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International Certification of Digital Literacy
Das Zertifikat bescheinigt wesentliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die in einer digitalisierten Arbeitswelt zur Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Die ECDL- …
Inhalt6 Abschnitte
Zweck und internationale Organisation
Die International Certification of Digital Literacy (ICDL) ist ein international anerkanntes Informatik-Zertifikat. Es weist digitale Kenntnisse und Fähigkeiten nach, die in einer digitalisierten Arbeitswelt zur Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Das Programm hieß früher European Computer Driving License (ECDL), auf Deutsch „Europäischer Computerführerschein“. 2019 wurde es auch in Europa in ICDL umbenannt, inhaltlich aktualisiert und an die Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst. Bereits ausgestellte ECDL-Zertifikate bleiben gültig.
Das Programm wird seit 1997 angeboten und ist in über 100 Ländern verbreitet. Die internationale Koordination übernimmt die ICDL-Stiftung, eine Non-Profit-Organisation. Für die praktische Umsetzung sind nationale Zertifizierungsorganisationen zuständig.
Die Prüfungen sind international standardisiert und werden online durchgeführt. Seit dem weltweiten Ausbruch der COVID-19-Pandemie sind sie unter bestimmten Voraussetzungen auch mit Online-Beaufsichtigung möglich. Prüfling und Prüfer müssen dafür das Haus nicht verlassen. In Deutschland wurden solche Prüfungen in Fernaufsicht am 1. April 2020 zugelassen; innerhalb der ersten zwei Monate fanden mehr als 1000 davon statt.
Inhalte und internationaler Kompetenzrahmen
Die Inhalte und Lernzielkataloge der ICDL-Module orientieren sich an DigComp 2.0, dem Europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen. Dieser wurde von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission entwickelt und wird dort weiterentwickelt. Sein Kompetenzraster beschreibt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Bürger in einer digitalen Lebens- und Arbeitswelt benötigen.
Die ICDL-Stiftung nutzt diesen Referenzrahmen zur Entwicklung der europaweit und weltweit standardisierten Lerninhalte. Dadurch decken die ICDL-Module einen wichtigen Teil der in DigComp festgelegten Kompetenzen ab.
In der im Juni 2018 veröffentlichten UNESCO-Studie „A Global Framework of Reference on Digital Literacy Skills for Indicator“ wurde ICDL als relevantestes Zertifikat zum Nachweis digitaler Kompetenzen ermittelt. Ein Bericht der Europäischen Stiftung für Berufsbildung, der European Training Foundation (ETF), verglich 2018 die Inhalte der ICDL-/ECDL-Module mit den von DigComp geforderten Kompetenzen. Er bezeichnete ECDL als eine der weltweit erfolgreichsten Initiativen und als weltweit führenden Zertifizierungsprozess für Computerkenntnisse.
Module und produktneutrale Prüfungen
Das ICDL-Programm ist modular aufgebaut. Jedes Modul besitzt einen international standardisierten Lernzielkatalog, den sogenannten Syllabus. Er führt alle Inhalte auf, die in der Prüfung des jeweiligen Moduls vorkommen können, und wird regelmäßig angepasst und aktualisiert.
Die Module gehören zu zwei Kategorien:
• „ICDL Workforce“ umfasst branchenunabhängige digitale Fähigkeiten, die im modernen Arbeitsumfeld erforderlich sind.
• „ICDL Professional“ behandelt spezielle digitale Inhalte sowie fortgeschrittene Fähigkeiten und Kenntnisse. Je nach Branche und Spezialisierung können passende Module für die Zertifizierung ausgewählt werden.
Die Module und Lernzielkataloge sind produktneutral formuliert. Sie sind also nicht an einen bestimmten Softwarehersteller oder eine bestimmte Programmversion gebunden, sondern auf Kompetenzen ausgerichtet. Bei anwendungsbezogenen Modulen können Prüflinge zwischen Prüfungen mit Microsoft-Produkten, OpenOffice oder LibreOffice wählen.
Umsetzung in Deutschland und der Schweiz
In Deutschland ist seit Beginn des Programms die DLGI mbH für die nationale Umsetzung verantwortlich. Sie wurde als Ableger der Gesellschaft für Informatik gegründet. Unter den Vorgaben der internationalen ICDL-Stiftung entwickelt sie die Inhalte weiter und akkreditiert die nationalen Testzentren. In Deutschland gibt es etwa 1600 akkreditierte ICDL-Testzentren, darunter Unternehmen, Organisationen, Hochschulen, Schulen und Weiterbildungsträger.
Zu den genannten Testzentren zählen das Bundesinstitut für Berufsbildung, die Hochschule Mainz, die Fachhochschule Dortmund und das Pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Letzteres bietet das Programm in größerem Umfang auch für Lehrkräfte an. Beim Medizintechnikhersteller B. Braun Melsungen ist ICDL ein fester Bestandteil der IT-Qualifikation in der Ausbildung. Jährlich betrifft dies etwa 120 Auszubildende am Standort Melsungen. Zertifiziert werden dort unter anderem Kompetenzen in Tabellenkalkulation, IT-Sicherheit und Datenschutz.
In der Schweiz wird weiterhin die Abkürzung ECDL verwendet, dort nun ausgeschrieben als „European Certificate of Digital Literacy“. Am 1. Januar 2020 gingen die Tätigkeiten von ECDL Schweiz von PSI Services LLC auf die Digital Literacy AG in Basel über.
Bedeutung für Ausbildung und Bewerbung
Die Lerninhalte und Prüfungen richten sich sowohl an Berufsschüler und andere Schüler als auch an Erwachsene. Das Zertifikat soll vorhandene digitale Kompetenzen nachweisbar machen und kann deshalb in der Berufsvorbereitung und Weiterbildung eingesetzt werden.
Eine Untersuchung des Wolfgang-Schulenberg-Institutes für Bildungsforschung und Erwachsenenbildung an der Universität Oldenburg prüfte die Bedeutung eines ECDL-/ICDL-Zertifikats bei Bewerbungen. 66 % der Schüler mit Zertifikat wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, gegenüber 43 % der Schüler ohne Zertifikat. Dieser Unterschied war statistisch signifikant, also nach den Maßstäben der Untersuchung nicht als bloßer Zufall zu bewerten. 42 % der Schüler mit Zertifikat wurden während des Vorstellungsgesprächs darauf angesprochen.
Barrierefreie Teilnahme
ECDL-/ICDL-Prüfungen können barrierefrei abgelegt werden. Das Angebot gilt für sehbehinderte und blinde, hörbehinderte und gehörlose sowie in Mobilität oder Bewegungsfreiheit eingeschränkte Menschen. Es richtet sich außerdem an Personen mit Lernschwierigkeiten wie Legasthenie oder Dyskalkulie, also einer Lese- oder Rechenschwäche.
Die Betroffenen dürfen unterstützende Techniken und Technologien einsetzen, um Einschränkungen auszugleichen. Genannte Beispiele sind Screenreader, Spezialtastaturen und Kopfmäuse. Gehörlose Prüflinge können von einem Gebärdensprachdolmetscher begleitet werden. Wie bei anderen Abschluss- oder Zwischenprüfungen ist außerdem ein Nachteilsausgleich durch eine verlängerte Prüfungszeit möglich.