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Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte

Als Informations- und Dokumentationszentrum für die jüdische Geschichte in Unterfranken dient es der bayerischen Erinnerungskultur. Das JSZ befindet sich im …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einrichtung und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Namensgeberin Johanna Stahl
  4. 4. Sammlungen, Bibliothek und Vermittlung
  5. 5. Leitung
  6. 6. Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Einrichtung und Bedeutung

Das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte in Unterfranken (JSZ) ist eine Einrichtung der Stadt Würzburg und des Bezirks Unterfranken. Als Informations- und Dokumentationszentrum sammelt, erforscht und vermittelt es die jüdische Geschichte Unterfrankens und leistet damit einen Beitrag zur bayerischen Erinnerungskultur. Das Zentrum befindet sich im 3. Obergeschoss des jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums Shalom Europa in Würzburg.

Jüdisches Leben ist seit 900 Jahren Teil der Geschichte Unterfrankens. Das JSZ bewahrt Überlieferungen aus diesem gesamten Zeitraum. Wegen seiner verfügbaren Ressourcen liegen Informationen und Beratungen besonders zum 20. Jahrhundert im Schwerpunkt. Dazu kommen Veranstaltungen, Publikationen und Online-Angebote, die die Vermittlung weltweit zugänglich machen und vor allem der Erinnerungskultur dienen.

Entstehung und Entwicklung

Die Idee für ein Zentrum zur jüdischen Geschichte Unterfrankens formulierte David Schuster bereits in den 1960er Jahren. Nach den Zerstörungen der Shoa sollte die lange und besonders dichte jüdische Geschichte der Region wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Außerdem sollte das Zentrum über die jüdische Religion informieren.

1985 gründeten die Stadt Würzburg und der Bezirk Unterfranken die Einrichtung in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde. 1987 wurde sie unter dem Namen „Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“ eröffnet. In der öffentlichen Darstellung wird das Zentrum auch als 1987 auf Initiative von David Schuster, dem damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, eingerichtet beschrieben.

Bis 2009 war das Zentrum eine Unterabteilung des Stadtarchivs Würzburg. Seit 2009 gehört es zum Referat Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken. Zunächst war es im Gebäude des jüdischen Altersheims untergebracht. Nach dessen Abriss zog es in den Neubau des jüdischen Gemeindezentrums Shalom Europa an gleicher Stelle.

2011 schlossen der Bezirk Unterfranken, die Stadt Würzburg und die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg einen neuen Kooperationsvertrag als öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft. In diesem Zusammenhang erhielt das Zentrum seinen heutigen Namen: Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken.

Namensgeberin Johanna Stahl

Namensgeberin des Zentrums ist Johanna Stahl (1895–1943). Sie war eine jüdische Journalistin der bürgerlichen Frauenbewegung. Während der NS-Verfolgungen engagierte sie sich in der Jüdischen Gemeinde Würzburg besonders intensiv in der Beratungs- und Sozialarbeit. Direkt nach ihrer Deportation wurde sie in Auschwitz ermordet.

Sammlungen, Bibliothek und Vermittlung

Das Archiv des JSZ verwahrt Quellen, Medien und Sammlungen zum jüdischen Leben in Unterfranken. Dazu gehören die Sammlung Schneeberger, Teile des Archivs der Jüdischen Gemeinde Würzburg und die Memmelsdorfer Genisa. Der digitale Bestand enthält außerdem Quellen und Abbildungen aus anderen Archiven sowie von Privatpersonen.

Die Fachbibliothek ist nach Angaben des Artikels die einzige Institution in Unterfranken, die grundlegend über das Judentum sowie über jüdische Geschichte und Kultur informiert. Schwerpunkte bilden Veröffentlichungen zur NS-Zeit und zur Geschichte der Juden in Süddeutschland.

Das Zentrum bot gelegentlich Ausstellungen an; deren Präsentation wurde 2022 eingestellt. Die Online-Angebote des JSZ und seiner Kooperationspartner unterstützen weiterhin die Informationsvermittlung und besonders die Erinnerungskultur. Sie arbeiten mit neuen Konzepten der Gedenkkultur und informieren über Menschen, die früher Nachbarn waren und durch den NS-Staat und seine Unterstützer vertrieben und ermordet wurden.

Leitung

Das Zentrum wurde zunächst von Hans-Peter Baum geleitet, der dieses Amt von 1987 bis 2009 innehatte. Auf ihn folgte Rotraud Ries (2009–2022), danach Riccardo Altieri (2022–2025). Seit 2025 ist Anna Novikov Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums.

Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Für seine Leistungen im Bereich einer fortschrittlichen Erinnerungskultur am DenkOrt Deportationen wurde das Johanna-Stahl-Zentrum gemeinsam mit dem Verein DenkOrt Deportationen e. V. 2021 mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Dazu gehörte der Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung.

Das JSZ gibt die Publikationsreihe „Schriften des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“ heraus. Zusätzlich veröffentlicht es Einzelbände zu Ausstellungen. Ältere Veröffentlichungen erschienen in den Reihen des Stadtarchivs Würzburg.

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