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St.-Crispins-Tag-Rede

St.-Crispins-Tag-Rede. Rede, gehalten von Henry V.; verewigt von William Shakespeare in seinem Historiendrama „Heinrich V.“ Artikel · Diskussion.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Situation vor der Schlacht
  3. 3. Aufbau und zentrale Aussagen der Rede
  4. 4. Rhetorische und literarische Gestaltung
  5. 5. Kulturelle Wirkung und Verweise

Gegenstand und Bedeutung

Die St.-Crispins-Tag-Rede, auch St.-Crispin-Rede oder St.-Crispians-Ansprache genannt, ist eine berühmte Rede aus William Shakespeares Königsdrama Heinrich V. Der englische König Heinrich V. spricht sie am 25. Oktober 1415, dem St.-Crispins-Tag, vor der Schlacht von Azincourt. Der Tag ist den Heiligen Crispinus und Crispinianus geweiht.

Die Rede soll eine zahlenmäßig und körperlich unterlegene Armee zum Kampf ermutigen. Heinrich stellt die gemeinsame Teilnahme an der Schlacht als besondere Ehre dar und verspricht, dass die Kämpfer als „band of brothers“, als Brüdergemeinschaft, in die kollektive Erinnerung eingehen werden. Die Ansprache gilt als eine der bekanntesten und meistzitierten mitreißenden Reden der Literatur.

Situation vor der Schlacht

Heinrich hält die Rede in der dritten Szene des vierten Aufzugs, im Morgengrauen des St.-Crispins-Tages. Die englischen Truppen haben lange Märsche hinter sich und sind müde und ausgezehrt. 12.000 erschöpfte englische Soldaten stehen 60.000 ausgeruhten französischen Feinden gegenüber. Heinrich schätzt die Aussichten selbst schlecht ein und sagt, die Franzosen könnten „zwanzig französische Kronen gegen eine setzen“, dass sie die Engländer besiegen würden.

Die Offiziere Gloster, Bedford, Westmoreland, Exeter und Salisbury fürchten den französischen Angriff. Westmoreland wünscht, es wären 10.000 weitere Männer aus England anwesend. Heinrich weist diesen Wunsch zurück. Nach seiner Darstellung sind die vorhandenen Männer zum Sterben genug; falls sie überleben, erhält jeder von ihnen einen umso größeren Anteil an der Ehre. Er bietet sogar an, dass kampfunwillige Soldaten abreisen dürfen und dafür einen Pass sowie Reisegeld erhalten. Mit Menschen, die nicht bereit sind, gemeinsam mit den anderen zu sterben, will er nicht kämpfen.

Heinrichs Ansprache wirkt. Die Engländer besiegen den zahlenmäßig überlegenen Gegner vernichtend. Im Stück wird später festgestellt, dass 10.000 Franzosen fallen, während die Engländer nur 29 Tote zählen.

Aufbau und zentrale Aussagen der Rede

Die Rede beginnt als direkte Antwort an Westmoreland und richtet sich anschließend an die gesamte Truppe. Heinrich erklärt, dass er weder nach Gold noch nach äußeren Gütern strebe. Wenn das Verlangen nach Ehre jedoch eine Sünde sei, sei er „das schuldigste Gemüt, das lebt“. Damit macht er die Ehre zum entscheidenden Wert.

Die zahlenmäßige Unterlegenheit wird rhetorisch umgedeutet: Je weniger Männer kämpfen, desto größer ist der Anteil jedes Einzelnen am Ruhm. Der Mangel an Soldaten erscheint dadurch nicht länger nur als Gefahr, sondern als Voraussetzung für besondere Anerkennung. Heinrich verspricht, dass diejenigen, die den Tag überleben und nach Hause zurückkehren, später stolz von ihm erzählen werden. Sie werden am Vorabend des Festes ihre Nachbarn bewirten, ihre Narben zeigen und sagen: „Diese Wunden empfing ich an Crispins Tag.“

Die Rede entwirft die spätere Erinnerung an die Schlacht. Namen wie Heinrich der König, Bedford, Exeter, Warwick, Talbot, Salisbury und Gloster sollen in den Erzählungen weiterleben. Väter werden die Geschichte ihren Söhnen lehren. Jeder, der an diesem Tag sein Blut mit Heinrich vergießt, soll sein Bruder werden, selbst wenn er vorher einen niedrigen gesellschaftlichen Rang hatte. Der Tag soll seinen Stand symbolisch adeln.

Der berühmteste Abschnitt lautet: „We few, we happy few, we band of brothers.“ Die Gemeinschaft wird als klein, glücklich und brüderlich dargestellt. Edelleute, die in England im Bett geblieben sind, sollen später bedauern, nicht dabei gewesen zu sein, und sich minderwertig fühlen, wenn jemand von der Schlacht erzählt, der mit Heinrich gekämpft hat.

