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Har Rai

Januar 1630 bis 6. Oktober 1661) verehrt als siebter Nanak, war der siebte von zehn Gurus der Sikh-Religion. ... Guru Har Rai im Jahr 1661 der achte Guru.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Leben und Familie
  3. 3. Konflikt um Dara Shikoh und Aurangzeb
  4. 4. Religiöse Praxis und Organisation
  5. 5. Natur, Medizin und mögliche Schrift
  6. 6. Tod, Nachfolge und Vermächtnis

Einordnung und Bedeutung

Guru Har Rai (Gurmukhi: ਗੁਰੂ ਹਰਿ ਰਾਇ; 16. Januar 1630 bis 6. Oktober 1661) war der siebte von zehn Gurus der Sikh-Religion und wird als siebter Nanak verehrt. Er wurde am 3. März 1644 im Alter von 14 Jahren Sikh-Führer, nachdem sein Großvater Guru Hargobind, der sechste Guru, gestorben war. Er leitete die Sikhs etwa siebzehn Jahre lang bis zu seinem Tod im Alter von 31 Jahren.

Für das Verständnis seiner Rolle ist wichtig, dass er die von Guru Hargobind aufgebaute große Armee von Sikh-Soldaten beibehielt, aber militärische Konflikte vermied. Er steht außerdem für die Bewahrung der Sikh-Schriften und der Autorität des Gurus: Als sein älterer Sohn Ram Rai einen Vers des Adi Granth veränderte, um Aurangzeb zu besänftigen, exkommunizierte Guru Har Rai ihn und bestimmte seinen jüngeren Sohn Har Krishan zum Nachfolger.

In einigen Sikh-Texten wird sein Name als Hari Rai geschrieben. Manche moderne Sikhs nennen ihn wegen seiner Sensibilität für die natürliche Welt den „Grünen Guru“.

Leben und Familie

Guru Har Rai wurde als Sohn von Ananti, auch Nihal genannt, und Baba Gurditta in einem Sodhi- beziehungsweise Khatri-Haushalt geboren. Sein Vater starb, als Har Rai 8 Jahre alt war. Im Jahr 1640, im Alter von 10 Jahren, heiratete er Mata Kishan Devi, die manchmal auch Sulakhni genannt wird und die Tochter von Daya Ram war. Sie hatten eine Tochter, Rup Kaur, und zwei Söhne, Ram Rai und Har Krishan. Har Krishan wurde später der achte Guru.

Innerhalb der Familie gab es Spannungen um die Führung der Sikh-Gemeinschaft. Har Rais älterer Bruder Dhir Mal wurde von Shah Jahan unterstützt, erhielt kostenloses Land und wurde von den Moguln gefördert. Dhir Mal versuchte, eine parallele Sikh-Tradition aufzubauen, und kritisierte Guru Hargobind. Guru Hargobind war damit nicht einverstanden und ernannte den jüngeren Har Rai zu seinem Nachfolger.

Die authentische Literatur über Leben und Zeit Guru Har Rais ist nach dem Artikel selten. Er hinterließ keine eigenen gesicherten Texte. Einige spätere Sikh-Texte schreiben seinen Namen als „Hari Rai“, und Biographien aus dem 18. Jahrhundert sowie Sikh-Literatur des 19. Jahrhunderts gelten in diesem Zusammenhang als spätere Quellen.

Konflikt um Dara Shikoh und Aurangzeb

Guru Har Rai unterstützte Dara Shikoh, den gemäßigten und von Sufis beeinflussten Sohn Shah Jahans, während Dara Shikoh mit seinem Bruder Aurangzeb um die Thronfolge im Mogulreich kämpfte. Aurangzeb wird im Artikel als konservativ und sunnitisch beeinflusst beschrieben. Guru Har Rai soll Dara Shikoh medizinisch versorgt haben, möglicherweise nachdem dieser von Moguln vergiftet worden war. Nach Mogul-Aufzeichnungen unterstützte er ihn auch auf andere Weise.

Aurangzeb gewann 1658 den Thronfolgekrieg, ließ Dara Shikoh verhaften und wegen Apostasie vom Islam hinrichten. Im Jahr 1660 ließ er Guru Har Rai vorladen, damit dieser seine Beziehung zu Dara Shikoh erklärte. In der Sikh-Tradition wird erzählt, Guru Har Rai sei gefragt worden, warum er einem Mogulprinzen geholfen habe, dessen Vorfahren Sikhs und Sikh-Gurus verfolgt hatten. Er soll geantwortet haben, wenn ein Mann mit einer Hand Blumen pflücke und sie mit der anderen verschenke, erhielten beide Hände denselben Duft.

Guru Har Rai ging nicht selbst zu Aurangzeb, sondern schickte seinen älteren Sohn Ram Rai als Vertreter. Aurangzeb hielt den 13-jährigen Ram Rai als Geisel fest und befragte ihn zu einem Vers im Adi Granth, dem heiligen Text der Sikhs zu jener Zeit. Aurangzeb behauptete, der Vers verunglimpfe Muslime. Ram Rai änderte die Bedeutung des Verses, um Aurangzeb zu beschwichtigen. Guru Har Rai sah darin ein Abweichen von der Sikh-Schrift, exkommunizierte Ram Rai und ernannte Har Krishan zum nächsten Guru.

