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Hans-Ulrich Prokosch

Hans-Ulrich „Ulli“ Prokosch (* 20. Februar 1958 in Aßlar) ist ein deutscher Medizininformatiker und Hochschullehrer. Er war von 2003 bis 2025 Professor für …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Digitale Krankenhaus- und Forschungsinfrastrukturen
  4. 4. Fachgesellschaften und Ämter
  5. 5. Wissenschaftliche Schwerpunkte
  6. 6. Ehrung

Überblick

Hans-Ulrich „Ulli“ Prokosch (* 20. Februar 1958 in Aßlar) ist ein deutscher Medizininformatiker und Hochschullehrer. Medizininformatik beschäftigt sich mit der Verarbeitung, Speicherung und Nutzung medizinischer Daten, zum Beispiel in Krankenhäusern und in der Forschung. Prokosch war von 2003 bis 2025 Professor für Medizinische Informatik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und zugleich langjähriger Chief Information Officer (CIO) des Universitätsklinikums Erlangen. Ein CIO ist für zentrale Fragen der Informationstechnik einer Organisation verantwortlich.

Sein wichtigstes Arbeitsfeld ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Besonders bedeutend ist seine Arbeit zur Nutzung medizinischer Versorgungsdaten für die Forschung. Solche Daten entstehen im normalen Krankenhausbetrieb und können, wenn sie geeignet aufbereitet und geschützt werden, zusätzlich für wissenschaftliche Fragestellungen genutzt werden. Dieser Ansatz wird im Artikel als „Secondary Use“ oder „Single Source Approach“ beschrieben.

Ausbildung und beruflicher Weg

Prokosch machte 1976 in Wetzlar Abitur und studierte anschließend Mathematik an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Das Studium schloss er 1981 mit dem Diplom ab. Von 1982 bis 1984 leistete er Zivildienst im Tumorzentrum des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort entstand der Kontakt zu Joachim Dudeck, seinem langjährigen akademischen Mentor, der ihn an das Institut für Medizinische Informatik der JLU Gießen holte. Dort war Prokosch von 1994 bis 2003 in verschiedenen Positionen tätig, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Hochschulassistent. Ab 1982 unterrichtete er außerdem nebenberuflich an der Schule für Medizinische Dokumentation Gießen.

Von 1987 bis 1988 war Prokosch zu einem Forschungsaufenthalt am LDS Hospital Salt Lake City an der University of Utah bei Paul Clayton. Das LDS Hospital verfügte damals mit dem HELP System über eines der weltweit fortschrittlichsten Krankenhausinformationssysteme. Ein Krankenhausinformationssystem ist ein digitales System, das medizinische und organisatorische Abläufe im Krankenhaus unterstützt. Das HELP System enthielt auch Funktionen zur Entscheidungsunterstützung für Ärztinnen und Ärzte. In den USA lernte Prokosch unter anderem Dean Sittig, Jim Cimino und George Hripcsak kennen, die seine weitere wissenschaftliche Arbeit beeinflussten.

1988 wurde Prokosch am Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen mit der Dissertationsschrift „Entwicklung eines Onkologischen Informationssystems innerhalb des Klinikinformationssystems HELP“ zum Doktor der Humanbiologie promoviert. Von 1988 bis 1994 leitete er am Universitätsklinikum Gießen die Eigenentwicklung des klinischen Arbeitsplatzsystems WING, ausgeschrieben „Wissensbasiertes INformationsnetz am Gießener Klinikum“. 1989 nahm er am Arden Homestead Retreat teil und wirkte an der Entwicklung der späteren HL7-Standard-Arden-Syntax mit, die für wissensverarbeitende Systeme in der Medizin genutzt wird. 1994 habilitierte er sich mit der Schrift „Ein Referenzmodell für den Einsatz wissensbasierter und wissensverarbeitender Funktionen innerhalb eines Krankenhaus-Informationssystems“ und erhielt die Venia Legendi der Justus-Liebig-Universität für Medizinische Informatik.

1995 nahm Prokosch den Ruf auf eine C3-Professur für Medizinische Informatik an der Universität Münster an. Gleichzeitig übernahm er die Leitung der Stabsstelle Medizinische Informationsverarbeitung am Universitätsklinikum Münster. Dort gehörten Auswahl, Gestaltung und Ausbau des Krankenhausinformationssystems zu seinen Aufgaben. 2003 wechselte er auf eine C4-Professur für Medizinische Informatik und übernahm die Leitung des gleichnamigen Lehrstuhls an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Damit verbunden war die Position des CIO am Universitätsklinikum Erlangen. Prokosch emeritierte am 1. April 2025, wirkt aber weiter als Präsident der Fachgesellschaft GMDS.

Digitale Krankenhaus- und Forschungsinfrastrukturen

In Erlangen verband Prokosch seine Professur mit der Leitung zentraler IT-Aufgaben am Universitätsklinikum. Durch diese Doppelfunktion konnte er IT-Strukturen zentralisieren und vereinheitlichen. Außerdem wurde die IT für die medizinische Versorgung enger mit der IT für Forschung verbunden. Dadurch nahm das Universitätsklinikum Erlangen laut Artikel eine Vorreiterrolle bei Forschungsdateninfrastrukturen ein.

