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Poetischer Realismus (Film)
Der Poetische Realismus war eine Epoche vornehmlich des französischen Films der 1930er und 1940er Jahre. Angetrieben vom Drang nach mehr Realitätsnähe und …
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Kern und Bedeutung
Der Poetische Realismus war eine Epoche vornehmlich des französischen Films der 1930er und 1940er Jahre. Er entstand aus dem Wunsch nach größerer Realitätsnähe und stärkerer Sozialkritik. Im Mittelpunkt stehen häufig die düstere Alltagswelt volkstümlicher Helden sowie die Vergeblichkeit der Liebe.
Die Filme zeigen Menschen, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben und mit ihrer Umwelt in Konflikt geraten. Dabei verbinden sie eine realistische Darstellung des Lebens mit einer poetischen, oft bedrückenden Atmosphäre. Besonders bei Filmen von Marcel Carné tritt ein unüberwindlich pessimistisches Lebensgefühl hervor.
Entstehung und typische Merkmale
Der Poetische Realismus entwickelte sich unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre. Einige junge, bereits bekannte Regisseure wandten sich etwa um 1935 bewusst von der französischen Avantgarde ab, also von einer stärker auf neue künstlerische Formen ausgerichteten Filmrichtung. Zu ihnen gehörten Marcel Carné, Julien Duvivier und Jean Renoir.
Kennzeichnend sind:
- die Bevorzugung der düsteren Seiten des Lebens,
- Sympathie für Benachteiligte,
- Aufmerksamkeit für soziale Probleme,
- der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft,
- die Einordnung der Figuren in ein spezifisches Milieu, also in eine bestimmte soziale und räumliche Umgebung.
Für die Entwicklung der Epoche war die Zusammenarbeit mehrerer Filmschaffender entscheidend. Dazu gehörten die Drehbuchautoren Jacques Prévert und Charles Spaak, der Kameramann Eugen Schüfftan sowie der Szenenbildner Alexandre Trauner, der die Kulissen gestaltete. Der Poetische Realismus brachte außerdem eigene Stars hervor, insbesondere Jean Gabin, Louis Jouvet, Arletty und Michèle Morgan.
Regisseure und wichtige Filme
Zu den bedeutenden Regisseuren und Filmen gehören:
- Marcel Carné: Jenny (1936), Hafen im Nebel (1938), Hôtel du Nord (1938), Der Tag bricht an (1939) und Kinder des Olymp (1943/45).
- René Clair: Unter den Dächern von Paris (1930), Die Million (1931), Es lebe die Freiheit (1931) und Der Vierzehnte Juli (1933).
- Julien Duvivier: Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier (1936), La Belle équipe (1936) und Das Ende des Tages (1939).
- Jacques Feyder: Das große Spiel (1934).
- Jean Renoir: Die Hündin (1931), Boudu – Aus dem Wasser gerettet (1932), Toni (1935), Das Verbrechen des Herrn Lange (1936), Die große Illusion (1937), Bestie Mensch (1938) und Die Spielregel (1939).
- Jean Vigo: Betragen ungenügend (1932) und Atalante (1934).
Die genannten Werke verdeutlichen die zeitliche Spannweite der Epoche und die zentrale Rolle der genannten Regisseure innerhalb des französischen Films.
Einflüsse und filmgeschichtliche Wirkung
Die Bezeichnung „Poetischer Realismus“ wurde später durch den Filmhistoriker Georges Sadoul geprägt. Die Epoche beeinflusste insbesondere zwei wichtige Filmrichtungen: den Italienischen Neorealismus und den Film Noir. Damit wirkte der Poetische Realismus über seine Entstehungszeit im französischen Kino der 1930er und 1940er Jahre hinaus.