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Vom Einfluss der Frau auf die Geschichte

Vom Einfluss der Frau auf die Geschichte ist ein Essay des spanischen Kulturphilosophen und Soziologen Ortega y Gasset, der 1929 unter diesem Titel erstmals …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Werk, Ersterscheinung und Ausgaben
  2. 2. Zentrale Gedanken des Essays
  3. 3. Aufnahme und spätere Deutung

Werk, Ersterscheinung und Ausgaben

„Vom Einfluss der Frau auf die Geschichte“ ist ein Essay des spanischen Kulturphilosophen und Soziologen Ortega y Gasset. Er erschien 1929 zuerst auf Deutsch im Verlag der Neuen Schweizer Rundschau in Zürich. Fritz Ernst übersetzte den Text und schrieb die Einleitung. Damit wurde die deutsche Übersetzung 12 Jahre vor der ersten spanischen Ausgabe veröffentlicht.

1933 wurde der Essay in Stuttgart bei der Deutschen Verlagsanstalt in den Sammelband „Über die Liebe“ aufgenommen. Die Übersetzung stammte von Helene Weyl; der Band enthielt außerdem sechs weitere Essays Ortegas, die 1926 und 1927 in „El Sol“ und „La Nación de Buenos Aires“ erschienen waren. Die erste spanische Ausgabe erschien 1941 als „Epílogo al libro «De Francesca a Beatrice»“ in der Essaysammlung „Estudios sobre el amor“.

Weitere deutsche Ausgaben erschienen 1956 bei Rinn in München, übersetzt von Ulrich Weber und ergänzt um Carl J. Burckhardts Beitrag „Begegnung mit Ortega“, sowie 1978 in Band 4 der „Gesammelten Werke“ unter dem Titel „Betrachtungen über die Liebe“ (S. 262–339).

Zentrale Gedanken des Essays

Der Essay ist der argentinischen Schriftstellerin Victoria Ocampo gewidmet und als Brief an sie geschrieben. Ortega war eng mit ihr befreundet und bezeichnet sie als Verkörperung des „beispielhaften Frauentums“ (S. 5). Ocampo hatte 1924 ein Buch über Dantes „Göttliche Komödie“ veröffentlicht, für das Ortega einen Epilog verfasst hatte.

Ortega vertritt die Auffassung, dass manche Epochen männlich, andere weiblich bestimmt seien. Als Gegensatz nennt er das frühe Mittelalter: Die Männer widmeten sich dem Kriegshandwerk und verbrachten ihre Zeit bei „barischen Trink- und Sangesfesten“, während Frauen nicht am öffentlichen Leben teilnahmen. Im späten Mittelalter dagegen steige „am Horizont das Gestirn der Frau empor“ (S. 10).

Für Ortega ist der Einfluss der Frau auf die Geschichte eine weitgehend unerforschte Frage. Auch eine Geschichte des Gefühls, das Männer Frauen entgegenbringen, sei noch nicht geschrieben worden. An Dante und Beatrice entwickelt er die These, dass „die Frau zur Erzieherin des Mannes wird“. Er verbindet dies mit einer „hohe[n] biologische[n] Aufgabe, die dem Weib zukomme“. In seiner Auseinandersetzung mit Ocampos Dante-Deutung bezeichnet er „die Frau als Norm“ (S. 8) als Dantes große Entdeckung. Gemeint ist: Die Frau werde zum Maßstab, an dem der Mann sich ausrichtet und durch den er sich verändert.

Der Text enthält außerdem einen Exkurs über den Idealismus, über den laut Ortega seit 200 Jahren mit „verdrießlicher Hartnäckigkeit“ (S. 17) gesprochen werde. Zur modernen Frauenbewegung äußert er, ihre konkreten Ziele verdienten „Achtung und Förderung“ (S. 28). Zugleich nennt er sie insgesamt oberflächlich, weil sie die Frage nach dem spezifisch weiblichen Einfluss auf die Geschichte nicht beantworte. Nach seiner Kritik werde wegen mangelnden geistigen Weitblicks in Tätigkeiten gesucht, die männlichen Tätigkeiten ähnlich seien; dabei müsse man auf Lücken stoßen.

Aufnahme und spätere Deutung

Bei seinem Erscheinen wurde das Buch positiv aufgenommen. Die „Badische Presse“ aus Karlsruhe lobte Scharfsinn, Tiefe, Gerechtigkeit und Liebe des schmalen Bandes. Sie hob außerdem die Gliederung, den Satzbau und die „aristotelische Klarheit“ von Ortegas Stil hervor.

Stefan Diebitz schrieb 2012 zur Veröffentlichung von „Über die Liebe“, der Titel könne in die Irre führen: Obwohl die Aufsätze mehrfach Liebe und Verliebtheit behandelten, gehe es eher um eine „Philosophie der Kultur“. Die Texte beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage: „Wie entsteht Kultur und welchen Anteil hat die Frau daran?“ Den Essay beschreibt Diebitz als Darstellung davon, wie die Frau den Mann erziehe: Der Mann werde durch den „irrealen Meißel des Weiblichen“ zu einem neuen Menschen, also kultiviert, umgeschaffen.

Diebitz weist zugleich darauf hin, dass Ortegas Frauenbild nicht unbedingt dem Bild heutiger Frauen entspreche. Während sich Frauen heute nach seiner Darstellung teilweise für multitaskingfähig hielten, schreibe Ortega der Frau eine „zusammengefaßter[e], mehr bei sich selbst und geschmeidiger[e]“ Aufmerksamkeit zu. Ihre Seele bewege sich nach Ortega um eine einzige attentionale Achse, die in jeder Lebensphase auf einem einzigen Gegenstand ruhe.

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