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Ursula Wienen
1989 begann sie ein Übersetzerstudium mit den Sprachen Französisch und ... Zur Umsetzung des französischen Gérondif in deutschen Urteilsversionen des …
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Profil und Arbeitsgebiet
Ursula Wienen (* 1965 in Neuss) ist eine deutsche Sprach- und Übersetzungswissenschaftlerin. Sie ist Professorin an der Technischen Hochschule Köln, die früher Fachhochschule Köln hieß. Dort lehrt sie an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften im Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation.
Ihr Fachgebiet verbindet romanische Sprachwissenschaft mit Übersetzungswissenschaft. Im Mittelpunkt stehen vor allem Französisch, Spanisch und Deutsch, die Übersetzung von Fachsprache sowie sprachliche Strukturen, die für das Verstehen und Übertragen von Texten wichtig sind. Fachsprache bezeichnet dabei die besondere Sprache eines Fachbereichs, etwa der Rechtswissenschaft, des Bergbaus oder der Linguistik. Translation umfasst Übersetzen und Dolmetschen als wissenschaftlich untersuchte Tätigkeiten.
Zu ihren wiederkehrenden Forschungsthemen gehören Kohäsion, also sprachliche Mittel, die Sätze und Textteile miteinander verbinden, Informationsstruktur, Ironie, literarische Texte mit Fachsprache sowie die Übersetzung zwischen romanischen Sprachen und dem Deutschen. Ihre Dissertation untersucht die Übersetzbarkeit markierter Kohäsionsformen, insbesondere ein Kontinuum von Spaltadverbialen und Spaltkonnektoren im Spanischen, Französischen und Deutschen.
Ausbildung und akademischer Weg
Nach dem Abitur 1984 in Neuss absolvierte Wienen eine kaufmännische Ausbildung bei Thyssen in Düsseldorf und arbeitete dort bis 1989. Im selben Jahr begann sie an der Technischen Hochschule Köln ein Übersetzerstudium für Französisch und Spanisch. Dieses schloss sie 1993 mit dem Diplom ab. Für den besten Übersetzerabschluss der FH 1993 erhielt sie den Preis des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ).
Danach studierte sie an der Universität zu Köln Romanistik mit den Schwerpunkten Französisch und Spanisch sowie Allgemeine Sprachwissenschaft. Den Magisterabschluss erlangte sie 2002. Parallel war sie von 1995 bis 2002 Geschäftsführerin von ProLogos Sprachendienste in Köln.
Von 2002 bis 2007 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft der Universität des Saarlandes. Dort promovierte sie 2006 bei Alberto Gil mit der Arbeit Zur Übersetzbarkeit markierter Kohäsionsformen. Im November 2007 wurde sie auf die Professur „Französische Sprach- und Übersetzungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Fachübersetzen“ an der Technischen Hochschule Köln berufen. Zusätzlich hatte sie Lehraufträge an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2008 bis 2010) sowie an der Universität zu Köln in Rechtslinguistik und Romanistik (2014 bis 2015).
2016 habilitierte sie sich an der Universität des Saarlandes mit dem Thema Translation von Fachsprache in literarischen Texten. Mit der Habilitation erhielt sie die Venia Legendi, also die Lehrbefugnis, für Romanische Sprach- und Übersetzungswissenschaft.
Zentrale Veröffentlichungen und Forschungsbeispiele
Ihre beiden genannten Monographien bündeln wesentliche Forschungsfelder. Die Dissertation Zur Übersetzbarkeit markierter Kohäsionsformen erschien 2006 bei Peter Lang. Die Habilitationsschrift Translation von Fachsprache in literarischen Texten. Ein deutsch-romanischer Vergleich erschien 2017 bei Röhrig. Beide Arbeiten behandeln damit einerseits den Zusammenhang von Textteilen und andererseits die Übertragung fachsprachlicher Elemente in verschiedenen Sprach- und Textzusammenhängen.
Als Mitherausgeberin wirkte Wienen an Sammelbänden zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft, zu Fachsprache in der Romania, Fachtextübersetzung, Sprache, Rhetorik und Translation sowie zu Ironie mit. Dazu gehören unter anderem Fachsprache(n) in der Romania – Entwicklung, Verwendung, Übersetzung (2013), Kölner Konferenz zur Fachtextübersetzung (2013) und Translationswissenschaftliches Kolloquium 3. Beiträge zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft (2014).
Die ausgewählten Aufsätze zeigen konkrete Anwendungen ihrer Themen: Sie untersucht die Übersetzung sprachlicher Popularisierungsstrategien bei Buffons Histoire naturelle des oiseaux, die Stellung und Bedeutung von „aber“ bei Romano Guardini, Ironie und Fachsprache sowie die Fachsprachenverwendung in zwei Romanen Jules Vernes. Weitere Beispiele sind französisch-deutsche Übersetzungen von Rousseaus Briefen über die Botanik und die Umsetzung des französischen Gérondif in deutschen Urteilsversionen des Europäischen Gerichtshofs.
In Arbeiten mit anderen Autorinnen und Autoren behandelt sie etwa Fachsprache in Synchronisation und Untertitelung, die Fachsprache des Bergbaus in Émile Zolas Germinal, französische c'est-que-Konstruktionen in politischen Texten und in Übersetzungen von Ferdinand de Saussures Cours de linguistique générale. Außerdem war sie an Beiträgen über elektronische Recherchemöglichkeiten und die „Saarbrücker Übersetzungsbibliographie“ beteiligt.