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Steinkohlenteerdestillation
Als Steinkohlenteerdestillation bezeichnet man die Auftrennung des Steinkohlenteers in nutzbare Bestandteile in einer Steinkohlenteerraffinerie.
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Überblick
Die Steinkohlenteerdestillation ist die Auftrennung von Steinkohlenteer in nutzbare Bestandteile in einer Steinkohlenteerraffinerie. Sie entwickelte sich teilweise vor und teilweise parallel zur Erdöldestillation. Das Verfahren war wichtig für die industrielle Gewinnung von Kohlechemikalien, hat heute aber wegen der Petrochemie an Bedeutung verloren.
Destillationsverfahren
Die Auftrennung erfolgt durch fraktionierte Destillation, bei der Stoffgemische anhand unterschiedlicher Siedebereiche in Fraktionen getrennt werden. Teilweise wird eine Vakuumdestillation eingesetzt: Der verringerte Druck ermöglicht die Destillation bei niedrigeren Temperaturen. Durch anschließende Rektifikation, Kristallisation und Extraktion lassen sich einzelne Stoffe weiter abtrennen.
Bei der diskontinuierlichen Destillation entstehen nacheinander Gase als Destillationsverlust, Wasser, Leichtöl, Mittelöl, Schweröl, Anthracenöl beziehungsweise Grünöl, Pech („pitch“), Asphalt C_{2n}H_{n} als löslicher Bestandteil des Pechs und Pitchcoke-Kohle C_{3n}H_{n} als unlöslicher Bestandteil des Pechs. Die mittlere und schwere Fraktion werden anschließend weiter zu Carbolöl mit Phenolen, Waschbenzin beziehungsweise Solvayöl, Naphthalinöl mit Naphthalin und Pech destilliert.
Bei der kontinuierlichen Destillation werden Gase, Wasser, Leichtöl, Carbolöl, Naphthalinöl, Waschöl, Anthracenöl und Pech gewonnen.
Produkte und Verwendung
Die Hauptprodukte sind Kreosot und Teerpech. Kreosot wurde früher zur Imprägnierung von Bahnschwellen verwendet; Teer diente ursprünglich vor allem dem Straßenbau.
Anthracenöl besteht hauptsächlich aus Phenanthren, Anthracen, Carbazol und weiteren hochsiedenden Verbindungen. Zu den genannten neutralen Bestandteilen gehören 2,3,6,7-Tetramethylnaphthalin, 1,2,3,4-Tetrahydroanthracen und 1,8-Dimethyldiphenylenoxid. Als basische Bestandteile werden 7,8-Benzochinolin und 9,10-Dihydroacridein genannt.
Als wirtschaftlich wichtigstes Produkt gilt Pech. Es wird als Bindemittel für Söderberg-Elektroden in der Aluminiumherstellung und zur Herstellung von Ruß, auch Carbon Black genannt, eingesetzt.
Industrielle Entwicklung
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Steinkohlenteerdestillation zu einem industriellen Verfahren. Im 20. Jahrhundert trug der Chemiker Eduard Möhrle durch die Einführung der kontinuierlichen Vakuumdestillation mit rektifizierender Kondensation wesentlich zur wirtschaftlichen Aufarbeitung von Rohteer bei. Diese Weiterentwicklung schuf eine technische Grundlage für die industrielle Gewinnung von Kohlechemikalien.