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Namborner Aufruhr
Der Namborner Aufruhr von 1874 war einer der schwersten Kulturkampf-Konflikte der Diözese Trier, bevor es zu einer noch größeren Eskalation im Zusammenhang …
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Kern des Konflikts
Der Namborner Aufruhr von 1874 war ein schwerer Konflikt im Kulturkampf in der Diözese Trier. Als Kulturkampf bezeichnet man hier den Streit zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche um staatliche Kontrolle über kirchliche Angelegenheiten. Der Aufruhr entstand, weil der Trierer Bischof Matthias Eberhard die sogenannten Maigesetze missachtete. Diese Gesetze verlangten unter anderem, dass die Besetzung einer Pfarrstelle den preußischen Behörden angezeigt wurde.
Nachdem der Gemeindepfarrer von Namborn im Sommer 1873 pensioniert worden war, berief Bischof Eberhard Jakob Isbert auf die Pfarrstelle. Er tat dies ohne die vorgeschriebene Anzeige an die preußischen Behörden. Damit wurde die Pfarrbesetzung zum Auslöser einer Auseinandersetzung zwischen katholischer Gemeinde, Kirche und preußischer Verwaltung.
Jakob Isbert und die Behörden
Landrat Karl Hermann Rumschöttel warf Pfarrer Jakob Isbert im November 1873 öffentlich eine gesetzwidrige Amtshandlung vor. Isbert konnte seine Tätigkeit in Namborn danach nicht offen ausüben. Er besuchte Namborn nur noch heimlich bei Nacht und hielt sich tagsüber im Fürstentum Birkenfeld auf.
Im Sommer 1874 wurde Isbert in Abwesenheit zu 32 Monaten Haft verurteilt. Das zeigt, wie stark der preußische Staat in diesem Fall gegen kirchliche Verstöße gegen die Maigesetze vorging.
Aufruhr in Namborn und St. Wendel
Im Juli 1874 gelang es dem Bürgermeister von Namborn, Wilhelm Woytt, und einem Polizisten, Pfarrer Isbert zu stellen. Dabei kam es zu Tumulten unter der Bevölkerung. Erst der Pfarrer aus der benachbarten Gemeinde Furschweiler konnte durch seine Intervention erreichen, dass sich die Menge zerstreute.
In St. Wendel wiederholte sich die Situation. Von dort sollte Isbert mit der Eisenbahn nach Saarbrücken gebracht werden, um seine Haft anzutreten. Rund 1.000 Katholiken stürmten den Bahnhof. Erst der Einsatz preußischen Militärs unter dem Bezirkskommandanten Major von Studnitz konnte die Menge auseinanderbringen. Dabei wurden 23 Personen verhaftet, die angeblich die „Hauptschreier“ gewesen sein sollen.
Strafen und Bedeutung
Die Konfrontation fiel in denselben Monat, in dem der katholische Böttchergeselle Eduard Kullmann ein Attentat auf Otto von Bismarck verübt hatte. Vor diesem Hintergrund wurden die Beteiligten an der Erstürmung des Bahnhofs sehr hart bestraft.
Vier Personen erhielten jeweils drei Jahre Haft. Eine weitere Person wurde zu achtzehn Monaten Haft verurteilt, eine andere zu sechs Monaten. Der Namborner Aufruhr gilt als einer der schwersten Kulturkampf-Konflikte der Diözese Trier, bevor es 1876/1877 im Zusammenhang mit den Marienerscheinungen in Marpingen zu einer noch größeren Eskalation kam.