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Sportjahr 1920
1.1 Olympische Spiele · 1.2 American Football · 1.3 Badminton · 1.4 Baseball · 1.5 Fußball · 1.6 Leichtathletik. 1.6.1 Leichtathletikmeisterschaften; 1.6.2 …
Inhalt4 Abschnitte
Olympische Spiele als Mittelpunkt des Sportjahres
Das Sportjahr 1920 wurde vor allem durch die VII. Olympischen Spiele in Antwerpen geprägt. Sie wurden am 20. April von König Albert eröffnet und dauerten bis zum 12. September. In 22 Sportarten und 29 Disziplinen fanden 156 Wettbewerbe statt: 132 für Männer, 8 für Frauen, 2 Mixed-Wettbewerbe und 14 offene Wettbewerbe. Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei waren ausgeschlossen.
Bei den Spielen wurden wichtige olympische Traditionen erstmals eingeführt oder besonders sichtbar: Zum ersten Mal wurde die olympische Fahne mit den olympischen Ringen gehisst. Der belgische Wasserballspieler und Degenfechter Victor Boin sprach als erster Athlet den von Pierre de Coubertin verfassten olympischen Eid. Neben Sommersportarten standen erneut Wintersportarten auf dem Programm, nämlich Eiskunstlauf und erstmals Eishockey.
Am 22. August gewann der Finne Hannes Kolehmainen den Marathon. Die Strecke war 42,75 km lang; seine Zeit von 2:32:35,8 h galt als Weltbestleistung und olympischer Rekord. Auch der zweitplatzierte Jüri Lossmann blieb unter der zuvor gültigen Weltbestzeit. Der Italiener Nedo Nadi gewann fünf Goldmedaillen in sechs Fechtwettbewerben, drei davon gemeinsam mit seinem Bruder Aldo. Die US-Amerikanerin Ethelda Bleibtrey siegte in allen drei Frauen-Schwimmwettbewerben und stellte einschließlich der Vorläufe in jedem ihrer fünf Rennen einen Weltrekord auf. Der Finne Paavo Nurmi errang drei Olympiasiege und eine Silbermedaille. Der schwedische Sportschütze Oscar Swahn wurde mit 72 Jahren und 279 Tagen zum bis heute ältesten Medaillengewinner; er gewann Silber.
Wichtige Entwicklungen in den Sportarten
Im American Football trafen sich am 17. September in Canton (Ohio) Vertreter und Manager professioneller Teams aus Ohio, Indiana, New York, Illinois und Michigan. Im Autohaus von Ralph Hays stimmten sie über die Organisation eines gemeinsamen Wettbewerbs ab. Daraus entstand die American Professional Football Association (APFA), die zwei Jahre später in National Football League umbenannt wurde. Erster Meister waren die Akron Pros.
Im Badminton gehörten die All England und die Irish Open zu den wichtigsten Turnieren. Bei den All England gewannen George Alan Thomas das Herreneinzel und Kitty McKane das Dameneinzel. Die Herrendoppel-Sieger waren Archibald Frank Engelbach und Raoul du Roveray, im Damendoppel siegten Lavinia Clara Radeglia und Violet Elton. Das Mixed gewannen George Alan Thomas und Hazel Hogarth. Bei den Irish Open siegte Thomas erneut im Herreneinzel. Das Dameneinzel wurde nicht ausgetragen; im Herrendoppel gewannen Frederick A. Kennedy und Bob Lambert, im Damendoppel Hazel Hogarth und Lavinia Clara Radeglia, im Mixed George Alan Thomas und Hazel Hogarth.
Im Baseball wurde der Black Sox Skandal um die World Series 1919 aufgedeckt. Acht Schlüsselspieler der Chicago White Sox hatten das Endspiel gegen die Cincinnati Reds absichtlich verloren. Zur Verhinderung ähnlicher Skandale wurde Kenesaw Mountain Landis zum Commissioner der Major League Baseball ernannt. Obwohl die Beteiligten vor Gericht freigesprochen wurden, wurden alle lebenslang aus der MLB ausgeschlossen. Shoeless Joe Jackson blieb außerdem auf der Liste der Spieler, die nicht in die Baseball Hall of Fame gewählt werden dürfen. Die Boston Red Sox verkauften Babe Ruth für 125.000 US-Dollar an die New York Yankees, nachdem sie sich 1919 durch hohe Spielergehälter finanziell belastet hatten. In seiner ersten Yankees-Saison erzielte Ruth 54 Home Runs und verbesserte damit seinen im Vorjahr aufgestellten Rekord.
