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Spinnenfresser
Die Spinnenfresser (Mimetidae) sind eine Familie der Echten Webspinnen, die sich von anderen Spinnen ernährt. Sie umfasste Anfang 2022 acht Gattungen mit …
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Überblick
Die Spinnenfresser (Mimetidae) sind eine Familie der Echten Webspinnen. Ihr wichtigstes Kennzeichen ist ihre Nahrung: Sie ernähren sich vor allem von anderen Spinnen. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Lebensweise deutlich von vielen anderen Webspinnenfamilien. Anfang 2022 umfasste die Familie nach dem World Spider Catalog acht Gattungen mit 159 Arten.
In der biologischen Systematik gehören sie zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida), zur Ordnung der Webspinnen (Araneae), zur Unterordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae), zur Teilordnung Entelegynae und zur Überfamilie Mimetoidea. Der wissenschaftliche Name der Familie lautet Mimetidae; beschrieben wurde sie von Simon im Jahr 1881.
Verbreitung
Der Verbreitungsschwerpunkt der Spinnenfresser liegt in den Tropen. Eine Ausnahme bildet die Gattung Ero, die paläarktisch verbreitet ist. Paläarktisch bezeichnet hier ein großes Verbreitungsgebiet, zu dem unter anderem Europa gehört.
In Mitteleuropa kommen vier Arten der Gattung Ero vor. Am häufigsten ist dort Ero furcata, der Zweihöcker-Spinnenfresser.
Merkmale
Spinnenfresser ähneln kleinen Vertretern der Kugelspinnen (Theridiidae). Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist aber die besondere Bestachelung der Vorderbeine.
An der vorderen prolateralen Oberfläche von Tibia und Metatarsus der Beine I und II sitzen in regelmäßigem Abstand lange, gebogene Stacheln. Zwischen diesen langen Stacheln befinden sich jeweils einige kürzere, gleich geformte Stacheln. Diese Stacheln werden als „Fangborsten“ oder Makrosetae bezeichnet. Man nimmt an, dass sie beim Fangen und Hantieren mit der Beute helfen.
Lebensweise und Jagd
Eine typische Jagdtaktik der Spinnenfresser besteht darin, mit den Beinen an den Netzen anderer Spinnen zu zupfen. Dadurch ahmen sie Beute nach, die sich im Netz verfangen hat. Die Spinne, der das Netz gehört, wird hervorgelockt und kann dann vom Spinnenfresser überwältigt und gefressen werden.
Dieses Verhalten wird als aggressive Mimikry bezeichnet, genauer als Peckham’sche Mimikry. Mimikry bedeutet Nachahmung; hier wird nicht zum Schutz nachgeahmt, sondern um ein anderes Tier anzulocken. Im englischen Sprachraum heißen Spinnenfresser deshalb auch „Piratenspinnen“ oder „Kannibalenspinnen“.
Neben dieser Jagdweise leben Spinnenfresser auch kleptoparasitisch in den Netzen anderer Spinnen. Kleptoparasitismus bedeutet, dass ein Tier Nahrung oder Beute eines anderen nutzt. Außerdem können sie sich von Gliederfüßern ernähren.
Gattungen und Beispiele
Der World Spider Catalog nennt für die Familie der Spinnenfresser acht Gattungen und 159 Arten; Stand ist Januar 2022. Zu den Gattungen gehören Anansi mit 3 Arten, Arocha mit 2 Arten, Australomimetus mit 31 Arten, Ero mit 40 Arten, Gelanor mit 13 Arten, Kratochvilia mit 1 Art, Melaenosia mit 1 Art und Mimetus mit 68 Arten.
Beispiele aus der Gattung Ero sind der Vierhöcker-Spinnenfresser (Ero aphana), der Zweihöcker-Spinnenfresser (Ero furcata) und der Große Spinnenfresser (Ero tuberculata). Weitere im Artikel genannte Arten sind Arocha erythrophthalma, Arocha rochai, Kratochvilia pulvinata und Melaenosia pustulifera.