Deutsch · Klasse 5–6 · aktualisiert
Genitivobjekt erkennen und sicher bestimmen
Wessen gedenken wir? Das Genitivobjekt ist selten, aber knifflig. Du lernst, es am Verb zu erkennen und vom Genitivattribut zu unterscheiden.
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Kurz gesagt
Ein Genitivobjekt ist eine Ergänzung im Genitiv, die von einem Verb abhängt, etwa von „gedenken“, „bedürfen“ oder „sich annehmen“. Du erfragst es mit „Wessen?“: „Wir gedenken unserer Freunde.“ – Wessen gedenken wir? – „unserer Freunde“. Beschreibt die Genitivgruppe ein Nomen, ist sie ein Genitivattribut.
Ein Genitivobjekt ist eine Ergänzung, die von einem Verb abhängt. Meist steht sie sichtbar im Genitiv und lässt sich mit Wessen? erfragen. Die Frage allein reicht jedoch nicht: Entscheidend ist, dass die Antwort das Verb ergänzt und nicht bloß ein Nomen näher beschreibt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Objekt ergänzt das Prädikat eines Satzes. Beim Genitivobjekt verlangt oder ermöglicht das maßgebliche Verb eine Genitivergänzung. Typische Verben und Wendungen mit Genitivobjekt sind zum Beispiel bedürfen, gedenken, sich annehmen, sich bedienen, sich enthalten, sich entledigen, sich erfreuen, sich rühmen, sich schämen, beschuldigen und überführen. Nicht jedes Verb kann ein Genitivobjekt erhalten.
Definition
Genitivobjekt
Ein Genitivobjekt ist ein selbstständiges Satzglied, das von einem Verb abhängt. Häufig erscheint es als Nomengruppe oder Pronomen im Genitiv und lässt sich mit Wessen? erfragen. Auch eine satzförmige Ergänzung kann die Stelle einer solchen Genitivergänzung einnehmen.
Beispiel: „Man beschuldigt ihn des Diebstahls.“
- 1Das maßgebliche Verb lautet beschuldigen.
- 2Die Frage lautet: Wessen beschuldigt man ihn?
- 3Die Antwort lautet: des Diebstahls.
- 4Die Antwort steht im Genitiv und ergänzt das Verb beschuldigen.
- 5Darum ist des Diebstahls ein Genitivobjekt.
Merke: Wessen? liefert einen ersten Hinweis. Erst die Abhängigkeit vom Verb bestätigt das Genitivobjekt.
Teste dich
Gehe bei der Bestimmung nicht nur nach einer Endung. Prüfe Form und Funktion gemeinsam. Die Verschiebeprobe hilft dir zu erkennen, welche Wörter zusammengehören. Sie bestimmt aber nicht allein die Objektart. Dafür brauchst du zusätzlich den Verbbezug und bei Nomengruppen oder Pronomen die Genitivform.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Bestimme das Prädikat und das maßgebliche Verb.
- 2Frage vom Verb aus mit Wessen?.
- 3Prüfe bei einer Nomengruppe oder einem Pronomen, ob die Antwort im Genitiv steht.
- 4Prüfe, ob die gesamte Antwort vom Verb abhängt.
- 5Verschiebe die vollständige Gruppe probeweise, ohne einzelne Teile abzutrennen.
Beispiel: „Die Staatsanwältin bezichtigt den Manager des Betrugs.“
- 1Prädikat: bezichtigt
- 2Frage nach dem Akkusativobjekt: Wen bezichtigt die Staatsanwältin? – den Manager
- 3Frage nach dem Genitivobjekt: Wessen bezichtigt sie den Manager? – des Betrugs
- 4Der Satz enthält somit ein Akkusativobjekt und ein Genitivobjekt. Auch in der umgestellten Form „Des Betrugs bezichtigt die Staatsanwältin den Manager“ bleibt des Betrugs als vollständiges Satzglied erhalten.
Teste dich
Ein Genitivattribut beschreibt ein Nomen näher. Es ist kein selbstständiges Satzglied, sondern ein Teil eines Satzglieds. Genitivobjekt und Genitivattribut können beide auf eine Wessen-Frage antworten; ihre Abhängigkeit ist verschieden. Nicht jede Wortgruppe im Genitiv ist ein Genitivobjekt. Bei einer Gruppe wie wegen des Regens bestimmt die Präposition wegen den Genitiv. Die gesamte Gruppe ist hier eine adverbiale Bestimmung des Grundes und kein Genitivobjekt. Ein Präpositionalobjekt beginnt mit einer Präposition, die ein Verb verlangt. Die Präposition gehört dann auch zur Frage: „Luisa wartet auf ihre Schwester.“ – Worauf wartet Luisa? – auf ihre Schwester. Dagegen wird das Genitivobjekt ohne Präposition mit Wessen? erfragt: „Sie nahm sich des Problems an.“ – Wessen nahm sie sich an? – des Problems. Bei manchen Verben klingt das Genitivobjekt heute formell oder veraltet. Statt „Er erinnerte sich des Termins“ wird häufig „Er erinnerte sich an den Termin“ verwendet. Im ersten Satz steht ein Genitivobjekt, im zweiten ein Präpositionalobjekt.
