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John M. Haynes

John Michael Haynes (geboren 28. Oktober 1932 in Isleworth, Middlesex; gestorben 22. Dezember 1999) gilt als einer der Pioniere der Mediation.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und beruflicher Weg
  2. 2. Grundverständnis der Mediation
  3. 3. Fünf Phasen des Verfahrens
  4. 4. Emotionen und Gesprächsführung
  5. 5. Schriften und fortwirkende Anerkennung

Bedeutung und beruflicher Weg

John Michael Haynes (geboren am 28. Oktober 1932 in Isleworth, Middlesex; gestorben am 22. Dezember 1999) gilt als einer der Pioniere der Mediation. Mediation ist ein Verfahren, bei dem eine neutrale Person Konfliktparteien dabei unterstützt, selbst eine gemeinsame Lösung auszuhandeln. Haynes war Präsident des Haynes Mediation Training Institute, Mitbegründer und Präsident der Academy of Family Mediators sowie Mitbegründer des World Mediation Forum.

Nach dem Besuch der Ealing's Drayton Manor grammar school und seinem Militärdienst im Royal Air Force national service zog er 1957 in die Vereinigten Staaten. Von 1972 bis 1985 lehrte er an der State University of New York at Stony Brook. 1978 promovierte er am Union Institute in Ohio.

Haynes führte mehr als 5.000 Mediationen bei zwischenmenschlichen Streitigkeiten durch. Außerdem bildete er international Mediatoren aus und arbeitete als Berater an Gerichten. Gemeinsam mit Gary Friedman, Jack Himmelstein, Florence Kaslow und Stanley Cohen trug er durch Seminare wesentlich dazu bei, Kenntnisse über die Mediation aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland zu vermitteln. Seine Bücher und Videoaufnahmen von Mediationssitzungen werden weltweit in der Ausbildung von Mediatoren eingesetzt.

Grundverständnis der Mediation

Haynes betrachtete Mediation als eigenständigen Beruf. Sie sollte seiner Auffassung nach weder der anwaltlichen Tätigkeit noch der Sozialarbeit oder Therapie untergeordnet sein. Eine Feldkompetenz, also besondere Fachkenntnis des Mediators im jeweiligen Streitgebiet, hielt er nicht für erforderlich und teilweise sogar für hinderlich.

Der Mediator soll die Beteiligten bei Haynes immer gemeinsam treffen. Dadurch unterscheidet sich sein Vorgehen besonders von der Shuttle-Mediation, bei der der Mediator getrennt zwischen den Parteien vermittelt. Die Beteiligten sollen ihre Beiträge vorzugsweise an den Mediator und nicht unmittelbar aneinander richten.

Wichtig ist, dass die Verantwortung für die Lösung bei den Konfliktparteien bleibt. Der Mediator soll weder für die gefundene Lösung noch für deren Tauglichkeit verantwortlich werden. Er steuert somit das Verfahren, entscheidet aber nicht selbst über das Ergebnis.

Fünf Phasen des Verfahrens

Die Mediation durchläuft nach Haynes typischerweise wiederholt einen Zyklus aus fünf Phasen:

• Daten sammeln und vorstellen. • Das Problem anhand dieser Daten definieren. • Möglichkeiten für eine Lösung entwickeln. • Positionen des Eigeninteresses in Positionen des gemeinsamen Interesses umdefinieren. • Über die Möglichkeiten verhandeln, um zu einer Einigung zu gelangen.

Dieser Zyklus wird für jeden einzelnen Streitpunkt oder für jeden zusammengehörigen Satz von Streitpunkten durchgeführt. Der Ansatz soll die Beteiligten schrittweise von gegensätzlichen Positionen zu gemeinsam tragfähigen Lösungen führen.

Emotionen und Gesprächsführung

Haynes unterschied zwischen offensiven und defensiven Gefühlsäußerungen. Offensive Gefühlsäußerungen sollten möglichst ignoriert werden, solange sie den Fortgang der Mediation nicht behindern. Defensive Gefühlsäußerungen betrachtete er dagegen als hilfreich: Sie können den Mediator auf tiefer liegende Zusammenhänge aufmerksam machen, die für die Entwicklung einer gemeinsamen Lösung wesentlich sein können.

Haynes war besonders für seine Fragetechniken und weitere strategische Elemente bekannt. Berichten zufolge passte er seinen Stil an die Konfliktparteien an. Gegenüber starken Verhandlungspartnern, etwa aufgrund ihrer Bildung, Eloquenz oder anderer Ressourcen, trat er vergleichsweise direktiv auf. Bei Menschen, die er sozial, wirtschaftlich oder persönlich als verletzlich einschätzte, arbeitete er sanfter und weniger direktiv. Als Grundlagen seines Engagements werden seine Erfahrungen als Quäker und seine Überzeugung genannt, dass Menschen fähig seien, das Gute zu erkennen.

Schriften und fortwirkende Anerkennung

Zu Haynes’ wichtigen Veröffentlichungen gehören „Divorce Mediation: A Practical Guide For Therapists And Counsellors“ (1981), „Mediating Divorce: A Casebook of Strategies for Successful Family Negotiations“ mit Gretchen L. Haynes (1989) und „The Fundamentals of Family Mediation“ (1994). Der 2004 mit Gretchen L. Haynes und Larry Sun Fong herausgegebene Band „Mediation: Positive Conflict Management“ enthält seine als „Vienna Speech“ bekannte Hauptrede für die Internationale Mediationskonferenz in Wien 1999. Darin fasste er seine Grundgedanken zur Mediation und deren Anwendung im Alltag zusammen. Deutschsprachige Veröffentlichungen sind unter anderem „Scheidung ohne Verlierer: Familienmediation in der Praxis“ (2002) und „Mediation – Vom Konflikt zur Lösung“ (2014).

Seit 2000 vergibt die Alberta Family Mediation Society jährlich den Dr. John Haynes Memorial Award an Personen in der Provinz Alberta, die wesentliche Beiträge zur Familienmediation geleistet haben. Seit 2001 verleiht die Association for Conflict Resolution jährlich den John M. Haynes Distinguished Mediator Award.

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