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The Speckled Band

In dieser Erzählung Doyles mit der Detektivfigur des Sherlock Holmes als Hauptperson geht es um die Aufklärung eines rätselhaften Todesfalles und die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Hilferuf und Verdacht
  3. 3. Ermittlung und Aufklärung
  4. 4. Erzählweise, Spannung und Figuren
  5. 5. Aufbau und Deutung
  6. 6. Wirkung und Adaptionen

Werk und Grundkonflikt

The Speckled Band, auch The Adventure of the Speckled Band, ist eine Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle. Sie erschien erstmals im Februar 1892, mit Illustrationen von Sidney Paget, im Strand Magazine und wurde im Oktober 1892 in The Adventures of Sherlock Holmes aufgenommen. Im August 1905 erschien sie in der New York World erneut als The Spotted Band. Deutsche Übersetzungen tragen unter anderem die Titel Das gefleckte Band und Das getupfte Band.

Im Mittelpunkt steht ein rätselhafter Todesfall in einem verschlossenen, von außen nicht zugänglichen Zimmer. Sherlock Holmes soll zugleich einen befürchteten Mord an der Zwillingsschwester des Opfers verhindern. Entscheidend sind scheinbar unverbundene Indizien, ein finanzielles Motiv und Holmes’ Rekonstruktion der Tat.

Hilferuf und Verdacht

Im April 1883 sucht Helen Stoner Holmes und Dr. Watson um 7.15 Uhr in der Baker Street 221 b auf. Seit dem Tod ihrer Mutter vor acht Jahren lebt sie mit ihrer Zwillingsschwester Julia bei ihrem Stiefvater Dr. Roylott. Roylott war lange Arzt in Indien, saß nach einem Totschlag im Affekt wegen eines Diebstahls in seinem Haus im Gefängnis und lebt nach seiner Rückkehr zurückgezogen, streitsüchtig und jähzornig. Er pflegt Kontakte zu umherziehenden Zigeunern und hält einen Jagdleoparden sowie einen Pavian auf seinem Grundstück.

Das Vermögen von Helens Mutter sichert Roylotts Lebensunterhalt. Das Testament bestimmt jedoch, dass jeder Tochter nach ihrer Heirat jährlich eine größere Summe auszuzahlen ist. Julia starb zwei Jahre zuvor, kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Marineoffizier, in einer stürmischen Nacht. Sie hatte zuvor von einem nächtlichen Pfeifen gesprochen. Helen hörte damals ebenfalls ein leises Pfeifen und ein metallisches Geräusch. Julias letzte Worte lauteten abgebrochen „das gesprenkelte Band“ und blieben ebenso rätselhaft wie ihr Hinweis in Richtung von Roylotts Schlafzimmer. Der Gerichtsarzt fand keine Ursache: Julias Zimmer war verschlossen, von außen nicht zugänglich, und es gab keine Zeichen von Gewalt oder Fremdeinwirkung.

Helen will nun selbst heiraten. Roylott ließ sie wegen angeblicher Reparaturen in Julias früheres Zimmer umziehen. Dort hört auch sie nachts das Pfeifen und fürchtet um ihr Leben.

Ermittlung und Aufklärung

Dr. Roylott erscheint kurz nach Helen bei Holmes und versucht, ihn mit Drohungen von weiteren Nachforschungen abzuhalten. Holmes prüft daraufhin das Testament. Weil das Anlagevermögen seit dem Tod der Mutter erheblich gesunken ist, würden die Zahlungen bei einer Heirat Roylotts Lebensunterhalt empfindlich schmälern. Dies stärkt den Verdacht gegen ihn.

Auf Roylotts Anwesen untersucht Holmes Julias Zimmer. Zwischen diesem und Roylotts Zimmer befindet sich ein nachträglich eingebautes Luftloch mit einem Ventilator, obwohl der Raum von außen belüftet werden könnte. Daneben hängt eine Attrappe eines Klingelzuges ohne Glocke; die Schnur reicht bis zum Bett. Das Bett ist am Boden festgeschraubt. In Roylotts Zimmer entdeckt Holmes eine Untertasse mit Milch, obwohl es keine Hauskatze gibt, sowie einen Käfig.

Helen soll die folgende Nacht heimlich in ihrem alten Zimmer verbringen. Holmes und Watson warten in Julias Zimmer. Gegen drei Uhr hören sie ein Zischen und ein helles Pfeifen. Holmes schlägt auf den Klingelzug; kurz darauf schreit Roylott in seinem Zimmer. Dort liegt er tot: Eine äußerst giftige indische Sumpfnatter hat ihn gebissen. Roylott hatte sie mit Milch und Pfeifen darauf abgerichtet, durch den Ventilator auf den Klingelzug und von dort auf das feststehende Bett zu kriechen. So hatte er Julia getötet und wollte nun Helen töten. Durch Holmes’ Schläge auf den Klingelzug gereizt, kehrte die Schlange zurück und tötete Roylott.

