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Wittener Tage für neue Kammermusik

Die Wittener Tage für neue Kammermusik sind ein Musikfestival, das 1936 vom Wittener Komponisten Robert Ruthenfranz gegründet wurde und seit 1969 gemeinsam …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Festival für neue Kammermusik
  2. 2. Gründung und Entwicklung bis 1968
  3. 3. WDR-Engagement und internationale Öffnung
  4. 4. Weiterentwicklung seit 1990
  5. 5. In-nomine-Projekt und Finanzierungskrise

Festival für neue Kammermusik

Die Wittener Tage für neue Kammermusik sind ein jährlich am letzten April-Wochenende stattfindendes Musikfestival in Witten. Es wurde 1936 vom Wittener Komponisten Robert Ruthenfranz gegründet. Als Uraufführungsfestival, also als Festival mit ersten öffentlichen Aufführungen neuer Werke, besitzt es internationale Aufmerksamkeit.

Seit 1969 veranstalten die Stadt Witten und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) das Festival gemeinsam. Die Konzerte werden über WDR 3 sowie durch Programmaustausch von ARD und EBU weltweit verbreitet. Zur Förderung und Unterstützung gehörten beziehungsweise gehören das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kommunalverband Ruhrgebiet bis 2004 beziehungsweise der Regionalverband Ruhr 2005 sowie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

2023 übernahm Patrick Hahn nach der 34-jährigen Ära von Harry Vogt die künstlerische Leitung. Damit verantwortet er auch die Gestaltung und Weiterentwicklung der Uraufführungsreihe Musik der Zeit des WDR.

Gründung und Entwicklung bis 1968

Robert Ruthenfranz rief 1936 zunächst die „Wittener Musiktage“ ins Leben. Dass im Dritten Reich ein Festival für zeitgenössische Musik gegründet werden konnte, gilt als bemerkenswert, weil diese Musik tendenziell als „entartet“ angesehen wurde. Laut Artikel könnte dies mit Ruthenfranz’ geschicktem politischem Agieren zusammenhängen; er war seit 1937 Mitglied der NSDAP. Nach dem Krieg bezeichnete er sein Engagement als „stille Opposition“. Die Verbindung des Festivals zur Kulturpolitik des Dritten Reiches lässt sich nach dem Artikel gegenwärtig schwer bewerten.

Ab 1947 setzte Ruthenfranz das Festival in unregelmäßigen Abständen fort, nämlich 1947, 1948, 1950, 1953 und 1957. Seit 1960 fanden die Wittener Musiktage jährlich statt. Die Stadt Witten erhöhte ab 1957 ihren finanziellen Beitrag jährlich; 1964 übernahm ihr Kulturamt Veranstaltung und Finanzierung vollständig, bis der WDR einstieg.

WDR-Engagement und internationale Öffnung

Ab 1969 prägte der WDR die Wittener Tage entscheidend. Er zeichnete nicht nur die Konzerte auf, sondern stellte auch den Redakteur für neue Kammermusik Wilfried Brennecke frei, damit dieser die inhaltliche Verantwortung übernehmen konnte. Zugleich wurde das Festival von „Wittener Musiktage“ in „Wittener Tage für neue Kammermusik“ umbenannt. 1973 richtete der WDR erstmals offiziell das Abschlusskonzert als „Sonderkonzert des Westdeutschen Rundfunks“ aus.

Porträtkonzerte, die einzelne Komponisten in den Mittelpunkt stellen, gehörten ab 1978 zu Brenneckes Konzept. Ein wichtiger Schwerpunkt waren Komponisten aus der Sowjetunion und anderen Ländern „hinter dem Eisernen Vorhang“. Dadurch stellte das Festival die internationale Entwicklung der Neuen Musik in großer Bandbreite dar; viele Komponisten waren dort erstmals im westlichen Teil Europas zu hören. György Kurtág war dem Wittener Publikum bereits bekannt, bevor Pierre Boulez ihm Jahre später zu internationalem Durchbruch verhalf.

Zu den am häufigsten aufgeführten Komponisten in Brenneckes Zeit zählten György Kurtág, Paul-Heinz Dittrich, Helmut Lachenmann und Friedrich Goldmann. Brennecke beendete seine Tätigkeit 1989 nach 21 Ausgaben. Zu seinem Abschied entstanden auf seine Anregung 30 „Abschiedsstücke“, die in drei „Intermezzi“ das Programm ergänzten.

Weiterentwicklung seit 1990

Von 1990 bis 2022 war Harry Vogt, Redakteur für Neue Musik beim WDR, künstlerischer Leiter. Unter ihm weitete das Festival den Begriff der Kammermusik aus: Es bezog Klanginstallationen, improvisierte Musik und verstärkt Aspekte des Musiktheaters ein. Zugleich erhöhte sich die Zahl der Uraufführungen. Der Artikel beschreibt aber auch, dass zahlreiche Komponisten dauerhaft aus den Programmen entfernt wurden und sich dadurch die inhaltlichen Koordinaten deutlich verschoben.

In Vogts Konzept spielten die Interpreten eine tragende Rolle. Regelmäßig beteiligt waren unter anderem trio und ensemble recherche, das Arditti String Quartet, Klangforum Wien und Ensemble Modern. Neue Formationen wie Ensemble Ascolta und Ensemble 2x2 erlebten dort ihre Premiere. Unter Vogt festigte sich der Ruf der Wittener Tage als „Donaueschingen des Ruhrpott“.

In-nomine-Projekt und Finanzierungskrise

Zum zehnjährigen Jubiläum von Harry Vogt bat das ensemble recherche 1999 zahlreiche Komponisten um ein Überraschungsstück für die Wittener Tage. Die Werke sollten sich auf einen beliebten Hymnus des 16. Jahrhunderts von John Taverner beziehen. Mehr als 50 Komponisten folgten seitdem der Einladung; ihre Werke wurden im Wittener „in nomine“-Buch dargestellt.

2012 geriet das Festival in eine Finanzierungskrise. Die überschuldete Stadt Witten durfte wegen Haushaltsauflagen des Landes ihren Beitrag von 40.000 € nicht mehr leisten. Dadurch verfiel auch die vom Land zugesagte Förderung von 30.000 €. Der WDR übernahm die Kosten und rettete das Festival. Laut einem Bericht der NMZ sollte die Finanzierung für die Zukunft neu verhandelt werden.

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