Religiöse Praxis und Organisation

Guru Har Rai prägte mehrere Traditionen des öffentlichen Singens und der Rezitation von Schriften im Sikhismus. Zur sabad-kirtan-Tradition, also dem Singen religiöser Hymnen, fügte er Katha hinzu: Rezitationen und Auslegungen im Stil eines Diskurses. Außerdem führte er akhand kirtan ein, das kontinuierliche Singen von Schriften, sowie jotian da kirtan, ein kollektives volkstümliches Chorsingen von Schriften.

Auch organisatorisch war seine Führung wichtig. Frühere Gurus hatten Strukturen aufgebaut, die die Sikh-Gemeinschaft stärkten. Guru Amar Das hatte Manji eingeführt, also Zonen religiöser Verwaltung mit ernannten Leitern, den sangatias. Außerdem gab es das dasvandh-System, den „Zehnten“ des Einkommens als Abgabe im Namen des Gurus und als gemeinsame religiöse Ressource der Gemeinschaft. Die langar-Tradition bedeutete, dass jeder Mensch ohne Diskriminierung eine kostenlose Mahlzeit in einer Sitzgemeinschaft erhalten konnte.

Zur Zeit Guru Har Rais wurden diese Strukturen durch innere Spaltungen gefährdet. Einige Masands, also lokale Gemeindeleiter und Spendensammler, standen unter dem Einfluss von Dhir Mal und der Mogulverwaltung. Sie versuchten, die Sikhs in konkurrierende Bewegungen aufzuteilen und ein paralleles Guruship zu errichten. Guru Har Rai musste daher die Sikh-Gemeinschaft zusammenhalten. Er ernannte neue Masands, darunter Bhai Jodh, Bhai Gonda, Bhai Nattha, Bhagat Bhagwan für Ostindien, Bhai Pheru für Rajathan und Bhai Bhagat, auch Bairagi genannt, zu Oberhäuptern der Manjis.

Natur, Medizin und mögliche Schrift

Guru Har Rai wird in der Sikh-Tradition stark mit Naturverbundenheit und Umweltverantwortung verbunden. Er lehrte, dass Sikhs sich um die Umwelt kümmern sollten. Eine traditionelle sakhi, also eine lehrhafte Erzählung, berichtet, dass er als Jugendlicher in einem Garten versehentlich mit seinem Gewand eine Blume abbrach. Aus Reue soll er danach sein Leben lang darauf geachtet haben, beim Gehen seine Kleidung so zu halten, dass keine Pflanzen beschädigt wurden. Diese Geschichte soll seine Sensibilität gegenüber der Flora zeigen.

Er soll sich wie frühere Gurus an der Jagd beteiligt haben, aber die gejagten Tiere nicht getötet, sondern in einem Zoo in Kiratpur gehalten haben. In Kiratpur soll er außerdem den Naulakha Bagh gegründet und gepflegt haben, einen traditionellen Sikh-Garten, dessen Name „Garten der 900.000 Pflanzen“ bedeutet. Er enthielt viele medizinische Pflanzenarten. Eine Überlieferung erzählt, dass Dara Shikoh nach einer Vergiftung durch Tigerbarthaare schwer krank war und Shah Jahans Behandlungen nicht halfen. Guru Har Rai sandte Heilpflanzen, um Dara Shikoh zu behandeln. Der Artikel deutet dies als Zeichen seines Mitgefühls trotz der Feindseligkeit zwischen Shah Jahan und den Sikhs.

Zur Frage eigener Schriften ist die Überlieferung unsicher. Nach allgemeiner Sikh-Überzeugung trugen Guru Hargobind, Guru Har Rai und Guru Harkrishan nichts zu einem Bani bei, also zu einer heiligen Komposition. Es wird aber behauptet, Guru Har Rai habe eine Komposition namens Salok Mahalla Satvaan geschrieben. Diese steht in der Kiratpuri Bir des Guru Granth Sahib und ist als Komposition Guru Har Rais gekennzeichnet. Da aber auch der siebte Mina-Guru Miharban diese Markierung verwendete und andere Texte Guru Har Rai nicht als Autor eines Bani nennen, kann der Salok nicht sicher Guru Har Rai zugeschrieben werden.

Tod, Nachfolge und Vermächtnis

Vor seinem Tod ernannte Guru Har Rai seinen fünfjährigen jüngsten Sohn Har Krishan zum achten Guru der Sikhs. Har Krishan wurde nach Guru Har Rais Tod im Jahr 1661 Guru.

Sein Vermächtnis wird besonders mit Naturverantwortung verbunden. Im Jahr 2011 wurde der 14. März als Datum für den Sikh-Umwelttag gewählt, weil dies der Jahrestag von Guru Har Rais gurgaddi war, also seines Aufstiegs zum Guru. Im Jahr 2013 bezeichnete der Präsident von EcoSikh ihn in einer Pressemitteilung als „grünen Guru“ und betonte seine enge Verbindung mit der Natur.

In der Populärkultur wurde EcoSikh 2013 ein Gemälde von Rahi Mohinder Singh geschenkt, das Guru Har Rai zeigt, wie er einem Bittsteller einen Baum zum Pflanzen übergibt. Der Artikel weist aber darauf hin, dass der dargestellte Baum ein Eukalyptus ist, also eine nicht einheimische Art, die zu Guru Har Rais Lebzeiten dort nicht vorkam. Dadurch ist das Gemälde anachronistisch.

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