiel: Notiere, was die Figur sieht, hört und weiß. Trenne Beobachtung von plausibler Ergänzung. Wähle Gedanken und Ton, die zu ihr passen, und prüfe die Ereignisse der Vorlage.
Die Aufgabe lautet: „Rewrite the moment of Maya's arrival from Ben's point of view.“ Die Formulierung „trying to smile“ deutet Bens Lächeln als unsicher. Das ist eine Gestaltung, kein sicherer Fakt. Ein überlegenes Lächeln wäre ebenfalls möglich, wenn der übrige Text diese Lesart stützt.
Definition
Innerer Monolog
Ein innerer Monolog gibt die unausgesprochenen Gedanken einer Figur unmittelbar wieder. Er bleibt vollständig in ihrem Wissens-, Wahrnehmungs- und Werthorizont.
Beispiel
- 1The handle moved. I pushed the red notebook behind my back before Maya could see the open page. Why was she here already? I had meant to return it before rehearsal. “You're early,” I said, trying to smile. She did not answer. Her hand stayed on the door handle.
- 2Warum passt der Text?
- 3Die sichtbaren Ereignisse bleiben erhalten: Maya kommt an, Ben versteckt das Buch und spricht.
- 4Bens Ich-Perspektive ist konsequent.
- 5Seine Absicht wird als kreative Ergänzung ausgestaltet, widerspricht dem Ausschnitt aber nicht.
- 6Mayas Gedanken werden nicht behauptet. Ben kann nur ihr Schweigen und ihre Hand an der Türklinke beobachten.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Notiere, was die Figur sieht, hört und bereits weiß.
- 2Trenne belegte Motive von eigenen, plausiblen Ergänzungen.
- 3Bestimme, wie die Figur andere Personen bewertet.
- 4Wähle Gedanken, Wortwahl und Ton passend zu ihrer Situation.
- 5Prüfe, ob dein Text den Ereignissen der Vorlage entspricht.
Teste dich
Eine Fortsetzung schließt direkt an die offene Handlung an. Sie darf neue Ereignisse entwickeln, muss aber Konflikt, Figuren und Stimmung ernst nehmen.
Ein offenes Ende lässt eine wichtige Frage ungelöst. Ein überraschendes Ende braucht vorbereitende Hinweise. Auch ein glückliches oder unglückliches Ende ist möglich. Keine Endform ist automatisch besser. Der Schluss muss zu Titel, Thema, Aussage und Stimmung der Vorlage passen.
Beginne bei Bens verstecktem Notizbuch. Maya kann eine Erklärung verlangen. Ben muss reagieren: Er kann das Buch zurückgeben oder sein Verhalten erklären. Daraus kann neues Vertrauen entstehen oder vorhandenes Vertrauen beschädigt werden. Das Ende greift die angespannte Stimmung auf.
Prüfe typische Fehler: Ein großer Sprung überspringt die offene Situation. Eine unbegründete Wendung ändert eine Figur ohne Anlass. Eine fremde Stimmung macht aus Spannung plötzlich eine Komödie. Ein reiner Rückblick führt die Handlung nicht weiter. Ein beliebiges Ende wurde durch nichts vorbereitet.
Bei der Umwandlung in ein Drehbuch fragst du: Was kann man sehen und hören? Zeige Handlung durch Sprache, Verhalten, Bild und Geräusch. Kläre den zentralen Konflikt. Überlege, welche Gedanken du durch Dialog, Handlung, Gesichtsausdruck oder Ton zeigen kannst. Streiche nur Einzelheiten, die für die Aussage entbehrlich sind. Ein vorgegebenes Drehbuchformat hat Vorrang. Ohne genaues Schema trennst du sichtbare Handlung, Geräusche und gesprochene Sprache klar voneinander.
Beispiel
- 1Maya opened the door but did not step inside. “Give it back.” Ben looked at the notebook as if he had forgotten that he was still holding it. Then he placed it on the piano between them. “I can explain,” he said. Maya picked it up without looking at him. Several pages had been folded down. She closed the notebook and finally entered the room. “Then start with page twelve.”
- 2Die Fortsetzung schließt direkt an. Sie löst nicht sofort alles auf, entwickelt den Konflikt aber weiter. Das Ende bleibt offen: Ben soll erklären, was auf Seite zwölf geschehen ist.
Beispiel: Zentraler Konflikt: Maya entdeckt Ben mit ihrem Notizbuch und misstraut ihm.
- 1Mögliche filmische Umsetzung:
- 2VISUAL: An empty corridor. Maya approaches the music-room door. Through its glass panel, Ben is visible with a red notebook.
- 3ACTION: Ben sees Maya and quickly hides the notebook behind his back.
- 4BEN: You're early.
- 5SOUND: The door handle moves, but the door does not open.
- 6Diese Fassung macht die beobachtbaren Elemente sichtbar und hörbar. Sie behauptet nicht direkt, dass Maya misstrauisch ist; ihr Zögern an der Tür vermittelt die Spannung nonverbal.
