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Olympia Multiplex 80
Olympia Multiplex 80 war ein computergesteuertes Datenerfassungssystem der Olympiawerke in Roffhausen, des Marktführers in den 1970er Jahren.
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Gegenstand und Bedeutung
Olympia Multiplex 80 war ein computergesteuertes Datenerfassungssystem der Olympiawerke in Roffhausen. Olympia war in den 1970er Jahren Marktführer. Das System diente dazu, Daten an mehreren Erfassungsplätzen aufzunehmen, zentral zu verarbeiten und blockweise auf Magnetband zu speichern. Es war ein sogenanntes „key to tape“-Datenerfassungssystem: Eingegebene Daten wurden unmittelbar auf Band aufgezeichnet. Damit steht Multiplex 80 für eine frühe praktische Anwendung von Minicomputern in der kommerziellen Datenverarbeitung.
Technisch war Multiplex 80 eine beispielhafte Anwendung der PDP-8-Minicomputersysteme des Unternehmens DEC. PDP-8-Rechner waren verhältnismäßig preiswert; ein PDP-8 kostete weniger als 20.000 US-Dollar. Deshalb verbreiteten sie sich schnell an Universitäten und als Prozessrechner. Als Beispiel wird die Computerisierung des amerikanischen Telefonnetzes von AT&T genannt.
Entwicklung und Verbreitung
Die Zentraleinheit von Multiplex 80 wurde durch einen oder zwei DEC-PDP-8-Minicomputer gesteuert. An diese Zentraleinheit konnten im Multiplexbetrieb etwa 20 Erfassungsplätze angeschlossen werden. Die erste Installation wurde bereits im Sommer 1969 bei der Deutschen Bank Hamburg erfolgreich abgeschlossen.
Olympia stellte Multiplex 80 1970 bei der Einweihung der Halle 1 der Hannover Messe CeBIT vor. Die Bezeichnung CeBIT stand für „Centrum der Büro- und Informationstechnik“. Für die Olympiawerke war die Präsentation ein Höhepunkt der Firmengeschichte. Olympia war 1970 der größte Aussteller in der neuen CeBIT-Halle.
Nach der Erstinstallation folgten weitere Anlagen bei Großbanken und Sparkassen in Hannover, Frankfurt, Mannheim, München, Wien, Amsterdam und Paris. Anfang 1972 wurde zunächst für Siemens-Großrechner die direkte Übertragung der Daten entwickelt, also eine Übertragung ohne den Umweg über Magnetbänder.
Bis 1976 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Multiplex-80-Datenerfassungssysteme im Gesamtwert von mehr als 10 Millionen Mark installiert. Das System wurde auf zwei Wegen vertrieben. Olympia übernahm den Vertrieb für Banken und Sparkassen. Für die Betriebsdatenerfassung bot die Kabel- und Metallwerke Gutehoffnungshütte AG, kurz Kabelmetal, Multiplex 80 an. Kabelmetal hatte in den 1960er Jahren wegen fehlender anderer Beschaffungsmöglichkeiten zunächst für die eigenen Fertigungsstätten ein System zur dezentralen Erfassung und zentralen Aufzeichnung von Daten entwickelt und diese Systeme später ebenfalls an andere Unternehmen verkauft.
Aufbau und Datenspeicherung
Die zentrale Rechnersteuerung erfolgte mit DEC-PDP-8-Minicomputern mit 4 oder 8 KB Hauptspeicher. Je nach Ausführung konnte die Zentraleinheit mit einem oder mit zwei PDP-8-Rechnern ausgestattet sein. Über den Multiplexbetrieb wurden etwa 20 Datenerfassungsplätze an die Zentraleinheit angeschlossen.
Die erfassten Daten wurden nicht einzeln, sondern blockweise auf Magnetband geschrieben. Anschließend konnten die Bänder offline auf eine Großrechneranlage übertragen werden. Dafür wurden IBM-kompatible Magnetbänder verwendet. Die Bandaufzeichnung erfolgte mit neun Spuren und entweder 800 CPI im NRZI-Verfahren oder 1600 CPI im PE-Verfahren (Phase Encoding).
Die historischen Bildbeispiele zeigen eine Zentraleinheit mit angeschlossenen Datenerfassungsplätzen, eine Installation aus dem Jahr 1971 in Wien sowie eine Zentraleinheit mit zwei PDP-8-Minicomputern.
Steuerung und Prüfsoftware
Die Steuersoftware von Multiplex 80 wurde von Norbert Dumke in PDP-Assembler geschrieben. Assembler ist eine hardwarenahe Programmiersprache, deren Befehle eng an die jeweiligen Prozessorbefehle gebunden sind. Gerd Müller konstruierte die Logikbausteine und die Hardwaresteuerung. Die Anwendungs- und Vertriebskonzeption für Banken und Sparkassen stammte von Kurt Günther und Klaus Hanken.
Zur Software-Dokumentation gehören Unterlagen zu Prüfsoftware der Magnetbandsteuerung sowie PDP-8-Assemblercode für diese Magnetbandsteuerung, jeweils von Norbert Dumke. Außerdem ist die Planung einer Prüfroutine aus dem Jahr 1971 dokumentiert. Sie betraf die Kontokorrent-Valutierung und wurde als Ablaufdiagramm von Tamas Szabo dargestellt.
Multiplex 80 verbindet damit dezentrale Dateneingabe an vielen Plätzen, zentrale Steuerung durch PDP-8-Minicomputer und die Speicherung der Daten auf Magnetband. Später war für Siemens-Großrechner auch eine direkte Übertragung ohne Magnetband möglich.