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Lebensform (Botanik)

Haftende oder adnate Pflanzen sitzen auf anderen Pflanzen. · Bewegliche oder errante Pflanzen sind die frei schwimmenden und schwebenden Wasserpflanzen.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und zentrale Einteilung
  2. 2. Lebensformen nach Raunkiær
  3. 3. Weitere Einteilungssysteme

Grundbegriff und zentrale Einteilung

In der Botanik bezeichnet „Lebensform“ einen Organisationstyp von Organismen. Arten werden dabei aufgrund gleicher Struktur-, Entwicklungs-, Lebensweise- oder Verhaltenseigenschaften zusammengefasst. Diese Eigenschaften zeigen, wie die Organismen an bestimmte Umweltbedingungen ihres Habitats angepasst sind. Lebensform und Wuchsform werden häufig gleichbedeutend verwendet.

Manche Autoren unterscheiden jedoch zwischen Lebensform und Lebensformtyp. Die Lebensform umfasst den gesamten autökologischen Komplex, also die Gesamtheit der Strukturen und Verhaltensweisen eines Organismus. Ein Lebensformtyp besteht dagegen aus allen Arten, die wegen einer ähnlichen Lebensweise einen Komplex ähnlicher Strukturen entwickelt haben.

Das bekannteste pflanzliche Lebensformsystem stammt von Christen Raunkiær. Es ordnet Pflanzen nach der Lage ihrer Überdauerungsknospen, also der Knospen, mit denen sie ungünstige Jahreszeiten überstehen. Andere Systeme richten sich nach der Wasserversorgung des Standorts, nach Bodenfaktoren oder nach der Ernährungsweise.

Lebensformen nach Raunkiær

Raunkiær entwickelte sein System 1919 in Nordeuropa. Es ist heute besonders in Europa verbreitet. Berücksichtigt werden kalte Winter ebenso wie trockene Jahreszeiten. Nach Erweiterungen, unter anderem durch Ellenberg und Müller-Dombois (1967), werden folgende Lebensformen unterschieden:

  • Phanerophyten besitzen Überdauerungsknospen mehr als 30 cm über dem Boden. Dazu gehören vor allem Bäume und Sträucher.
  • Chamaephyten haben Knospen zwischen 1 und 30 cm über dem Boden. Sie sind häufig durch Schnee und ein bodennahes Mikroklima geschützt. Beispiele sind Zwergsträucher und Polsterpflanzen.
  • Hemikryptophyten tragen ihre Knospen unmittelbar an der Bodenoberfläche. Dort schützt sie meist die Laubschicht; häufig sitzen sie an basalen Teilen vorjähriger Triebe.
  • Geophyten besitzen im Boden verborgene Überdauerungsorgane und -knospen. Dadurch sind diese besonders gut geschützt. „Kryptophyten“ wird teilweise gleichbedeutend verwendet, teilweise als Oberbegriff für Geophyten, Helophyten und Hydrophyten.
  • Therophyten sind einmal blühende, hapaxanthe, krautige Pflanzen. Sie vollenden ihren Lebenszyklus in weniger als einem Jahr und bilden keine Überdauerungsorgane. Die Überwinterung erfolgt durch Diasporen, also ausbreitungsfähige Einheiten wie Samen.

Diese im Boden wurzelnden Lebensformen werden gemeinsam als Radikante bezeichnet. Ihnen stehen Pflanzen gegenüber, die nicht im Boden wurzeln:

  • Haftende oder adnate Pflanzen wachsen auf anderen Pflanzen. Dazu zählen Epiphyten und verschiedene parasitische Pflanzen.
  • Bewegliche oder errante Pflanzen sind frei schwimmende oder schwebende Wasserpflanzen.
  • Aerophyten beziehen ihre Nährstoffe aus Luft und Regenwasser. Sie wachsen häufig an erhöhten Standorten ohne Bodensubstrat, etwa auf Felsen oder Sanddünen. Wenn sie auf anderen Pflanzen wachsen, gehören sie zugleich zu den Epiphyten. Aerophyten sind ausdauernd und haben nur schwach entwickelte Wurzeln. Viele Tillandsia-Arten gehören dazu; Tillandsia landbeckii kann als Aerophyt gelten, weil der überwiegende Teil ihrer benötigten Nährstoffe aus der Luft zugetragen wird.

Gängige Abkürzungen sind: A für Hydrophyt, C für krautiger Chamaephyt, G für Geophyt, H für Hemikryptophyt, N für Nanophanerophyt, P für Phanerophyt, T für Therophyt und Z für holzigen Chamaephyt. Außerdem stehen „li“ für Liane oder Spreizklimmer, „ep“ für Epiphyt, „hp“ für Halbparasit und „vp“ für Vollparasit.

Weitere Einteilungssysteme

Neben der Lage der Überdauerungsknospen können Pflanzen nach verschiedenen Umwelt- und Ernährungsmerkmalen eingeteilt werden.

Nach dem Wassergehalt des Standorts unterscheidet man Wasserpflanzen oder Hydrophyten, Sumpfpflanzen oder Helophyten, Feuchtigkeitspflanzen oder Hygrophyten sowie Trockenheitspflanzen oder Xerophyten.

Nach Bodenfaktoren werden Kalkpflanzen, Schwermetallpflanzen oder Chalkophyten und Salzpflanzen oder Halophyten unterschieden.

Nach ihrer Ernährungsweise gehören Pflanzen zu den Parasiten, beispielsweise bei Mykoheterotrophie, zu den Halbparasiten oder Hemiparasiten oder zu den fleischfressenden Pflanzen, auch Carnivoren genannt.

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