Beispiel: Nutze für die Beispielszene diese Planung
- 1Offener Konflikt: Ben hat Mayas Notizbuch und verbirgt es.
- 2Unmittelbare Reaktion: Maya verlangt eine Erklärung.
- 3Plausible Entwicklung: Ben muss das Buch zurückgeben oder sein Verhalten erklären.
- 4Folge für die Beziehung: Vertrauen entsteht neu oder wird beschädigt.
- 5Passendes Ende: Die gewählte Wirkung greift die angespannte Stimmung auf.
Teste dich
Prüfe deinen Entwurf in mehreren Schritten. Auftrag: Habe ich genau die verlangte Textform geschrieben? Textnähe: Kann ich wichtige Entscheidungen mit Signalen der Vorlage verbinden? Perspektive: Weiß und bemerkt die Figur nur, was ihr zugänglich ist? Plausibilität: Passen Motive, Reaktionen und Folgen zusammen? Stil und Stimmung: Orientiert sich der Text an erkennbaren Merkmalen, ohne künstliche Nachahmung? Gestaltung: Habe ich eigene, begründbare Entscheidungen getroffen? Verständlichkeit: Sind Handlung, Bezüge und Übergänge klar?
Jetzt selbst schreiben: Aufgabe: Schreibe aus Mayas Ich-Perspektive vier bis sechs englische Sätze über den Moment vor der Tür. Bleibe bei ihrem Wissensstand. Begründe danach eine Gestaltungsentscheidung mit einem konkreten Textsignal.
Prüfe auch einen fehlerhaften Entwurf: Ein Schüler schreibt aus Bens Sicht: „Maya entered. She knew that I had read her song and decided never to trust me again.“ Lösung: Der Satz überschreitet Bens Wissensstand. Ben kann nicht sicher wissen, was Maya weiß oder für die Zukunft entscheidet. Passender wäre: „Maya entered without looking at me. I wondered whether she had realised that I had read the page.“
Beispiel: Schwache Begründung: „I chose this ending because it is exciting.“
- 1Stärkere Begründung: „I chose an open ending because the original scene creates uncertainty through Ben's hidden notebook and Maya's hesitation at the door.“
- 2Die stärkere Fassung nennt nicht nur eine Wirkung. Sie verbindet die Entscheidung mit zwei konkreten Textsignalen.
Beispiel: Eine mögliche Lösung
- 1Why was Ben holding my notebook? He hid it as soon as he saw me. I wanted to open the door, but my hand remained on the handle. Was he nervous, or was that smile meant to challenge me? I needed an answer before I entered the room.
- 2Mögliche Begründung: „I present Maya as suspicious because she sees Ben hide her notebook and hesitates at the door.“
- 3Andere Lösungen können ebenso überzeugen. Prüfe dabei:
- 4Verwendest du konsequent Mayas Perspektive?
- 5Unterscheidest du Beobachtungen von Vermutungen?
- 6Bleiben die sichtbaren Ereignisse der Vorlage erhalten?
- 7Passt die Stimmung zur angespannten Ausgangsszene?
- 8Verbindet deine Begründung eine Entscheidung mit einem Textsignal?
Beispiel: Ein sinnvoller Arbeitsprozess verbindet Textanalyse und kreatives Gestalten
- 1Bestimme Auftrag, Zieltext und Ausgangsstelle.
- 2Markiere Figurenwissen, Motive, Stimmung, Aussage und Stilmerkmale.
- 3Sammle und ordne mögliche Entwicklungen.
- 4Plane den Perspektivwechsel, die Fortsetzung oder die filmische Umsetzung.
- 5Schreibe einen vollständigen Entwurf.
- 6Prüfe Anschluss, Plausibilität, Textsortenmerkmale, Wirkung und Verständlichkeit.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Creative Writing (Abitur)
Auftrag
Zieltext, Ausgangspunkt und verlangte Veränderung klären.
Vorlage
Figurenwissen, Motive, Stimmung, Aussage und Stilmerkmale prüfen.
Perspektive
Beobachtungen von Vermutungen unterscheiden.
Fortsetzung
Offenen Konflikt und Figurenverhalten aufnehmen.
Filmszene
Gedanken durch Bild, Handlung, Ton oder Dialog zeigen.
Überarbeitung
Gestaltung mit Textsignalen begründen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Vom Textsignal zur Fortsetzung
- 1Vorlage: Ben versteckt Mayas rotes Notizbuch hinter dem Rücken; Maya hält die Türklinke fest.
- 2Textsignal: Das Verstecken öffnet einen Konflikt, Bens Grund bleibt unklar.
- 3Entwurf: Maya fordert das Buch zurück. Ben legt es zwischen sie auf das Klavier.
- 4Prüfung: Die Handlung schließt an; warum Ben das Buch hatte, bleibt als Deutung offen.
Fehler finden
Prüfe Bens Perspektive In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile behauptet Mayas unbekanntes Wissen. Passend ist: „Ben fragte sich, ob Maya sein Versteck bemerkt hatte.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bestimme zuerst die , sammle dann und prüfe am Ende den der Figur.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback