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Rethinking History

Rethinking History (Untertitel: The Journal of Theory and Practice) ist eine englischsprachige geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Konzept
  3. 3. Entwicklung
  4. 4. Beispiele für experimentelles Schreiben
  5. 5. Rezeption

Überblick

Rethinking History (Untertitel: The Journal of Theory and Practice) ist eine englischsprachige geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift. Sie behandelt vor allem Geschichtstheorie, also die Frage, wie Geschichte erforscht, verstanden und dargestellt wird, sowie experimentelle Formen der Geschichtsdarstellung. Die Zeitschrift erscheint seit 1997 quartalsweise beim Wissenschaftsverlag Routledge, einem Imprint der Verlagsgruppe Taylor & Francis. Ihr Sitz ist Abingdon-on-Thames im Vereinigten Königreich. Die Herausgeber sind Kalle Pihlainen und Patrick Finney. Die ISSN der Printausgabe lautet 1364-2529, die ISSN der Onlineausgabe 1470-1154.

Die Bedeutung der Zeitschrift liegt darin, dass sie nicht nur traditionelle geschichtswissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht, sondern auch neue Arten des historischen Erzählens erprobt. Sie fragt also nicht nur, welche historischen Ereignisse untersucht werden, sondern auch, in welcher Form historische Forschung erzählt oder geschrieben werden kann.

Konzept

Im Vorwort zur ersten Ausgabe erklärte der Gründungsherausgeber Alun Munslow, die Gründung der Zeitschrift sei vom Postmodernismus geprägt gewesen. Postmodernismus bezeichnet hier eine Richtung, die Gewissheiten, feste Erzählformen und scheinbar objektive Darstellungen kritisch hinterfragt.

Rethinking History sollte einen Diskurs über historische Methodik und über die Darstellung geschichtswissenschaftlicher Ergebnisse anregen. Historische Methodik meint die Regeln und Verfahren, mit denen Historikerinnen und Historiker Quellen auswerten und Geschichte deuten. Außerdem sollte die Zeitschrift eine Plattform für neue Formen des historischen Erzählens sein. Der Mitgründer Robert A. Rosenstone formulierte in der dritten Ausgabe einen ähnlichen Anspruch.

Entwicklung

Der erste Jahrgang von Rethinking History erschien 1997. Das erste Heft enthielt ein zwanzigseitiges Editorial des britischen Historikers und Geschichtstheoretikers Alun Munslow. Munslow war zusammen mit dem amerikanischen Historiker und Filmtheoretiker Robert A. Rosenstone Gründungsherausgeber der Zeitschrift.

2004 gaben Munslow und Rosenstone den Sammelband Experiments in Rethinking History heraus. Dieser Band versammelte experimentelle historische Arbeiten und enthielt Einführungen zur theoretischen und praktischen Ausrichtung der Zeitschrift. Zu den Autoren gehörten die Historiker David Igler, William Deverell und Greg Dening.

2017 übergab Munslow die Herausgeberschaft an Kalle Pihlainen von der Universität Turku und Patrick Finney von der Aberystwyth University. 2020 erschien, ein Jahr nach Munslows Tod, ein Nachruf auf ihn. 2018 blickte Jaume Aurell in einem Aufsatz auf die Entwicklung der Zeitschrift zurück und beschrieb sie als ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation.

Beispiele für experimentelles Schreiben

Ein Beispiel ist Jonathan Walkers Aufsatz Pistols! Murder! Treason! aus dem Jahr 2003. Vordergründig behandelt er den Mord am kaiserlichen Gesandten Giulio Cazzari im Jahr 1622 in Venedig durch den Geheimagenten Gerolamo Vano. Der Aufsatz ist aber keine einfache Nacherzählung. Er verbindet ein Daumenkino eines Musketenschusses, einen Comic, intertextuelle Zitate und historische Quellen. Intertextuelle Zitate sind Bezüge auf andere Texte innerhalb eines neuen Textes.

2010 veröffentlichte Aaron Sachs den Beitrag Letters to a tenured historian. Darin schrieb er im Stil eines Briefromans an einen erfahrenen Historiker und berichtete von seinen Schwierigkeiten mit konventionellen Formen der Geschichtsdarstellung. Der Aufsatz wurde später von anderen Autoren in Rethinking History aufgegriffen und kontrovers diskutiert. Die Historikerin Christine M. de Matos zitiert Sachs mehrfach und bezeichnet Historiker mit ähnlichem Ansatz als „Fictorians“.

In der ersten Ausgabe von 2023 veröffentlichte der Sporthistoriker Douglas Booth den Artikel Experiments in History: The Voice of Bondi. Darin erzählt er die Geschichte des Bondi Beach bei Sydney zunächst klassisch aus menschlicher Sicht und später aus der Perspektive des Strandes selbst. Dieser Teil fasst das Kapitel „The Voice of Bondi“ aus Booths Buch Bondi Beach von 2021 zusammen, das ausführlicher eine „Autobiografie“ des Strandes darstellt. Eric Sager rezipiert Booths Ansatz als alternative Perspektive der Geschichtsbetrachtung.

Rezeption

Eine zeitgenössische Rezension des ersten Jahrgangs durch Morten Ranum beschrieb Rethinking History als offenen Raum für Reflexionen über Geschichte in Theorie und Praxis sowie für Experimente mit historischen Schreibweisen. Ranum wies auch auf den Fokus der Zeitschrift auf den angloamerikanischen Raum hin. Er lobte den Schwerpunkt auf alternative Methoden wissenschaftlichen Schreibens, weil theoretische Kritik an wissenschaftlichen Methoden seiner Ansicht nach auch praktische Folgen haben sollte.

Ranum betonte zugleich, dass die Artikel und Buchrezensionen ähnlichen Abschnitten in traditionellen Zeitschriften entsprechen. Das bewertete er positiv, weil dadurch auch traditionelle Historikerinnen und Historiker angesprochen werden könnten. Auch die einzelnen Artikel besprach er wohlwollend und hob experimentelle Elemente hervor.

2011 verglich die Historikerin Ludmilla Jordanova Rethinking History mit der seit 1960 bestehenden Zeitschrift History and Theory. Sie sah bei History and Theory zwar ebenfalls eine gewisse Themenbreite, etwa in Bezug auf Fotografie und Film. Bei Rethinking History hob sie jedoch besonders die große Breite der Themen hervor. Außerdem stellte sie fest, dass dort deutlich mehr Redakteure selbst Beiträge veröffentlichten, während bei History and Theory eher eine Trennung zwischen Autoren und Redakteuren zu bestehen schien.

Jordanova betonte für Rethinking History eine Fülle an „kreativeren“ Artikeln und Rubriken, die sich nicht an klassische Konventionen hielten. Sie wies auch darauf hin, dass in den Geschichtswissenschaften Texte manchmal als unprofessionell kritisiert werden, obwohl dahinter eigentlich eine Abneigung gegen den Autor stehen könne. Abschließend betonte sie, dass solche Themen oft Geschmacksache und deshalb schwer zu beurteilen seien.

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