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Naturwissenschaftliches Arbeiten
In NWA geht es um eine naturwissenschaftliche Grundbildung, in deren Zentrum naturwissenschaftliche Methoden stehen. Dabei kommt stets auch das Prinzip der …
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Grundidee und Einordnung
Naturwissenschaftliches Arbeiten (NWA) war ein Fächerverbund an Realschulen in Baden-Württemberg. Mit dem Bildungsplan 2004 ersetzte NWA die klassischen naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Chemie und Physik. Neben Mathematik, Sprachen und Wahlpflichtfächern war NWA ein Kernfach.
Ziel war eine naturwissenschaftliche Grundbildung. Im Mittelpunkt standen naturwissenschaftliche Methoden und ein ausdrücklich praktischer Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler sollten Natur und Phänomene unmittelbar erfahren, selbst experimentieren und recherchieren, kooperieren und kommunizieren sowie eigenes Handeln und Verstehen reflektieren.
Unterrichtsaufbau
Bis einschließlich Klasse 7 wurde NWA üblicherweise integrativ unterrichtet. Das bedeutet, dass eine Lehrkraft die gesamte Klasse in den verschiedenen naturwissenschaftlichen Bereichen unterrichtete. In den Klassen 8 und 9 erfolgte meist eine Aufteilung in NWA-Chemie, NWA-Biologie und NWA-Physik. In Klasse 10 war Projektunterricht vorgesehen.
In allen Klassenstufen gab es nur eine gemeinsame Note für den gesamten Fächerverbund NWA. Insgesamt waren 24 Jahreswochenstunden für NWA vorgesehen. Dadurch wurde der naturwissenschaftliche Bereich gegenüber dem Bildungsplan von 1994 deutlich aufgewertet.
Methoden und angestrebte Kompetenzen
Die zentralen Prinzipien von NWA waren:
- Natur und Phänomene direkt erfahren
- eigenes Experimentieren
- eigenes Recherchieren
- kooperieren und kommunizieren
- eigenes Reflektieren und Verstehen
- Entwicklung eines einheitlich strukturierten Begriffssystems
Diesen Prinzipien waren konkrete Feinmethoden und Feinkompetenzen zugeordnet. Zu den Feinmethoden gehörten beispielsweise Beobachten, Untersuchen, Messen, Dokumentieren und Präsentieren. Zu den Feinkompetenzen zählten unter anderem, den eigenen Körper zu verstehen, Sachverhalte zu quantifizieren, Kausalitäten zu erkennen und zu beschreiben sowie den Energiebegriff zu verstehen und anzuwenden.
Ein Ziel der Bildungsstandards war, dass Schülerinnen und Schüler aus Belegen Schlussfolgerungen ziehen können, um Entscheidungen zu verstehen und zu treffen, die die natürliche Welt und die durch menschliches Handeln an ihr vorgenommenen Veränderungen betreffen. Das Konzept entstand vor dem Bekanntwerden des schlechten Abschneidens deutscher Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften bei der PISA-Studie. In den bereits Mitte der 1990er Jahre durchgeführten TIMS-Studien waren jedoch deutliche Defizite in der naturwissenschaftlichen Grundbildung festgestellt worden.
Kritik und spätere Auflösung
Die praktische Umsetzung von NWA wurde durch eine aus Sicht der Kritik zu geringe Stundenzuweisung und zu wenige Teilungsstunden gefährdet. Das erschwerte insbesondere Schülerversuche. Bei Klassen mit bis zu 33 experimentierenden Schülerinnen und Schülern wurde dies auch als gravierendes Sicherheitsproblem bezeichnet. Zusätzlich gab es weiterhin keine eigene Lehrerausbildung für NWA. Da bis einschließlich Klasse 7 eine Lehrkraft integrativ unterrichtete, waren viele NWA-Lehrkräfte nur in einem der Fächer Biologie, Chemie oder Physik ausgebildet.
Die gemeinsame Sammelnote bereitete vielen Betrieben Schwierigkeiten, weil sie teilweise besonders an Leistungen in Chemie oder Physik interessiert waren. Auch der Projektunterricht in Klasse 10 wurde kritisiert, da die Schulen trotz der Projektarbeit mehrere Klassenarbeiten schreiben mussten.
Berufliche Gymnasien, Eltern und die GEW bemängelten außerdem die fehlende Kompatibilität von NWA mit den dort unterrichteten naturwissenschaftlichen Fächern. Die dadurch eingeschränkte Anschlussfähigkeit wurde im Koalitionsvertrag zwischen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD Baden-Württemberg für 2011–2016 aufgegriffen. Darin wurde festgehalten, dass der Bildungsplan der Realschule so verbessert werden müsse, dass er mit dem Bildungsplan des beruflichen Gymnasiums kompatibel ist.
Im Bildungsplan Baden-Württembergs ab 2016 wurde NWA wieder aufgelöst. In den Klassen 5 und 6 trat an seine Stelle der Fächerverbund Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT), der Biologie, Physik, Chemie und Technik umfasst. Ab Klasse 7 werden Physik, Chemie und Biologie wieder als Einzelfächer unterrichtet. Der Artikel bewertet das Experiment NWA damit als gescheitert.