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Simplified Technical English
ASD-STE100 Simplified Technical English (STE) ist ein internationaler Standard zur Erstellung technischer Dokumentation in einer kontrollierten Sprache.
Inhalt6 Abschnitte
Kernidee und Zweck
ASD-STE100 Simplified Technical English (STE) ist ein internationaler Standard für technische Dokumentation in einer kontrollierten Sprache. Eine kontrollierte Sprache ist eine bewusst eingeschränkte Sprachform mit festen Regeln für Wortwahl, Grammatik und Stil. STE soll technische Texte, besonders Wartungs- und Betriebsanleitungen, eindeutig und leicht verständlich machen.
Der Standard wurde ursprünglich für Wartungsdokumentation ziviler Flugzeuge entwickelt. Er sollte vor allem Englisch-Nichtmuttersprachlern helfen, englische technische Handbücher korrekt zu verstehen. Heute wird STE nicht nur in der Luftfahrt, sondern auch in Verteidigungsprojekten, bei Land- und Seefahrzeugen sowie in vielen anderen Branchen verwendet.
Entwicklung
Erste Versuche mit kontrolliertem Englisch gab es bereits in den 1930er und 1970er Jahren, etwa mit Basic English, Caterpillar Fundamental English und Eastman Kodak. 1979 wurde Luftfahrtdokumentation teils in amerikanischem, teils in britischem Englisch erstellt, von Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern. Außerdem mussten europäische Fluggesellschaften Teile ihrer technischen Dokumentation für Wartungspersonal übersetzen.
Die Association of European Airlines (AEA) bat deshalb die European Association of Aerospace Industries (AECMA), eine kontrollierte Form des Englischen zu prüfen. Nach Untersuchungen anderer kontrollierter Sprachen beschloss die AECMA 1983, ein eigenes kontrolliertes Englisch zu entwickeln. Auch die Aerospace Industries Association of America (AIA) wurde beteiligt.
1986 erschien daraus das AECMA-Dokument PSC-85-16598, bekannt als AECMA Simplified English Guide. Danach folgten mehrere Änderungen, Ausgaben und Revidierungen bis zur aktuellen Ausgabe 9 vom Januar 2025. Im Jahr 2004 schloss sich die AECMA mit zwei weiteren Verbänden zur Aerospace, Security and Defence Industries Association of Europe (ASD) zusammen. Das Dokument wurde in ASD Simplified Technical English, Specification ASD-STE100, umbenannt. Mit Ausgabe 9 wurde es als internationale Norm beziehungsweise internationaler Standard eingestuft.
Gepflegt wird ASD-STE100 von der Simplified Technical English Maintenance Group (STEMG), einer 1983 gegründeten Arbeitsgruppe der ASD. Das Copyright liegt vollständig bei der ASD. Seit Ausgabe 6 im Jahr 2013 ist der Standard kostenlos erhältlich. Von den Ausgaben 6, 7 und 8 wurden mehr als 18.981 offizielle Exemplare verteilt; seit Ausgabe 9 im Januar 2025 fast 1.000 Exemplare, Stand März 2025. In der Regel erscheint alle drei Jahre eine neue Ausgabe.
Aufbau des Standards
ASD-STE100 Simplified Technical English besteht aus zwei Teilen: den Schreibregeln und dem Wörterbuch. Die Schreibregeln legen fest, wie technische Texte formuliert werden sollen. Das Wörterbuch legt fest, welche Wörter mit welcher Wortart und Bedeutung verwendet werden dürfen.
STE unterscheidet zwischen anweisenden Texten und beschreibenden Texten. Anweisende Texte geben Handlungen vor, zum Beispiel Arbeitsschritte. Beschreibende Texte erklären Zustände, Funktionen oder Zusammenhänge. Beide Textarten sollen klar, kurz und eindeutig sein.
Wichtige Schreibregeln
STE umfasst 53 Schreibregeln. Sie behandeln Grammatik, Stil und Textaufbau. Eine zentrale Regel ist, dass zugelassene Wörter nur mit der im Wörterbuch angegebenen Wortart und Bedeutung verwendet werden dürfen.
Anweisungen sollen klar und eindeutig sein. Handlungsanweisungen müssen aktiv formuliert werden; Passiv ist dort nicht zulässig. Beschreibende Texte sollen möglichst aktiv formuliert sein. Pro Satz soll es nur eine Anweisung geben.
Sätze müssen kurz bleiben: In Anweisungen sind maximal 20 Wörter pro Satz erlaubt, in Beschreibungen maximal 25 Wörter. Ein Textabschnitt soll nur ein Thema behandeln und höchstens 6 Sätze enthalten. Für komplexe Inhalte sollen vertikale Listen verwendet werden.
