Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Le Robert Brio
Le Robert Brio ist ein allgemeines einsprachiges Wörterbuch der französischen Sprache mit einer besonderen Wortbildungskomponente.
Inhalt4 Abschnitte
Überblick
Le Robert Brio ist ein allgemeines einsprachiges Wörterbuch des Französischen. Es verbindet ein herkömmliches Definitionswörterbuch mit Beispielen mit einer besonderen Analyse der Wortbildung. Sein Untertitel lautet „Analyse des mots et régularités du lexique“ („Wortanalyse und lexikalische Regularitäten“); auf dem Umschlag steht außerdem „Dictionnaire général et morphologique“.
Das Werk erschien 2004 unter der Herausgeberschaft von Josette Rey-Debove als überarbeitete Fassung von Le Robert méthodique aus dem Jahr 1982. Ziel ist es, den französischen Wortschatz möglichst durchsichtig zu machen: Man soll erkennen können, aus welchen gemeinsamen Wortbildungselementen Wörter bestehen und wie Wörter miteinander zusammenhängen.
Wortbildung als Ordnungsprinzip
Schon das erste Wörterbuch der Académie française von 1694 ordnete Wörter nach Wortfamilien. Spätere große Wörterbücher enthielten zwar ausführliche Einleitungen zur Wortbildung, setzten dieses Wissen aber nicht als Prinzip für ihre einzelnen Artikel um: der Dictionnaire général de la langue française erhielt 1900 eine 100 Seiten starke Wortbildungslehre von Arsène Darmesteter, der Grand Larousse de la langue française (1971–1978) einen 70-seitigen Vorspann von Louis Guilbert.
Als erstes modernes französisches Wörterbuch, das Wortbildung zum Anordnungsprinzip machte, gilt der 1967 unter Leitung von Jean Dubois veröffentlichte Dictionnaire du français contemporain. Henri Cottez veröffentlichte 1980 bei Le Robert den Dictionnaire des structures du vocabulaire savant. Eléments et modèles de formation. Le Robert méthodique von 1982 und Le Robert Brio von 2004 stehen in dieser Tradition, führen sie jedoch mit bedeutenden Neuerungen weiter.
Methode der Wortanalyse
Das Wörterbuch enthält 33 000 Einträge. Zusätzlich zu den üblichen Bedeutungsdefinitionen untersucht es Wörter vergleichend nach Wortbildungselementen. Insgesamt erhalten 1856 solcher Elemente eigene Artikel. Diese Element-Artikel verweisen auf die Wörter, die mit dem jeweiligen Element gebildet sind; umgekehrt verweisen die betreffenden Wörter auf den Element-Artikel. Bei Wörtern ohne ein solches Element wird die Etymologie angegeben.
Als Beispiel nennt der Verlag domaine, domestique, domotique und majordome. Sie werden über das gemeinsame Element dom- mit der Bedeutung „Haus“ verbunden. Dadurch sollen Beziehungen innerhalb des Wortschatzes sichtbar werden.
Die Zuordnung ist jedoch nicht immer eindeutig, denn die Durchsichtigkeit eines Wortes ist abgestuft. Deshalb muss der Lexikograf besonders an Grenzfällen entscheiden. So erkennt der Brio in domaine die Bedeutung „Haus“, obwohl in keiner Definition von domaine im Trésor de la langue française das Wort maison vorkommt. Kritik richtete sich besonders gegen sehr weitgehende Analysen, etwa gegen das Element -ST- mit der Bedeutung „état déterminé, permanent“ („bestimmter permanenter Zustand“), das unter anderem in stable, obstacle, prostate, apostat, station, stage, prestance, piédestal, rester, circonstance und extase gesehen wird. Solche Analysen wurden als „leere Transparenz“ bezeichnet.
Aufnahme und Ausgaben
Die Wörterbuchforschung begrüßte Le Robert Brio und seinen Vorgänger. Jean Pruvost nannte das Werk 2002 eine „radiographie très pertinente de la langue“ („sehr relevantes Röntgenbild der Sprache“). 2021 stellte er jedoch fest, dass der seit 40 Jahren erwartete Verkaufserfolg ausgeblieben sei. Als möglicher Grund wird genannt, dass das Publikum durch die lexikografische Brillanz des Konzepts überfordert gewesen sei. Der ausschließlich gedruckte Robert Brio war 2022 für knapp 40 Euro erhältlich.
Le Robert méthodique. Dictionnaire méthodique du français actuel erschien 1982 bei Le Robert in Paris und umfasst 1617 Seiten. Weitere Auflagen folgten 1989 und 1994; 2003 erschien eine Ausgabe unter dem Titel Le nouveau Robert méthodique. Le Robert Brio. Analyse des mots et régularités du lexique erschien 2004 bei Le Robert in Paris und umfasst 1897 Seiten.