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Die Puppenfee

Die Puppenfee ist ein pantomimisches Divertissement (Ballett) in einem Akt. Das Libretto verfassten Joseph Haßreiter und Franz Xaver Gaul.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Weiterentwicklung
  3. 3. Figuren und Handlung

Werk und Bedeutung

Die Puppenfee ist ein pantomimisches Divertissement, also ein Ballett in einem Akt, dessen Handlung ohne gesprochene Dialoge durch Tanz und szenische Darstellung vermittelt wird. Das Libretto schrieben Joseph Haßreiter und Franz Xaver Gaul, die Choreografie stammt von Haßreiter, die Musik komponierte Josef Bayer 1888. Das Werk spielt überwiegend in einem Wiener Puppenladen und verbindet eine komische Rahmenhandlung mit Tanznummern, Vorführungen verschiedener Puppen und einem abschließenden märchenhaften Divertissement.

Die Puppenfee gilt als eines der meistgespielten Ballett-Werke im deutschsprachigen Raum. Die Uraufführung fand am 4. Oktober 1888 im K. K. Hof-Operntheater in Wien statt. Zuvor war das Werk unter dem Titel „Im Puppenladen“ Anfang April 1888 bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung unter dem Protektorat der Fürstin Pauline Metternich im Palais des Fürsten Johannes Liechtenstein aufgeführt worden; dabei tanzten ausschließlich Aristokraten. Für die Uraufführung wurde der Titel in „Die Puppenfee“ geändert.

Entstehung und Weiterentwicklung

Anfang 1888 entwickelten der Wiener Ballettmeister Joseph Haßreiter und der Maler Franz Xaver Gaul die Idee zu einem unterhaltsamen Ballett in einem Puppenladen. Die Puppen sollten als vermenschlichte Wesen auftreten und das Publikum bezaubern. Die Grundidee war nicht völlig neu: Bereits 1870 hatten Léo Delibes und der Choreograf Arthur Saint-Léon E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“, in der eine Puppe eine wichtige Rolle spielt, als „Coppélia“ erfolgreich auf die Ballettbühne gebracht.

Haßreiter und Gaul verfassten zunächst gemeinsam das Libretto und gaben dem Werk den Titel „Im Puppenladen“. Als Komponisten gewannen sie Josef Bayer, den Ballettdirigenten am K. K. Hofoperntheater, der wenige Jahre zuvor mit seiner Musik zu „Wiener Walzer“ Aufmerksamkeit erregt hatte. Bayer begeisterte sich für die Idee. Die Uraufführung am 4. Oktober 1888 wurde zu einem sensationellen Erfolg. Besonders Bayers effektvolle Musik trug dazu bei, dass das Ballett im deutschsprachigen Raum lange Zeit sehr hohe Aufführungszahlen erreichte.

Der Erfolg setzte sich in Russland fort. Dort wurde das Werk 1904 erstmals in einer Choreografie von Sergej und Nikolai Legat aufgeführt. Für diese Fassung komponierte Riccardo Drigo einen neuen Pas de trois der Puppenfee mit zwei Harlekinen. Ein Pas de trois ist ein Tanzstück für drei Personen. Der ursprünglich von den Legat-Brüdern getanzte Abschnitt gehört heute zu den bekanntesten Stücken des Balletts und wird auch unabhängig vom Gesamtwerk aufgeführt. Das Libretto von Haßreiter und Gaul diente später André Derain und Leonide Massine als Vorlage für das Ballett „La Boutique Fantasque“ („Der Zauberladen“).

Figuren und Handlung

Zu den menschlichen Figuren gehören der Spielwarenhändler und Puppenmacher, sein Gehilfe, der reiche Engländer Sir James Plumpstershire, dessen Frau Lady Plumpstershire und ihre drei Kinder. Außerdem treten ein Bauer mit seiner Ehefrau und ihrer Tochter, eine Dienstmagd, Lohndiener eines Hotels, ein Kommis und ein Briefträger auf. Die fantastischen Figuren sind die Puppenfee, sieben weibliche mechanische Figuren und vier männliche mechanische Figuren.

Zu Beginn sieht man den Spielwarenhändler in seiner Werkstatt bei der Arbeit. Er stellt ein weiteres Exemplar für seine große Sammlung verschiedener Puppenarten her. Sein Gehilfe, das Faktotum des Künstlers, entfernt den Staub von den anderen Puppen. Als der Briefträger den Raum betritt und eine Puppe anrempelt, beginnt sie sofort zu tanzen.

Danach kommt ein trauriges Mädchen mit einer stark beschädigten Puppe in den Laden. Der Puppenmacher repariert das Spielzeug und lässt es wieder in seinem früheren Glanz erscheinen, sodass das Mädchen erneut lächeln kann. Anschließend besuchen ein Bauer, seine Frau und ihre Tochter das Geschäft. Ihr ungeschicktes Verhalten bringt eine große Puppe zu Fall und sorgt damit für weitere Arbeit des Meisters.

Der Puppenhändler besitzt einen Ruf, der weit über Wien hinausreicht. Deshalb kommen auch Sir James Plumpstershire, seine Frau und ihre drei Kinder aus England. Sie wünschen sich eine tanzende Puppe. Der Händler möchte ihnen zunächst eine besonders gelungene Puppe vorführen, doch sie versagt vollständig. Danach zeigt er andere Puppen, die Kleidung verschiedener Völker tragen und Tänze aus Österreich, Spanien, China und Japan aufführen. Den Abschluss dieser Vorführungen bildet die Puppenfee mit einem Walzer. Die englische Familie ist begeistert und gibt eine Bestellung auf. Als es Abend wird, schließt der Puppenmacher den Laden und geht nach Hause.

Erst danach beginnt das eigentliche Divertissement. Die Puppen werden lebendig, tanzen akrobatisch, scherzen, spielen und musizieren. Im Mittelpunkt steht die Puppenfee. Alle Puppen erkennen sie als ihre Königin an und huldigen ihr.

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