| Merkmal | Genitivobjekt | Genitivattribut |
|---|---|---|
| Abhängig von | einem Verb | einem Nomen |
| Funktion | ergänzt das Prädikat | beschreibt ein Nomen näher |
| Stellung | selbstständiges Satzglied | Teil eines Satzglieds |
| Beispiel | Wir gedenken unserer Freunde. | Der Hund des Nachbarn bellt. |
Beispiel: „James war sich der Geschwindigkeit seines Motorrads bewusst.“
- 1der Geschwindigkeit seines Motorrads ergänzt die Wendung sich bewusst sein. Die gesamte Gruppe ist das Genitivobjekt.
- 2seines Motorrads beschreibt innerhalb dieser Gruppe das Nomen Geschwindigkeit näher. Dieser Teil ist ein Genitivattribut.
- 3Eine Genitivgruppe kann also ein Genitivattribut enthalten. Du musst deshalb immer die vollständige Struktur untersuchen.
Teste dich
Ein Genitivobjekt kann unterschiedlich aufgebaut sein. Seine Funktion bleibt gleich: Es ergänzt ein passendes Verb. Nomengruppe: „Sie erfreut sich bester Gesundheit.“ Ausführliche Nomengruppe: „Er wurde des schweren Raubes angeklagt.“ Pronomen: „Wir gedenken ihrer.“ Eigenname im Genitiv: „Sie nahmen sich Marias an.“ Satzförmige Ergänzung: „Sie rühmt sich, Weltmeisterin im Kopfrechnen zu sein.“ Bei einer satzförmigen Ergänzung ist der Genitiv nicht an einer Kasusendung sichtbar. Die Ergänzung besetzt jedoch die Stelle, an der auch eine Genitivgruppe oder ein Genitivpronomen stehen kann.
Beispiel: „Ich erinnerte mich, dass ich noch etwas einkaufen musste.“
- 1Die Ergänzung lässt sich durch das Genitivpronomen dessen vertreten: „Ich erinnerte mich dessen.“
- 2Dadurch wird der Bezug zur Genitivergänzung sichtbar.
Beispiel: Üben und begründen: Genitivobjekt, Genitivattribut oder Präpositionalgruppe?
- 1Wir bedienten uns seiner Kenntnisse. – Genitivobjekt: Die Gruppe ergänzt sich bedienen („Wessen bedienten wir uns?“).
- 2Der Mantel seiner Mutter hängt im Flur. – Genitivattribut: Die Gruppe beschreibt das Nomen Mantel näher.
- 3Wegen des Regens blieb der Platz leer. – Präpositionalgruppe, die den Grund angibt: wegen bestimmt den Genitiv.
- 4Sie nahm sich des Problems des Umzugs an. – Als Ganzes Genitivobjekt zu sich annehmen; darin ist des Umzugs ein Genitivattribut zu Problem.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Genitivobjekt (Wessen-Objekt)
Verbbezug
ergänzt ein Verb wie gedenken oder sich annehmen
Frage
lässt sich meist mit „Wessen?“ erfragen
Form
meist Nomengruppe oder Pronomen im Genitiv, auch satzförmig
Genitivattribut
hängt von einem Nomen ab, nicht vom Verb
Präpositionalgruppe
eine Präposition wie „wegen“ bestimmt den Genitiv
Sprachgebrauch
selten, vor allem in formeller Sprache
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bestimme: „Der Trainer enthielt sich eines Kommentars.“
- 1Prädikat: „enthielt sich“ – das maßgebliche Verb ist „sich enthalten“.
- 2Frage: Wessen enthielt sich der Trainer? – „eines Kommentars“.
- 3Form: „eines Kommentars“ steht im Genitiv.
- 4Verbbezug: Die Gruppe ergänzt „sich enthalten“ und beschreibt kein Nomen.
- 5Ergebnis: „eines Kommentars“ ist ein Genitivobjekt.
Fehler finden
Emil bestimmt die fett markierten Genitivgruppen. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Emil verlässt sich nur auf die Wessen-Frage. „meiner Tante“ beschreibt das Nomen „Zelt“ und ergänzt kein Verb. Richtig: „meiner Tante“ ist ein Genitivattribut zum Nomen „Zelt“.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im Satz „Wir bedurften ihrer Hilfe“ lautet das maßgebliche Verb . Die Frage heißt bedurften wir? Die Antwort „ihrer Hilfe“ ist vom abhängig und deshalb ein Genitivobjekt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback