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Theodor-Storm-Gesellschaft
Die Theodor-Storm-Gesellschaft e.V. ist eine literarische Vereinigung, die ein zeitgemäßes Bild des Dichters Theodor Storm vermitteln und sein literarisches …
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Aufgabe und Bedeutung
Die Theodor-Storm-Gesellschaft e.V. ist eine 1948 gegründete literarische Vereinigung. Ihr Ziel ist es, ein zeitgemäßes Bild des Dichters Theodor Storm zu vermitteln und sein literarisches Werk lebendig zu halten. Dazu verbindet sie Literaturvermittlung, Forschung, Veröffentlichungen, Museumsarbeit und Veranstaltungen.
Die Gesellschaft hat ihren Sitz im Theodor-Storm-Haus in Husum. 2023 zählte sie etwa 1.200 Mitglieder; diese stammen aus ungefähr 20 Ländern. Seit 1952 gibt sie ihr zentrales wissenschaftliches Publikationsorgan heraus. Für ihre Arbeit erhielt sie 2016 den Hartmut-Vogel-Preis für Literaturvermittlung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG).
Aufbau der Gesellschaft
Die Gesellschaft ist als eingetragener Verein organisiert und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten. Seit September 2015 ist Philipp Theisohn Präsident; Vizepräsident ist Dieter Lohmeier. Christian Demandt ist Sekretär, Geschäftsführer und Leiter des Storm-Zentrums. Dem Vorstand gehören außerdem Gideon Haut, Malte Stein, Valérie Leyh, Husums Bürgermeister Uwe Schmitz und der Rechnungsführer Roman Mulke an.
Präsidenten waren Heinrich Clasen von 1948 bis 1969, Christoph Bernhard Schücking von 1969 bis 1991, Karl Ernst Laage von 1991 bis 2003 und Heinrich Detering von 2003 bis 2015. Seit 2015 hat Philipp Theisohn das Amt inne. Als Sekretäre wirkten Max Cornils Mangels, Carl Laage, Karl Ernst Laage und Gerd Eversberg; seit 2011 erfüllt Christian Demandt diese Aufgabe.
Museum, Archiv und Bibliothek
Die Gesellschaft unterhält in der Husumer Wasserreihe 31 das Museum in dem Haus, das Theodor Storm von 1866 bis 1880 bewohnte. Das alte Husumer Kaufmannshaus stammt aus dem Jahr 1730 und besitzt 14 Zimmer. Treppenhaus, Flure, Decken und Türen sind im Originalzustand aus der Bauzeit beziehungsweise aus Storms Zeit erhalten.
Zu den wichtigen Ausstellungsstücken gehören ein Biedermeier-Sofa mit eingeritzter Hirschjagd, ein Tafelklavier, das Storms Vater seinem Sohn 1857 nach Heiligenstadt liefern ließ, und Storms Schreibtisch. An diesem vollendete er die Novelle „Der Schimmelreiter“. Vier Eulen am Schreibtisch wurden vom jungen Emil Nolde (1867–1956) geschnitzt.
Seit 2006 verbindet eine zentrale Einrichtung das Museum mit einer Forschungsbibliothek und einem Archiv. Das Archiv sammelt unter anderem Entwürfe, Manuskripte, Briefe und weitere Familiendokumente. Die Forschungsbibliothek enthält mehr als 6.000 Bände mit Veröffentlichungen von und über Storm. Hinzu kommen ein Bildarchiv mit rund 10.000 Bildern, darunter Originale, sowie Schallplatten, Tonkassetten und Videobänder.
Veranstaltungen und Förderung
Einmal im Jahr findet in Husum eine Tagung statt, meistens in zeitlicher Nähe zu Theodor Storms Geburtstag am 14. September. 2022 wurde sie vom 9. bis 11. September in Zusammenarbeit mit der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft veranstaltet.
Gemeinsam mit der Stadt Husum vergibt die Gesellschaft alle vier Jahre den mit 8.200 Euro dotierten Theodor-Storm-Preis. Ausgezeichnet werden Personen, deren Werk Storms große Leistungen als Künstler und besonders als „poetischer Realist“ gewürdigt hat. Die letzte im Artikel genannte Verleihung erfolgte 2022 an Regina Fasold.
Das mit 5.000 Euro dotierte Storm-Schreiber-Stipendium richtet sich an Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Es umfasst außerdem einen vierwöchigen Aufenthalt im September in einer 4-Sterne-Ferienwohnung auf dem Dreiseithof der Stifterin Annemarie Hansen in Husum-Rödemis, nahe der Storm-Landschaft der Südermarsch. Verpflichtend sind nur wenige Beiträge, darunter eine Lesung während der jährlichen Tagung und eine Lesung in einer Schule. Die Begegnung mit Storms Landschaft soll möglichst zu neuer literarischer Arbeit anregen. Als Stipendiaten werden Marion Poschmann (2019), Christiane Neudecker (2021) und Felicitas Hoppe (2023) genannt.
Forschung und Publikationen
Seit 1952 erscheint einmal jährlich im Boyens Buchverlag das zentrale Publikationsorgan der Storm-Forschung. Seit 1969 werden gemeinsam mit dem Erich Schmidt Verlag verschiedene Briefwechsel veröffentlicht. Eine weitere wissenschaftliche Publikationsreihe wird seit 1999 ebenfalls zusammen mit dem Erich Schmidt Verlag herausgegeben; von ihr waren zum Zeitpunkt des Artikels zwölf Bände erschienen.
Daneben veröffentlicht der Boyens Buchverlag Einzelausgaben von Storms Werken, beispielsweise „Der Schimmelreiter“ und „Pole Poppenspäler“. Zu den ausgewählten wissenschaftlichen Veröffentlichungen gehören die 1998 von Karl Ernst Laage und Dieter Lohmeier herausgegebenen „Theodor Storms sämtliche Werke in vier Bänden“, die von Gabriele Radecke herausgegebene kritische Ausgabe des Briefwechsels zwischen Theodor Storm und Theodor Fontane sowie das von Christian Demandt und Philipp Theison herausgegebene „Storm Handbuch. Leben – Werk – Wirkung“.