Im Fußball wurde Uruguay beim Campeonato Sudamericano in Chile vom 11. September bis 3. Oktober zum dritten Mal Südamerikameister. Im englischen Frauenfußball sahen am 26. Dezember 53.000 zahlende Personen das Spiel zwischen Dick Kerr’s Ladies und den St. Helens Ladies im Goodison Park in Everton; etwa 10.000 weitere Menschen mussten abgewiesen werden. Dieser Zuschauerrekord wurde in Großbritannien erst 2012 bei den Olympischen Spielen übertroffen. Im folgenden Jahr wurde Frauenfußball auf Plätzen von Mitgliedern der Football Association verboten.
Bei den Leichtathletik-Südamerikameisterschaften vom 23. bis 25. April in Santiago de Chile war Isabelino Gradín aus Uruguay mit Siegen über 200 und 400 Meter der erfolgreichste Athlet. Außerdem wurden mehrere Weltrekorde verzeichnet: John Norton lief am 26. Juni die 400 Meter Hürden in 54,2 s; Aleksander Klumberg-Kolmpere erreichte am 5. August im Zehnkampf 7485 Punkte; Frank Loomis lief die 400 Meter Hürden am 16. August in 54 Sekunden; Earl Thomson erzielte am 18. August über 110 Meter Hürden 14,8 s; Frank Foss übersprang am 12. September im Stabhochsprung 4,09 m; Charles Paddock lief am 22. September 100 Meter in 10,4 s.
Bei der 2. Internationalen Sechstagefahrt im Motorradsport, die vom 26. Juli bis 1. August in Grenoble stattfand, gewann die Schweizer Nationalmannschaft. Im Pferdesport wurde am 3. Oktober auf der Pariser Rennbahn Longchamp erstmals der Prix de l’Arc de Triomphe vergeben. Der jährliche Sieger dieses Galopprennens über 2.400 Meter erhält die Auszeichnung; zugelassen sind mindestens dreijährige Rennpferde.
Aufbau von Sportinstitutionen und Sportmedien
Am 15. Mai wurde an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin auf Anregung von Carl Diem die Deutsche Hochschule für Leibesübungen gegründet. Sie war als freie wissenschaftliche Forschungsstätte angelegt und sollte vor allem möglichst viele kompetente Sportlehrer ausbilden. Zunächst war sie provisorisch im Deutschen Stadion untergebracht.
Am 14. Juli erschien in Konstanz die erste Ausgabe der Sportzeitschrift Der Kicker, die von Walther Bensemann ins Leben gerufen worden war. Auch Vereinsgründungen prägten das Jahr: Am 4. Oktober entstand der tunesische Sportverein Club Africain Tunis, der besonders im tunesischen Fußball, aber auch in Handball, Basketball und Volleyball bekannt wurde. Außerdem wurde der Sportverein Hapoel Jerusalem gegründet.
Geborene und Gestorbene des Jahres
Der Artikel verzeichnet zahlreiche 1920 geborene Sportlerinnen und Sportler aus vielen Disziplinen. Die Geburtsdaten reichen vom 1. Januar bis zum 28. Dezember; zusätzlich werden Poul Holm, Halil Kaya und John Mitchell ohne bekanntes Geburtsdatum genannt. Vertreten sind unter anderem Fußball, Leichtathletik, Radsport, Motorsport, Schwimmen, Eissport, Skisport, Rudern, Fechten, Boxen, American Football, Basketball, Handball, Hockey, Schach und Pferdesport. Zu den bekannten Namen gehören Arthur Wint (26. März), Juan Antonio Samaranch (17. Juli), Fritz Walter (31. Oktober) und Ragnhild Hveger (10. Dezember). Die Einträge nennen jeweils Nationalität, Sportart und – sofern bekannt – das Todesjahr.
Außerdem führt der Artikel 1920 verstorbene Sportler auf. Genannt werden unter anderem der Tennisspieler und Arzt Wilberforce Vaughan Eaves, der Schwimmer Amedee Reyburn, der Weitspringer und Sprinter Daniel Kelly, der Fußballspieler und -trainer William Wilton, der Wasserspringer Albert Zürner, der Sportschütze Walter Winans, der Fechter Ferdinand Feyerick, der Eiskunstläufer Horatio Torromé, der Automobilrennfahrer Gaston Chevrolet und der Segler Linton Hope. Die Todesdaten liegen zwischen dem 2./10. Februar und dem 20. Dezember; für Alwin Boldt und Giorgos Papasideris ist im Artikel kein genaues Todesdatum angegeben.