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Tiere denken

Das Buch behandelt ethische Fragen im Verhältnis von Mensch und Tier und deren gesellschaftliche Konsequenzen. Der Titel versteht sich nicht als Feststellung, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Thema und Aufbau
  2. 2. Zentrale Argumente
  3. 3. Praktische Fragen
  4. 4. Einordnung durch Rezensionen
  5. 5. Ausgabe

Thema und Aufbau

Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen ist ein Sachbuch des deutschen Philosophen und Publizisten Richard David Precht. Es erschien 2016 im Goldmann Verlag und ist eine Überarbeitung seines 1997 erschienenen Buchs Noahs Erbe. Das Buch behandelt ethische Fragen im Verhältnis von Mensch und Tier und fragt nach den gesellschaftlichen Konsequenzen dieses Verhältnisses.

Der Titel ist nicht einfach als Aussage gemeint, dass „Tiere denken“. Er meint auch die Frage, wie Menschen sich Tiere „denken“, also wie sie sich Tiere vorstellen und welche Folgen diese Vorstellung für den Umgang mit ihnen hat.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert: „Das Menschentier“, „Das Tier im Auge des Menschen“, „Eine neue Tierethik“ und „Was tun?“. Es beginnt mit biologisch-anthropologischen Fragen, also mit der Stellung des Menschen als Lebewesen. Danach behandelt es die Kultur-, Religions- und Philosophiegeschichte der Mensch-Tier-Beziehung. Anschließend entwickelt Precht eine neue Tierethik, die er als „Sensibilisierung“ versteht. Der letzte Teil ist praktisch ausgerichtet und behandelt Themen wie Tierschutzgesetz, Jagd, vegetarische Ernährung, Tierversuche, zoologische Gärten und Artenschutz.

Zentrale Argumente

Prechts Grundthese lautet, dass sich aus wissenschaftlicher Sicht keine ethisch relevante Grenze zwischen Menschen und anderen Tieren ziehen lasse. Ethisch relevant bedeutet hier: wichtig genug, um daraus unterschiedliche moralische Behandlung abzuleiten. Der bekannte Eröffnungssatz des Buches fasst diese Kritik zugespitzt zusammen: „Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden.“

Precht kritisiert eine anthropozentrische Weltsicht. Anthropozentrisch bedeutet: Der Mensch stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Die Vorstellung des Menschen als „Krone der Schöpfung“ habe Tiere seit jeher als untergeordnet betrachtet. Nach Precht liegen die Gründe dafür letztlich eher im Ökonomischen als im Religiösen, also stärker in menschlichem Nutzen und wirtschaftlichen Interessen als in Glaubenslehren.

Ein wichtiges Konzept des Buches ist die „Ethik des Nichtwissens“. Precht meint damit: Weil Menschen nicht sicher beurteilen können, wie Tiere tatsächlich denken, sollten sie vorsichtig handeln. Man solle deshalb zugrunde legen, dass ein Tier ähnlich denkt und fühlt wie ein Mensch, und es entsprechend behandeln.

Bei der Durchsetzung von Tierrechten spricht sich Precht für ein kleinschrittiges Vorgehen aus. Die Gesellschaft solle nicht überfordert werden. Langfristig hält er es für möglich, dass Massentierhaltung durch die Produktion von Laborfleisch überflüssig wird. Tierversuche, Jagd und Massentierhaltung lehnt Precht ab. Zoologischen Gärten schreibt er dagegen eine wichtige Bedeutung zu, vor allem für die Sozialisierung des Menschen mit Tieren, also dafür, dass Menschen Erfahrungen mit Tieren machen und ein Verhältnis zu ihnen entwickeln.

Praktische Fragen

Der praktische Teil des Buches fragt, was aus einer neuen Tierethik für konkrete gesellschaftliche Bereiche folgt. Dazu gehören das Tierschutzgesetz, die Jagd, vegetarische Ernährung, Tierversuche, zoologische Gärten und Artenschutz.

Diese Themen zeigen, dass Precht Tierethik nicht nur als abstrakte Theorie versteht. Es geht um Regeln, Gewohnheiten und Institutionen, die den Alltag prägen: Was dürfen Menschen Tieren antun? Welche Formen der Nutzung sind vertretbar? Wie soll der Staat Tiere schützen? Und wie lassen sich Interessen von einzelnen Tieren und der Schutz ganzer Arten miteinander vereinbaren?

Einordnung durch Rezensionen

Die Rezensionen fallen gemischt aus. Tanja Neuvians schreibt auf spektrum.de, Precht mache seine persönliche Einstellung von Anfang an deutlich: Er halte den heutigen Umgang mit Tieren für „pure Anmaßung“. Sie meint, ganz unrecht habe er damit nicht, kritisiert aber, manches klinge „nach ungefilterten Argumenten militanter Tierschutzorganisationen“. Ihr Fazit: Das Buch habe Schwächen und Tendenzen, komme aber denen entgegen, „denen an Respekt den Tieren gegenüber gelegen ist“.

Markus Wild kritisiert in der FAZ, Precht psychologisiere Moral und mache dadurch das Essen von Tieren zu einer Privatsache. Deshalb könne das Buch nicht einlösen, was es verspreche. Positiv hebt Wild jedoch den letzten Teil hervor: Dort gehe es um den unzureichenden gesetzlichen Schutz von Tieren in Deutschland, die Jagd in Mitteleuropa, die Problematik von Tierversuchen, die Ideologie von Tiergärten sowie Konflikte zwischen Tier- und Artenschutz. Er betont, Precht plädiere engagiert für einen dringend notwendigen anderen Umgang mit Tieren.

Das Philosophie Magazin bewertet das Buch am 23. Januar 2017 als „Eine gute und gut lesbare Übersicht mit einer erfrischend realistischen Perspektive“.

Ausgabe

Die genannte Ausgabe lautet: Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen, Goldmann Verlag, 2016, ISBN 978-3-442-31441-6.

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