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Jugendrat Liechtenstein
Der Verein Jugendrat in Liechtenstein (kurz Jugendrat Liechtenstein) sieht sich als Plattform für junge Erwachsene zwischen 15 und 28 Jahren in …
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Profil und Bedeutung
Der Jugendrat Liechtenstein ist ein Verein mit Sitz in Schaan, der im Oktober 2012 gegründet wurde. Er versteht sich als Plattform für junge Erwachsene zwischen 15 und 28 Jahren, die sich für politische Themen interessieren und engagieren möchten. Sein Zweck ist die Förderung der politischen Bildung und der Jugendpartizipation in Liechtenstein. Im Jahr 2022 hatte der Verein 83 Mitglieder.
Der Jugendrat möchte die Teilnahme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen am politischen Prozess verbessern, ihre Meinung fördern, sie auf Wahlen und Abstimmungen vorbereiten und junge Erwachsene zum Wählen bewegen. Dazu betreibt er aktive Jugendpolitik auf nationaler und kommunaler Ebene, arbeitet mit den Jungparteien Liechtensteins zusammen, unterstützt passende Projekte und fördert den Austausch zwischen Jugendlichen und der Politik. Außerdem dient er als Ansprechstelle für Jugendthemen.
Entstehung und Entwicklung
Die Idee entstand 2011 aus der Jugendbeteiligung Liechtenstein (JUBEL), einem Netzwerk von Schülervertretern. Brian Haas und Florian Ramos wollten sich auch nach dem Überschreiten der damaligen Alterslimite politisch engagieren und diese Möglichkeit anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eröffnen.
Im Februar 2012 präsentierten sie das Konzept eines Jugendparlaments bei einer JUBEL-Vollversammlung. Vertreter aus Politik, Jugend und Gesellschaft reagierten positiv. Nach der weiteren Ausarbeitung und der Suche nach Mitstreitern wurde der Verein im Oktober 2012 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Haas und Ramos Alissia Casagrande, Caroline Forte, Maximilian Meyer und Orlando Wanner. Eine Startfinanzierung erhielt der Verein durch das EU-Programm Jugend in Aktion (Youth in Action). Am 15. Dezember 2012 stellte er sich öffentlich vor und präsentierte erstmals das Projekt „easyvote“.
In den Jahren 2013 bis 2015 wurde easyvote weitergeführt und evaluiert. 2013 wurde der damalige Vizepräsident Florian Ramos in den Vorstand des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente (DSJ) gewählt. Die Zusammenarbeit mit den damals 33 schweizerischen Jugendparlamenten diente dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung. Beim regionalen Jugendprojektwettbewerb 2013 in Ruggell gewann der Jugendrat mit seinen Arbeiten, besonders mit easyvote, den ersten Platz und 1'100 Franken Preisgeld; beim interregionalen Finale in St. Gallen erreichte er den dritten Platz. 2014 konnte der Verein mit Unterstützung der Gemeinde Schaan das Vereinshaus „Haus am Gleis“ beziehen. Ebenfalls 2014 führte er eine politische Schulumfrage durch.
2016 wurde die erste liechtensteinische Jugendsession veranstaltet. 2017 organisierte der Jugendrat gemeinsam mit dem DSJ eine Delegiertenversammlung mit 150 Jungparlamentariern aus 32 Jugendparlamenten und -räten. 2020 wechselte nach acht Jahren die Präsidentschaft von Brian Haas zu Kevin Scherrer; Michael Schädler wurde Vizepräsident. 2021/22 traf sich der Jugendrat fünfmal mit der deutschen „Initiative Jugendparlament“. 2022 wurde Michael Schädler Präsident und Fabian Nägele Vizepräsident. Ein Antrag zur „Priorisierung des Veloverkehrs“ wurde vom Landtag erstmals einstimmig an die Regierung überwiesen. Im Oktober 2022 feierte der Jugendrat sein zehnjähriges Bestehen.
Vereinsstruktur
Die Mitgliederversammlung wählt jährlich einen Vorstand mit drei bis sechs Personen. Die Mitglieder können außerdem in Arbeitsgruppen mitarbeiten. Diese Arbeitsgruppen werden vom Vorstand eingerichtet und stehen allen Mitgliedern offen.