Erzählweise, Spannung und Figuren

Die Geschichte wird überwiegend aus der eingeschränkten Perspektive Dr. Watsons erzählt. Watson kann den Ablauf beobachten, besitzt aber nicht Holmes’ Informationen und Schlussfolgerungen. Er vermittelt daher zwischen dem außergewöhnlich scharfsinnigen Detektiv und den Lesenden. Weil Watson die Lösung nicht kennt, können auch Lesende Indizien selbst deuten, werden aber zugleich auf falsche Spuren gelenkt.

Schon die Eröffnung zeigt Holmes’ Fähigkeit, aus Indizien Helens benutzte Verkehrsmittel auf ihrer Reise nach London zu erschließen. Holmes erscheint als finanziell weitgehend unabhängiger gentleman, der der mittellosen Helen notfalls ohne Bezahlung helfen will. Ihr gegenüber ist er besonders zuvorkommend und hilfsbereit. Watson dient zudem als Gesprächspartner, sodass Holmes seine Überlegungen in Dialogen äußern kann. Dennoch hält Holmes seinen Informationsvorsprung bis zur Aufklärung zurück, etwa als er Watson zwar auffordert, einen Revolver mitzunehmen, aber den Grund nicht erklärt.

Roylott ist Holmes’ Antagonist. Sein unangekündigtes, drohendes Auftreten und seine Brutalität machen ihn früh bedrohlich. Er verbiegt einen Schürhaken; Holmes biegt ihn anschließend wieder gerade. Dies stellt beide als ebenbürtige Gegner dar. Leopard, Pavian und Roylotts Beziehungen zu Zigeunern sind red herrings, also falsche Spuren: Sie erklären das Verbrechen nicht, erzeugen aber eine unheimliche Atmosphäre und charakterisieren Roylott.

Aufbau und Deutung

Die Handlung spielt innerhalb von 48 Stunden im April 1883 an drei Orten: zuerst in der Baker Street, dann auf Roylotts schlossähnlichem Anwesen in Surrey und zuletzt auf der Rückfahrt nach London. Helen berichtet zunächst die Vorgeschichte. Danach entwickelt Holmes einen Plan, entdeckt das Motiv, besichtigt den Tatort, stellt dem Täter eine Falle und erläutert anschließend die Indizien rückblickend.

Dieses Phasenschema ist typisch für viele Holmes-Geschichten. Der regelmäßige Wechsel von Handlung und Reflexion sowie die falschen Spuren steigern die Spannung bis zum Mordversuch. In Holmes’ Schlussanalyse fügen sich Luftloch, Scheinklingel, festgeschraubtes Bett, Milch, Pfeifen und die letzten Worte Julias zu einem schlüssigen Gesamtbild. Die Geschichte ist damit rückwärts konstruiert: Von der Lösung aus wird die Kausalkette nachvollziehbar. Der Fall stellt am Ende Ordnung und Gerechtigkeit wieder her.

Holmes informiert Polizei und Behörden jedoch nicht über Roylotts Mord an Julia und den geplanten Mord an Helen. Offiziell gilt Roylotts Tod nur als Folge eines unvorsichtigen Umgangs mit einem gefährlichen Haustier. Dem Interpretationsansatz zufolge interessiert Holmes das Verbrechen vor allem als Denksportaufgabe und Anlass für logische Deduktion. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass es keine Schlangen gibt, die an Klingelzügen auf- und abkriechen können, und keine Schlangenart mit den der indischen Sumpfnatter zugeschriebenen Eigenschaften.

Wirkung und Adaptionen

Der verschlossene Tatort gehört zum Muster des locked room, das seit Edgar Allan Poes Murders in the Rue Morgue ein klassisches Element der Detektivgeschichte ist. Helen erwähnt aber schon am Anfang, dass der Rauch von Roylotts indischen Zigarren trotz geschlossener Türen und Fenster in Julias Zimmer zu riechen war. Damit ist angedeutet, dass der Raum nicht vollständig abgeschlossen sein kann und Holmes einen Luftschacht finden wird. Auch der rückwärtsgewandte Aufbau orientiert sich an Poe und dessen Essay The Philosophy of Composition: Das dénouement, also die Auflösung, steht zuerst fest; die Geschichte wird von dort aus rückwärts konstruiert.

Doyle schrieb im Mai 1910 in einer Woche eine lockere Bühnenfassung unter dem Titel The Stoner Case. Sie wurde am 4. Juni 1910 im Londoner Adelphi-Theatre uraufgeführt, lief dort erfolgreich bis zum Ende der Saison und ab August 1910 im Globe Theatre. Kurz wurde sie ab dem 21. November 1910 auch im New Yorker Garrick Theater gespielt; weitere Aufführungen folgten 1911 und 1921.

Die Erzählung wurde vielfach verfilmt, darunter 1912 als französischer Stummfilm Le ruban moucheté mit Georges Tréville, 1931 als 90-minütige Adaption mit Raymond Massey, 1967 als 60-minütige WDR-Folge Das gefleckte Band mit Erich Schellow und 1984 als 52-minütige Folge mit Jeremy Brett. Anfang 2015 verzeichnete WorldCat über neunzig englischsprachige Hörfassungen. Beispiele für Rundfunkadaptionen sind CBS Radio Mystery Theater am 28. Juni 1977 und BBC Radio 4 am 29. August 2008; auch im deutschsprachigen Raum entstanden mehrere Hörspiele und Hörbücher.

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