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Ernährungswissenschaft
Ernährungswissenschaft. Naturwissenschaft, die sich mit den Grundlagen, der Zusammensetzung und der Wirkung der Ernährung befasst. Artikel · Diskussion.
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Gegenstand und Abgrenzung
Ernährungswissenschaft ist eine Naturwissenschaft. Sie untersucht Grundlagen, Zusammensetzung und Wirkung der Ernährung und liegt zwischen Medizin und Biochemie. Mit naturwissenschaftlichen Methoden erforscht sie Vorgänge der Ernährung, Verdauung und des Stoffwechsels, besonders beim Menschen, aber auch bei Pflanzen und Tieren.
Sie unterscheidet sich von der Ökotrophologie, der kombinierten Haushalts- und Ernährungswissenschaft: Während diese auch Haushaltsaspekte einbezieht, konzentriert sich die Ernährungswissenschaft auf die naturwissenschaftliche Untersuchung dieser Vorgänge.
Entwicklung des Fachs
Bevor Ernährungswissenschaft ein eigenes Lehr- und Studienfach wurde, arbeiteten vor allem Chemiker auf diesem Gebiet. Sie untersuchten die chemische Zusammensetzung der Nahrung sowie Bedarf und Verwertung von Nahrungsbestandteilen im Stoffwechsel. Seit dem 19. Jahrhundert galten Protein, Fett, Kohlenhydrate und einige Mineralstoffe als Hauptbestandteile der menschlichen Ernährung. Die Ernährungsqualität wurde an der Zufuhr von Nahrungsenergie gemessen; bei Tieren und Pflanzen zusätzlich am wirtschaftlichen Ertrag.
Die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts werden als „Vitamin-Ära“ bezeichnet. 1926 wurde Thiamin als erstes Vitamin isoliert und chemisch definiert. 1932 folgten die Isolierung von Vitamin C und der erste wissenschaftliche Nachweis seiner unterstützenden Wirkung gegen Skorbut.
An der Universität London entstanden in den 1950er Jahren auf Betreiben von John Yudkin die Abschlüsse Bachelor of Science und Master of Science in Ernährungswissenschaft. In Deutschland wurde am 23. Februar 1951 an der Hochschule Gießen das erste eigenständige „Institut für Ernährungswissenschaft“ eingerichtet. Nach Auseinandersetzungen um die Leitung bestanden dort später ein Institut I unter Hans-Diedrich Cremer und ein Institut II unter Karl Heinz Wagner. Wagners Institut wurde nach seiner Emeritierung am 31. März 1979 aufgelöst; im Laufe der Zeit richteten sieben weitere Universitäten ähnliche Einrichtungen ein.
Studium und Forschung
Das Fach wird weltweit an Hochschulen angeboten. Am Anfang des Studiums stehen meist Biologie, Chemie, Mathematik und Physik. Später folgen unter anderem anorganische Chemie, funktionelle Biologie, Biochemie und Genetik. Je nach Hochschule sind Spezialisierungen möglich, etwa in Spezieller Lebensmittelchemie, Ernährungsphysiologie, Lebensmittelrecht, Ernährungsmedizin oder Produktionstechnik. Laborübungen gehören ebenfalls dazu, besonders in Mikrobiologie und Experimentalphysik.
In Deutschland kann Ernährungswissenschaft an Universitäten und Fachhochschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten studiert werden; dazu zählen beispielsweise die Technische Universität Berlin, die Universitäten Bonn, Gießen, Hohenheim, Jena, Kiel, Lübeck, Potsdam und die TU München. In Österreich ist ein Studium an der Universität Wien möglich.
Im Wintersemester 2012/2013 waren laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 9505 Studierende in Bachelor- und Masterstudiengängen der Ernährungs- und Haushaltswissenschaften eingeschrieben. Das waren 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 28,4 Prozent waren im ersten Fachsemester, 16,2 Prozent männlich und 592 Studierende beziehungsweise 6,2 Prozent ausländisch.
Berufsfelder
Absolventinnen und Absolventen können Prozesse der Ernährungs- und Versorgungswirtschaft planen und lenken. Weitere Aufgaben sind Beratung in Ernährungsfragen, Verbraucherinformation sowie die Entwicklung und Beurteilung von Lebensmitteln, Geräten und Herstellverfahren. Sie können außerdem im Marketing entsprechender Produkte und Dienstleistungen arbeiten. Viele Ernährungswissenschaftler sind in Krankenhäusern oder in der pharmazeutischen Industrie tätig.