Die Aufgaben des Vorstands sind in Ressorts aufgeteilt. Jedes Vorstandsmitglied leitet ein Ressort und übernimmt zugleich die Stellvertretung eines weiteren Ressorts. Vorstandsmitglieder, die besondere Leistungen für den Verein erbracht haben, können vom Vorstand als Ehrenmitglieder vorgeschlagen und von der Mitgliederversammlung bestätigt werden.
Der Beirat hat eine beratende Funktion. Er wird bei wichtigen strategischen Entscheidungen oder auf Wunsch des Vorstands hinzugezogen.
Wahlhilfe für Jugendliche
Das Projekt „easyvote“ informiert Jugendliche bei Wahlen politisch neutral. Auch Personen, die noch nicht stimmberechtigt sind, sollen verständlich erfahren, welche politischen Entscheidungen anstehen. Stimmberechtigte Jugendliche werden dazu ermuntert, ihr Wahlrecht zu nutzen. Die Broschüre ist kurz und informativ und soll zum Lesen anregen.
Bisher erschienen vier easyvote-Wahlbroschüren: zu den Landtagswahlen 2013 und 2017 sowie zu den Gemeinderatswahlen 2015 und 2019. Bei jeder Durchführung wurden mehr als 3'000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren in Liechtenstein erreicht. Das Projekt machte den Jugendrat besonders bekannt.
Politische Bildung und Beteiligungsformate
Im März 2014 führte der Jugendrat gemeinsam mit dem Schulamt des Fürstentums Liechtenstein eine Umfrage zur politischen Bildung durch. Befragt wurden 591 Schülerinnen und Schüler mit einem Durchschnittsalter von 16,5 Jahren. Der Jugendrat fasste die Ergebnisse so zusammen: Ein Drittel der Befragten verwehre sich der Politik; das politische Basiswissen sei gut ausgeprägt, beim Detailwissen bestehe jedoch deutlicher Nachholbedarf. Viele Jugendliche beschäftigten sich mit Volksabstimmungen. Ohne die Gymnasium-Klassen 5 bis 7 lagen die Ergebnisse um 3 bis 7 Prozent niedriger.
Die Jugendsession findet im Landtagsplenarsaal statt. Interessierte Jugendliche und junge Erwachsene diskutieren dort über aktuelle Themen, entwickeln Lösungsansätze und formulieren Forderungen. Diese werden am Ende an die Politik übergeben. Die erste Jugendsession fand im November 2016 mit 17 Teilnehmenden statt und behandelte Berufsbildung sowie Vaterschaftsurlaub. Dabei entstanden sechs Anträge. Wegen der positiven Rückmeldungen wurde das Format auch im November 2017 und November 2018 durchgeführt. Es ermöglicht Jugendlichen, die Rolle von Landtagsabgeordneten einzunehmen, sich mit anderen Jugendlichen und Experten auszutauschen und ihre Anliegen in die Politik einzubringen.
Der Workshop „Politik zum Anfassen“ wurde erstmals im November 2015 durchgeführt und richtet sich an Schulklassen der achten und neunten Schulstufe. Der etwa 90-minütige Workshop wird von Mitgliedern des Jugendrats geleitet. Nach einem kurzen Crash-Kurs zum politischen System Liechtensteins und Videos über politische Streitgespräche arbeiten die Jugendlichen Petitionen aus, bilden Interessengruppen und verhandeln ihre Forderungen in Podiumsdiskussionen.
Die „Jugendrat Arena“ bringt Mitglieder verschiedener Jungparteien und politisch interessierte junge Menschen zusammen. Sie diskutieren über ein vorher festgelegtes Thema. Die bisherigen Ausgaben behandelten das Wahlalter 16, eine Cannabis-Reform und Familienmodelle.
Im Rahmen der Europäischen Jugendpartizipations-Konferenz traf sich der Jugendrat 2021/22 insgesamt fünfmal mit der deutschen „Initiative Jugendparlament“: zweimal in Liechtenstein sowie jeweils einmal in Köln, Brüssel und Berlin. Die Treffen dienten dem Austausch über Jugendpartizipation und der gemeinsamen Erarbeitung eines Handbuchs für Jugendparlamente. Die Konferenz wurde von Erasmus+ finanziert.