Besonders wichtig war dabei die Nutzung von Routinedaten für die Forschung. Routinedaten sind Daten, die im normalen Ablauf der medizinischen Versorgung entstehen, zum Beispiel in elektronischen Krankenakten oder Krankenhausinformationssystemen. Wenn solche Daten systematisch bereitgestellt werden, können sie Forschenden helfen, medizinische Fragen zu untersuchen, ohne dass alle Daten neu erhoben werden müssen.

Die wissenschaftlichen Arbeiten und praktischen Erfahrungen aus Erlangen bildeten eine wesentliche Grundlage für die Architektur der Datenintegrationszentren im Konsortium MIRACUM. Datenintegrationszentren sind Einrichtungen oder Strukturen, die medizinische Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen, standardisieren und für Forschung nutzbar machen. Auch das MIRACULIX-Toolkit im Rahmen der Medizininformatik-Initiative beruhte auf diesen Erfahrungen. Die Medizininformatik-Initiative unterstützt in Deutschland die bessere Nutzung medizinischer Daten für Versorgung und Forschung.

Fachgesellschaften und Ämter

Prokosch war oder ist in mehreren nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Gremien aktiv. Besonders wichtig ist seine Rolle in der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS). Seit 1998 war er regelmäßig Mitglied im Vorstand, unter anderem als Sprecher des Fachausschusses Medizinische Informatik oder als Beisitzer des Präsidiums. Von 2023 bis 2025 war er President Elect der GMDS; ab Oktober 2025 ist er Präsident der GMDS. Außerdem gründete er in der GMDS die Arbeitsgruppe „Nutzung von elektronischen Patientenakten für die klinische Forschung“.

Weitere Funktionen betreffen die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung, in deren Vorstand er von 2006 bis 2010 Mitglied war. International war er langjährig in Arbeitsgruppen der International Medical Informatics Association tätig, darunter WG 9 Health Informatics for Developing Countries, WG 10 Hospital Information Systems und WG 13 Organizational Impact of Medical Informatics. Außerdem war er langjähriges Mitglied bei ASTM International.

In der Medizininformatikinitiative (MII) war Prokosch Mitglied im Nationalen Steuerungsgremium (NSG). Er war Initiator und Konsortialleiter des MIRACUM-Konsortiums ab 2016. Außerdem war er Mitglied der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der DFG von 2008 bis 2013.

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Prokoschs wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf Informations- und Wissensverarbeitung im Krankenhaus. Informationsverarbeitung bedeutet hier die strukturierte Erfassung, Speicherung, Verbindung und Nutzung medizinischer Daten. Wissensverarbeitung meint Systeme, die medizinisches Wissen digital abbilden und zum Beispiel bei Entscheidungen unterstützen können.

Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung und Evaluation von Informationssystemen im Krankenhaus. Evaluation bedeutet, dass untersucht wird, ob ein System seinen Zweck erfüllt und wie gut es funktioniert. Prokosch konzentrierte sich dabei auf die Integration von Systemen und Funktionen, damit Versorgungsprozesse und administrative Prozesse im Krankenhaus unterstützt werden. Dazu gehörten auch einheitliche Anbindungen diagnostischer Funktionsstellen und klinischer Spezialbereiche sowie die Verbesserung und Standardisierung der strukturierten elektronischen Krankenakte.

Ein zweiter Schwerpunkt sind wissensbasierte Systeme in der Medizin. Solche Systeme nutzen formalisiertes medizinisches Wissen, um medizinische Abläufe zu unterstützen. Prokosch wirkte an der Entwicklung und Implementierung wissensbasierter Systeme mit, unter anderem mit dem Standard Arden-Syntax. Im Artikel werden Entscheidungsunterstützung, Unterstützung der Patientenrekrutierung für Studien und smarte Alarme im Bereich der Intensivmedizin genannt.

Ein dritter Schwerpunkt ist die Nutzung von Routinedaten für die Forschung. Mit nationalen und internationalen Projekten wie Electronic Health Records for Clinical Research (EHR4CR) und besonders MIRACUM trug Prokosch wesentlich dazu bei, Routinedaten aus Krankenhäusern einrichtungsübergreifend für Forschung nutzbar zu machen. Er initiierte und gründete eine GMDS-Arbeitsgruppe zur Wiederverwendung von Routinedaten für die Forschung, also zum Secondary Use, und führte das erste deutsche Treffen von I2B2-Nutzern durch, aus dem die I2B2-Nutzergruppe hervorging. Seine ORCID-ID lautet 0000-0001-6200-753X.

Ehrung

Als besondere internationale Anerkennung nennt der Artikel die Ehrenmitgliedschaft als International Fellow of the American College of Medical Informatics. Diese Auszeichnung verweist auf Prokoschs Bedeutung innerhalb der medizinischen Informatik über Deutschland hinaus.

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