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Französische Rechtschreibreform von 1990

Die neuen Regeln im Einzelnen. Bearbeiten. Pluralbildung. Einzelne Wörter bilden einen regelmäßigen Plural auf -s: les scénarios (alt: les scénarii), les après …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Veröffentlichung
  3. 3. Die wichtigsten neuen Schreibungen

Gegenstand und Bedeutung

Die französische Rechtschreibreform von 1990, französisch Rectification de l'orthographe du français, ist ein Katalog von Empfehlungen zu bestimmten Schreibungen des Französischen. Er wurde in den Jahren 1989 und 1990 erarbeitet und verfolgt vor allem das Ziel, überflüssige Ausnahmen abzubauen und Schreibungen stärker an bestehenden Mustern oder an der Aussprache auszurichten.

Die Änderungen sind nicht verpflichtend. In der täglichen Praxis, etwa in Presse, Medien, Belletristik, Schulen und Universitäten, werden sie kaum angewendet. Deshalb bestehen bei vielen Wörtern weiterhin die traditionelle und die empfohlene neue Schreibweise nebeneinander. Für Dokumente in der neuen Rechtschreibung wurde außerdem ein Logo geschaffen; auch dieses wird kaum verwendet.

Entstehung und Veröffentlichung

Nach mehreren Reformansätzen im Laufe des 20. Jahrhunderts beauftragte der damalige französische Premierminister Michel Rocard 1989 den Conseil supérieur de la langue française („Oberster Rat der französischen Sprache“) mit Reformvorschlägen. In diesem Rat arbeiteten namhafte Experten der französischen Sprache mit, darunter nicht nur Franzosen, sondern auch französischsprachige Belgier und Kanadier.

Der Rat legte seine Empfehlungen im Juni 1990 vor. Nach verschiedenen Konsultationen veröffentlichte die französische Regierung sie im Dezember 1990. 1991 wurden die neuen Regelungen im Journal officiel de la République française, dem Gesetzblatt Frankreichs, verkündet.

Die wichtigsten neuen Schreibungen

Die Reform betrifft mehrere Bereiche:

  • Pluralbildung: Einige Wörter erhalten einen regelmäßigen Plural auf -s. Beispiele sind les scénarios statt les scénarii, les après-midis statt les après-midi und les matchs statt les matches.

  • Zahlwörter: Alle Bestandteile einer Zahl werden mit Bindestrichen verbunden. Es heißt beispielsweise trois-cents statt trois cents sowie dix-mille-neuf-cent-quatre-vingt-deux statt dix mille neuf cent quatre-vingt-deux.

  • Accent circonflexe: Der häufig etymologisch begründete Zirkumflex auf i und u entfällt in vielen Fällen: paraitre statt paraître und cout statt coût. In bestimmten Verbformen bleibt er erhalten, etwa im passé simple nous vînmes und vous eûtes sowie im imparfait du subjonctif qu'il dût und qu'elle fît. Außerdem dient er weiterhin der Bedeutungsunterscheidung, beispielsweise bei sûr („sicher“) gegenüber sur („auf“).

  • Trema: In den Verbindungen -gui- und -gue- wird das Trema auf das u vorgezogen. Die neuen Schreibungen lauten aigüe und ambigüité; traditionell schrieb man aiguë und ambiguïté.

  • Bindestrich und Zusammenschreibung: Einige Komposita werden zu einem Wort verschmolzen. So wird portemonnaie statt porte-monnaie geschrieben, analog zu portefeuille.

  • Verben auf -eler und -eter: Ihre Konjugation folgt grundsätzlich dem Muster acheter > il achète. Daher heißt es amonceler > il amoncèle statt il amoncelle. Ausgenommen sind appeler und jeter sowie ihre Ableitungen, zum Beispiel rappeler, épeler und rejeter. Bei ihnen wird der letzte Konsonant in bestimmten Formen verdoppelt, etwa in il appelle.

  • Einzelne Anpassungen: Manche Schreibungen werden an vorhandene Muster oder an die Aussprache angeglichen. Beispiele sind évènement statt événement, ognon statt oignon, dissout statt dissous und assoir statt asseoir; bei assoir wird auf il s'assoit Bezug genommen.

  • Fremdwörter: Einige Lehnwörter erhalten einen Akzent, der ihre Aussprache kennzeichnet. Ein Beispiel ist révolver statt revolver.

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