Auch die Grammatik ist eingeschränkt. Mit zugelassenen Verben dürfen nur bestimmte Formen und Zeiten gebildet werden: Infinitive, Imperative, Simple present, Simple past, Past participle nur als Adjektiv und Future. Komplexe Verbstrukturen mit Hilfsverben sollen nicht gebildet werden. Verbformen mit der Endung „-ing“ sind nur für Fachterminologie, also „Technical Noun“, erlaubt. Substantivgruppen, sogenannte „Multi-Word Nouns“, dürfen nicht mehr als drei Wörter haben. Außerdem dürfen keine Satzteile wie Verben, Subjekte oder Artikel weggelassen werden, nur um Texte zu kürzen.
Sicherheitsanweisungen müssen mit einer klaren Anweisung beginnen oder mit einer Beschreibung der Situation, in der die Sicherheitsanweisung beachtet werden muss.
Wörterbuch und Wortgebrauch
Das Wörterbuch ist Teil 2 des Standards. Es enthält zugelassene und nicht zugelassene Wörter. Zugelassene Wörter dürfen nur mit der festgelegten Wortart und der festgelegten Bedeutung verwendet werden. Das Prinzip lautet überwiegend: „ein Wort, eine Wortart, eine Bedeutung“.
Im Wörterbuch gibt es vier Spalten. „Word (part of speech)“ nennt zugelassene Wörter in Großbuchstaben und nicht zugelassene Wörter in Kleinbuchstaben, jeweils mit Wortart. „Approved meaning/ALTERNATIVE“ gibt bei zugelassenen Wörtern die erlaubte Bedeutung an und bei nicht zugelassenen Wörtern mögliche zugelassene Alternativen. „APPROVED EXAMPLE“ zeigt korrekte Beispielsätze in Großbuchstaben. „Not approved example“ zeigt nicht zugelassene Verwendungen in Kleinbuchstaben.
Ein Beispiel ist „test“. Als Substantiv „TEST (n)“ ist es zugelassen, als Verb „test (v)“ jedoch nicht. Statt „Functionally test the software“ soll man sinngemäß umformulieren, etwa „DO A FUNCTIONAL TEST OF THE SOFTWARE.“ Auch „close“ ist eingeschränkt: Als Verb „CLOSE (v)“ darf es nur bedeuten, etwas zusammenzuführen oder in eine Position zu bringen, die Bewegung oder Ein- und Austritt von Materialien stoppt, oder einen Schutzschalter zu betätigen, um einen Stromkreis zu schließen. Es darf nicht in Bedeutungen wie „to close the meeting“ oder „to close a bank account“ verwendet werden.
Das STE-Vokabular besteht aus dem Wörterbuch und aus „Technical Nouns“ und „Technical Verbs“, also fachlichen Substantiven und Verben nach den Schreibregeln 1.5 und 1.12. Das Wörterbuch enthält etwa 860 zugelassene allgemeine Wörter. Zusätzlich ist firmenspezifische Fachterminologie erlaubt, wenn sie einer Kategorie der „Technical Nouns“ oder „Technical Verbs“ zugeordnet werden kann. So kann zum Beispiel das Wort „scooter“ der Kategorie 2 zugeordnet werden und ist damit in STE zugelassen.
Nutzen und Anwendung
STE verringert Mehrdeutigkeiten, weil Sprachbarrieren abgebaut werden. Technische Texte, besonders Anweisungen, werden verständlicher, sowohl für Nichtmuttersprachler als auch für Muttersprachler. Übersetzungen werden einfacher, schneller und kostengünstiger. Das gilt für menschliche Übersetzungen, computerunterstützte Übersetzungen und maschinelle Übersetzungen. Bessere Verständlichkeit erhöht außerdem die Zuverlässigkeit von Wartungs- und Montagearbeiten, weil das Risiko von Fehlern durch menschliche Faktoren sinkt.
ASD-STE100 wurde ursprünglich als verbindlicher Schreibstandard für die Wartungsdokumentation von Luftfahrzeugen in der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie erstellt. Seit 1986 ist die Verwendung von STE in den ATA-Spezifikationen i2200, früher ATA 100, und ATA 104 vorgeschrieben. Die Spezifikation S1000D empfiehlt STE. Für die European Defence Standards Reference (EDSTAR) ist STE ein Best-Practice-Standard für technische Dokumentation und bei der Beschaffung im Verteidigungssektor von allen Mitgliedsstaaten der European Defence Agency (EDA) anzuwenden.
Heute wird STE auch über seinen ursprünglichen Bereich hinaus eingesetzt, zum Beispiel in der Automobilindustrie, bei erneuerbaren Energien, in der Offshore-Logistik, in der Medizintechnik und im Pharmabereich. Auch im akademischen Bereich wächst das Interesse, insbesondere in Informationstechnik, Angewandter Linguistik und Computerlinguistik.