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Englische Ansage

Englische Ansage (auch Die englische Inhaltsangabe oder nur Inhaltsangabe) ist ein Ein-Personen-Sketch des deutschen Humoristen Loriot.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Grundidee
  2. 2. Handlung und sprachliche Komik
  3. 3. Entstehung und Erstausstrahlung
  4. 4. Aufbau der verschiedenen Fassungen
  5. 5. Einordnung und Interpretation

Gegenstand und Grundidee

„Englische Ansage“, auch „Die englische Inhaltsangabe“ oder „Inhaltsangabe“, ist ein Ein-Personen-Sketch des deutschen Humoristen Loriot. Eine Fernsehansagerin soll die Handlung einer englischen Krimiserie zusammenfassen, scheitert jedoch zunehmend an komplizierten englischen Personen- und Ortsnamen. Der Sketch verbindet dadurch eine beruflich verlangte, korrekte Ansage mit sprachlicher Überforderung und steigert einen kleinen Aussprachefehler zu einem immer größeren Durcheinander.

Handlung und sprachliche Komik

Die Ansagerin kündigt die achte Folge des 16-teiligen englischen Fernsehkrimis „Die zwei Cousinen“ an. Zuvor möchte sie die Handlung der ersten sieben Folgen zusammenfassen. Ihre Inhaltsangabe ist absurd, enthält zahlreiche Nebensächlichkeiten und führt viele schwer auszusprechende Namen ein. Zu den Figuren gehören die Cousinen Priscilla und Gwyneth Molesworth sowie Lord und Lady Hesketh-Fortescue und Lord Molesworth-Houghton. Schauplätze sind unter anderem Middle Fritham, Nether Addlethorpe und North Cothelstone Hall, der Landsitz der Hesketh-Fortescues.

Die Ansagerin bemüht sich, die englischen Namen möglichst genau auszusprechen. Dabei vermischt sie englische Phoneme, also einzelne bedeutungsunterscheidende Laute, zunehmend mit deutschen Wörtern. Den englischen th-Laut verwendet sie beispielsweise als „s“ („Schlipth“ statt „Schlips“), als „ts“ („nachth“ statt „nachts“), als „z“ („aufthuthuchen“ statt „aufzusuchen“) oder als „t“ („triffth“ statt „trifft“). Trotz der Fehler setzt sie ihren Vortrag fort, stottert immer stärker und wird zunehmend verzweifelt, bis sie die Ansage abbricht.

Entstehung und Erstausstrahlung

Zur Vorbereitung kontaktierte Loriot den Briten Timothy Moores, mit dem er bereits bei „Cartoon“ und der Einzelsendung „Loriots Telecabinet“ zusammengearbeitet hatte. Moores stellte eine Liste englischer Personen- und Ortsnamen zusammen, in denen „th“ und „s“ nah beieinander liegen. Aus diesen Namen entwickelte Loriot die Inhaltsangabe des erfundenen Fernsehkrimis.

Evelyn Hamann spielte die Fernsehansagerin. Während der Aufnahme konnte sie den Text ablesen, hatte ihn aber, wie für sie üblich, bereits auswendig gelernt. Die erste Ausstrahlung erfolgte im November 1977 in der vierten Folge der von Radio Bremen produzierten Reihe „Loriot“, die am 7. November 1977 erstmals in der ARD gesendet wurde.

Aufbau der verschiedenen Fassungen

In der ursprünglichen Fernsehsendung besteht der Sketch aus vier Teilen. Im ersten Teil verspricht sich die Ansagerin bereits im ersten Satz und bricht ab. Loriot kommentiert auf seinem grünen Sofa, man müsse wohl noch auf die achte Folge des Kriminalspiels verzichten. Der zweite Teil dauert über zwei Minuten; während der Ansage werden mehrfach Schwarzweißfotos eingeblendet, die die Handlung veranschaulichen sollen. Nach einem weiteren Scheitern folgt erneut ein kurzer Kommentar Loriots. Im dritten, kurzen Teil versucht die Ansagerin, an der abgebrochenen Stelle weiterzusprechen, scheitert jedoch wieder. Im vierten Teil, ursprünglich nach dem Abspann, beginnt sie von vorn, verspricht sich direkt am Anfang und schlägt wütend mit der Faust auf den Tisch.

In „Loriots 60. Geburtstag“ aus dem November 1983 wurde eine andere, ungefähr dem zweiten Teil entsprechende Fassung gezeigt. Die Versprecher unterscheiden sich teilweise. Diese Version erschien 1984 auf VHS in „Loriots Vibliothek“ und war bereits 1981 im Sammelband „Loriots Dramatische Werke“ veröffentlicht worden. In der Neuschnittfassung von „Loriot“ aus dem Jahr 1997 gehört der Sketch zur neunten Folge „Ein Menü mit englischer Zunge, Kalbshaxe, Badewanne und Politik“, die am 17. Juni 1997 ausgestrahlt wurde. Dort ist wieder die ursprüngliche Version mit vier Teilen enthalten; der letzte Teil steht jedoch vor dem Abspann.

Die DVD-Sammlung „Loriot – Die vollständige Fernseh-Edition“ von 2007 enthält den Sketch dreimal: in der Fassung aus „Loriot IV“, als Extra in der Fassung aus „Loriots 60. Geburtstag“ und als Lesung von Evelyn Hamann und Loriot. Diese Lesung entstand 1987 im Palast der Republik in Ost-Berlin. Weitere Veröffentlichungen erschienen auf Schallplatte, CD und in Büchern, darunter „Menschen, Tiere, Katastrophen“ (1992), „Das Frühstücksei“ (2003) und „Gesammelte Prosa“ (2006).

Einordnung und Interpretation

Der Sketch ähnelt „Parkgebühren“. In beiden Fällen scheitert eine von Evelyn Hamann dargestellte berufstätige Frau an ihrer sprachlichen Unflexibilität und an der Sprache, die ihr Beruf vorgibt. Die Fernsehansagerin verzweifelt an englischen Namen, während die Politesse in „Parkgebühren“ ihr Amtsdeutsch nicht verständlich einsetzen kann. Hamanns schauspielerische Leistung wurde in beiden Sketchen mehrfach als „brillant“ bezeichnet.

Ein weiteres Grundmuster besteht darin, dass sich ein kleiner Fehler trotz Korrekturversuchen zu einem großen Chaos entwickelt. Der Soziologe Hans-Georg Soeffner bezeichnet dieses Prinzip als „ästhetische Leitidee“ in Loriots Werk und nennt auch „Die Nudel“, „Der Lottogewinner“ und „Zimmerverwüstung“ als Beispiele.

„Englische Ansage“ gilt außerdem als Persiflage, also als überspitzte Nachahmung, der Durbridge-Filme. Diese mehrteiligen Kriminalfilme nach Drehbüchern des englischen Schriftstellers Francis Durbridge waren in den 1960er Jahren in Westdeutschland sehr populär. Vor jeder neuen Folge fasste eine Ansagerin die oft verworrene Handlung zusammen. „Die zwei Cousinen“ greift zugleich das Klischee eines von adeligen Verhältnissen geprägten Englands auf. Der Sketch kann außerdem als Parodie auf eine vermeintliche Weltläufigkeit verstanden werden: Einige Deutsche versuchen, englische Wörter besonders genau auszusprechen. Dieses Thema nahm Loriot später in „Pappa ante portas“ wieder auf, wenn Heinrich Lohse seiner Frau die englische statt der deutschen Fassung einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung vorliest.

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