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Gustav Scheu
Gustav Scheu (* 7. Oktober 1875 in Wien, Österreich-Ungarn; † 9. März 1935 ebenda) war Rechtsanwalt in Wien und kurze Zeit auch Wiener Stadtpolitiker.
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Überblick
Gustav Scheu (* 7. Oktober 1875 in Wien, Österreich-Ungarn; † 9. März 1935 in Wien) war ein Wiener Rechtsanwalt und für kurze Zeit sozialdemokratischer Stadtpolitiker. Politisch wirkte er in der Übergangszeit von der Monarchie zur demokratischen Republik und war an wichtigen Veränderungen der Wiener Stadtordnung beteiligt.
Politische Tätigkeit
Im Dezember 1918 wurde Scheu für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) nicht gewähltes Mitglied des provisorischen Wiener Gemeinderats. Dieses Übergangsgremium ergänzte den bisherigen, nach dem Kurienwahlrecht nur von Männern gewählten Gemeinderat um Parteien, die zuvor kaum Chancen auf Vertretung gehabt hatten. Es amtierte bis Mai 1919.
Bei der Gemeinderatswahl am 4. Mai 1919 durften erstmals alle erwachsenen Wienerinnen und Wiener mit Staatsbürgerschaft wählen. Scheu wurde für den 16. Bezirk, Ottakring, in den Gemeinderat gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion bestimmte ihn außerdem zum Mitglied des 30-köpfigen Stadtrats, der damals als Exekutivausschuss des Gemeinderats tätig war.
Nach einer Änderung des Wiener Stadtstatuts wurde dieser Stadtrat am 1. Juni 1920 durch den Stadtsenat Reumann ersetzt. Scheu gehörte dem neuen Gremium nicht an, womit seine Tätigkeit als Stadtrat endete. Mitglied des Gemeinderats blieb er jedoch bis 1923. Ab dem 10. November 1920 fungierte der Gemeinderat aufgrund der neuen Bundesverfassung zugleich als Wiener Landtag. Scheu wirkte an der Beschlussfassung über die Verfassung für Stadt und Land Wien mit, die am 18. November 1920 in Kraft trat.
Familie und Haus Scheu
Scheu war ein Sohn Josef Scheus, des 1904 verstorbenen Gründers der österreichischen Arbeitersängerbewegung. Seit 1904 war er mit der Wiener Journalistin und Verlegerin Helene Riesz verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder: Friedrich Scheu (* 1905), der von 1954 bis 1972 Außenpolitikredakteur der Wiener Arbeiter-Zeitung und Buchautor war, sowie Elisabeth (* 1912; † 2011), die in Wien und am Massachusetts Institute of Technology Architektur studierte und in den USA als Architektin bekannt wurde.
1912/1913 ließ Gustav Scheu nach einem Entwurf von Adolf Loos die als Haus Scheu bekannte Villa in der Larochegasse 3 im 13. Wiener Gemeindebezirk errichten. Dort führte Helene Scheu-Riesz einen Salon, den unter anderem Alban Berg, Oskar Kokoschka und Adolf Loos besuchten.
Beruf und spätere Jahre
Scheu arbeitete als Rechtsanwalt. Seine Kanzlei befand sich 1910 in der Mariahilfer Straße 8; 1920 und 1930 war sie im Heinrichshof am Opernring 3 gegenüber der Wiener Staatsoper eingetragen.
Am 4. September 1928 übernahm Scheu die Verteidigung Adolf Loos’ in einem Strafverfahren wegen des „Verbrechens der teils vollbrachten, teils versuchten Schändung; teils vollbrachten, teils versuchten Verführung zur Unzucht“. Er zog weitere Rechtsanwaltskanzleien hinzu. Loos wurde rechtskräftig wegen Verführung zur Unzucht bedingt zu vier Monaten strengen Arrests verurteilt.
Am 12. Februar 1934 verbot die Diktaturregierung Dollfuß die Sozialdemokratische Partei. Gustav Scheu starb im folgenden Jahr. Seine Urne wurde am 18. März 1935 im Urnenhain der Feuerhalle Simmering in Wien bestattet. Später wurden dort auch seine Witwe Helene, sein Sohn Friedrich und dessen Frau Herta beigesetzt.