Rhetorische und literarische Gestaltung

Die Rede richtet sich gleichzeitig an die Soldaten und an die englische Nation. Sie beschwört den Sieg, bevor der Kampf begonnen hat. Ihre Sprache arbeitet mit amplificatio, also mit Verstärkung durch Verdopplung, Häufung und ausführliche Ausmalung. Dazu gehören die Namen „Crispin“ und „Crispian“, die Aufzählung der Adelsnamen, anaphorische Reihungen und die ausführliche Vorstellung künftiger Gedenkszenen. Nach Altman dient diese Verstärkung nicht nur als Schmuck, sondern zieht Soldaten und Zuschauer in eine Handlung hinein, an der sie körperlich nicht teilnehmen.

Heinrich stellt außerdem eine Gemeinschaft zwischen König und einfachen Soldaten dar. Die Formel von der Brüdergemeinschaft verspricht scheinbar eine Aufhebung der Standesunterschiede. Greenblatt bezeichnet diese Einbindung oppositioneller Perspektiven in die königliche Ordnung als „containment of subversion“. Die Gleichheit bleibt jedoch vor allem rhetorisch: Die künftig berühmten Namen gehören sämtlich dem Adel an. Außerdem hat Heinrich kurz zuvor als verkleideter König mit dem einfachen Soldaten Williams über die Verantwortung des Herrschers für seine Männer gestritten. Später löst er diesen Konflikt nicht als Bruder, sondern als Souverän, indem er Williams mit einem Handschuh voller Kronen abfindet. Die Brüderlichkeit gilt daher allenfalls für die Dauer der Schlacht.

Bemerkenswert ist auch die Zeitstruktur. Heinrich spricht nicht hauptsächlich über den bevorstehenden Kampf, sondern über dessen spätere Erzählung. Die Rede erklärt, wie kollektive Erinnerung entsteht, und erzeugt zugleich die Erinnerung, die sie ankündigt. Dadurch geht sie über reine Kriegspropaganda hinaus: Sie zeigt, dass Heldengeschichten hergestellt werden, kann das Publikum aber dennoch mitreißen. Motive aus der Tetralogie, besonders aus Heinrich IV., werden aufgenommen. Das Ehrensystem erinnert an Hotspur und an Falstaffs „Katechismus“ der Ehre, den Shakespeare dort jedoch ironisiert hatte.

Kulturelle Wirkung und Verweise

Im englischsprachigen Kulturraum dient die St.-Crispins-Tag-Rede als Vorbild für mitreißende Ansprachen, mit denen eine scheinbar unterlegene Gruppe zu einer besonderen Herausforderung motiviert werden soll, etwa Soldaten oder Sportmannschaften. Die englische Formel „We few, we happy few, we band of brothers“ ist ein geflügeltes Wort. Sie steht unter anderem in einem Fenster der Westminster Abbey, das den Anstrengungen der Royal Air Force in der Luftschlacht um England gewidmet ist.

Der Titel Band of Brothers von Stephen Ambrose nimmt auf die Rede Bezug. Im Theater verweist We happy few von Imogen Stubbs bereits im Titel auf sie. Das Lied The Bonnie Blue Flag beginnt mit „We are a band of brothers“; auch Brueder (Vocem Meam Version) von Heimataerde zitiert die Rede.

In den Verfilmungen von Heinrich V. wird die Ansprache meist wörtlich oder nur leicht verändert übernommen. Besonders bekannt sind die Fassungen von Laurence Olivier aus dem Jahr 1944 und von Kenneth Branagh aus dem Jahr 1989. Weitere filmische Anspielungen finden sich in Mr. Bill beziehungsweise Renaissance Man, Tombstone, Die Girls von St. Trinian 2 – Auf Schatzsuche, Der Mann, der Liberty Valance erschoß und Independence Day. In Independence Day hält US-Präsident Whitmore vor der entscheidenden Schlacht gegen Außerirdische eine Ansprache nach dem Vorbild der Rede.

Auch Fernsehproduktionen greifen das Motiv auf. In Ein Hauch von Himmel motiviert ein Schüler seine Eishockeymannschaft mit einer daran angelehnten Ansprache. Der Titel der Serie Band of Brothers – Wir waren wie Brüder verweist ebenfalls auf das Zitat. Blackadder gibt die Rede absichtlich falsch als „We few, we happy few, we band of ruthless bastards“ wieder. In Buffy – Im Bann der Dämonen wird eine Ansprache vor einem gefährlichen Kampf ausdrücklich mit der St.-Crispins-Tag-Rede verglichen und parodistisch zu „we band of buggered“ verändert.

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