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U English
Das U English (Upper English, sinngemäß Oberklassenenglisch) ist ein nach einem Diskurs in den 1950er Jahren definierter Begriff, es grenzt sich vom …
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Begriff und Grundidee
U English (auch Upper English, sinngemäß „Oberklassenenglisch“) bezeichnet eine Sprachform, die sich vom Englisch der Mittelschicht, dem non-U English, abgrenzt. Der Begriff wurde nach einer Debatte in den 1950er Jahren geprägt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Wörter und Ausdrucksweisen als typisch für die englische Oberklasse beziehungsweise den britischen Adel und welche als typisch für die Mittelschicht galten.
Nach der Theorie verwendet die Arbeiterklasse im Wesentlichen dieselben Begriffe wie die englische Oberklasse. Beide benutzen ein ebenmäßiges und traditionelles Englisch. Die Mittelschicht greift dagegen eher zu neuen Terminologien, darunter Neologismen (Wortneuschöpfungen) und Euphemismen (beschönigende Ausdrücke), um vornehmer zu klingen und sich sprachlich über die Arbeiterklasse zu erheben. Die Oberschicht muss ihre gehobene soziale Stellung nach dieser Vorstellung nicht künstlich durch besondere Wörter betonen und verwendet deshalb die herkömmliche Sprache des Volkes.
Typische sprachliche Unterschiede
Die Beispiele zeigen, dass U English häufig traditionelle oder schlichte Wörter bevorzugt, während non-U English modernere, formellere oder beschönigende Ausdrücke verwendet. Typische Gegenüberstellungen sind:
- U English „Bike“ oder „bicycle“ statt non-U English „Cycle“; „Dinner jacket“ statt „Dress suit“; „Knave“ (im Kartenspiel) statt „Jack“.
- „Vegetables“ statt „Greens“; „Ice“ statt „Ice cream“; „Scent“ statt „Perfume“; „Looking-glass“ statt „Mirror“.
- „Chimneypiece“ statt „Mantelpiece“; „Graveyard“ statt „Cemetery“; „Spectacles“ statt „Glasses“; „False teeth“ statt „Dentures“.
- „Die“ statt „Pass on“; „Mad“ statt „Mental“; „Jam“ statt „Preserve“; „Napkin“ statt „Serviette“.
- „Sofa“ statt „Settee“ oder „couch“; „Lavatory“ oder „loo“ statt „Toilet“; „Rich“ statt „Wealthy“; „What?“ statt „Pardon?“.
- „Good health“ statt „Cheers“; „Lunch“ statt „Dinner“ für das Mittagessen; „Pudding“ statt „Sweet“; „Drawing-room“ statt „Lounge“.
- „Writing-paper“ statt „Note-paper“; „How d’you do?“ statt „Pleased to meet you“; „Wireless“ statt „Radio“; „(School)master, mistress“ statt „Teacher“.
Auch ganze Wendungen und die Verwendung einzelner Wörter unterscheiden sich. U English lautet etwa „They’ve a very nice house.“, non-U English dagegen „They have (got) a lovely home.“ Bei Krankheit heißt es im Bett „Ill (in bed)“ gegenüber „Sick (in bed)“. Auf einem Boot kann U English „I was sick on the boat.“ und non-U English „I was ill on the boat.“ verwenden. Die Tabelle verdeutlicht damit, dass die Zuordnung je nach Ausdruck und Zusammenhang wechseln kann und nicht einfach eine allgemeine Bewertung von richtigem oder falschem Englisch darstellt.
Entstehung der Debatte
Die Debatte wurde 1954 von dem britischen Linguistikprofessor Alan S. C. Ross von der Birminghamer Universität gestartet. In einem finnischen Journal prägte er die Begriffe „U English“ und „non-U English“. Ross wies auf Unterschiede in Aussprache und Schreibstil hin; besonders seine Analyse des unterschiedlichen Vokabulars löste eine intensive Diskussion aus.
Die englische Autorin Nancy Mitford griff die Debatte 1954 in ihrem Artikel „Die englische Aristokratie“ auf. Nach der Veröffentlichung entstand eine breite Diskussion über Klassenunterschiede und Hochmut. Das Essay wurde anschließend von Evelyn Waugh und John Betjeman ediert und veröffentlicht. Auch Ross’ ursprünglicher Artikel „Noblesse Oblige: an Enquiry into the Identifiable Characteristics of the English Aristocracy“ wurde ediert und 1956 erneut veröffentlicht. John Betjeman veröffentlichte außerdem das provokante Gedicht „How to Get on in Society“.
Die Diskussion wurde damals ernst genommen, weil sie in das Nachkriegsengland fiel. In dieser Zeit etablierte sich aus den Ruinen eine neue Mittelklasse; sprachliche Unterschiede wurden daher als Ausdruck und Kennzeichen von Klassenunterschieden wahrgenommen.
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