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Die Melodie des Meeres
Die Melodie des Meeres ist ein irischer Animationsfilm aus dem Jahr 2014 von Tomm Moore. Er gewann den Europäischen Filmpreis 2015 in der Kategorie Bester …
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Grundidee und Handlung
Die Melodie des Meeres (Originaltitel: Song of the Sea) ist ein irischer Animationsfilm von Tomm Moore aus dem Jahr 2014. Der Film verbindet die Geschichte einer Familie mit keltischen Sagen und der Figur der Selkies, also von Robbenwesen, die auch menschliche Gestalt annehmen können. Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Ben und Saoirse. Der Film zeigt, wie sie mit Verlust, Angst und unterdrückten Gefühlen umgehen und dadurch ihre Familie sowie magische Wesen retten.
Ben lebt zunächst mit seinen Eltern Conor und Bronagh und dem Hund Cú in einem Leuchtturmwärterhaus auf einer kleinen Insel. Bronagh ist hochschwanger und malt mit Ben ein Selkie-Wandbild. Sie bringt ihm keltische Lieder und Geschichten bei und schenkt ihm eine Muschelflöte, die, ans Ohr gehalten, das Lied des Meeres spielt. Kurz darauf verschwindet Bronagh. Sechs Jahre später ist Ben etwa zehn Jahre alt. Er liebt die Geschichten seiner Mutter, hat aber Angst vor dem Wasser und lehnt seine jüngere Schwester Saoirse zunächst ab. Saoirse spricht noch nicht.
Die Großmutter hält Conor für unfähig, die Kinder allein zu versorgen, und nimmt sie gegen den Willen des Vaters mit nach Dublin. Zuvor findet sie Saoirse nass am Strand, nachdem das Mädchen mit einem weißen Robbenmantel ins Wasser gegangen ist. Dieser Mantel macht es Saoirse möglich, als Selkie mit den Robben zu tauchen. Conor wirft den Mantel ins Meer und schickt die Kinder zur Großmutter. Ben, Saoirse und der Hund Cú werden dadurch voneinander getrennt.
Am 31. Oktober, an Halloween, werden magische Wesen durch Saoirses Muschelmusik angezogen. Drei Angehörige des Elfenfolks führen die Kinder in eine Höhle. Dort erfährt Ben, dass nur Saoirse durch ihren Gesang in der Halloween-Nacht die versteinerten Elfen erlösen kann. Danach könnten die magischen Wesen nach Tír na nÓg ziehen. Für die Versteinerungen ist Macha verantwortlich, eine Eulenhexe. Ihre Eulen versuchen, Saoirse zu entführen, scheitern jedoch.
Die Kinder machen sich auf den Weg zurück zur Insel, weil sie dort Saoirses Robbenmantel vermuten. Unterwegs treffen sie Cú wieder. An einer heiligen Quelle folgt Saoirse den Lichtflocken, die durch ihre Musik entstehen, und springt ins Wasser. Ben überwindet seine Angst vorübergehend und folgt ihr gemeinsam mit Cú. In einer Höhle begegnet Ben einem Seanchaí, einem Geschichtenerzähler. Dieser zeigt ihm, dass Saoirse und Cú zu Macha gebracht wurden. Saoirse wird immer schwächer; ohne ihren Mantel, erklärt der Seanchaí, werde sie den nächsten Tag nicht erleben.
Ben muss sich außerdem seiner Vergangenheit stellen. In einer Vision erkennt er, dass Bronagh eine Selkie war und wegen Saoirse ins Meer zurückkehren musste. Diese Erkenntnis verstärkt seinen Schmerz, aber Ben setzt seine Suche fort. Bei Macha erfährt er, dass sie aus Liebe zu ihrem Sohn Mac Lir gehandelt hatte. Mac Lir war wegen seines Kummers von Macha in Stein verwandelt worden. Mit einem Zauberglas entzog sie ihm seine Gefühle, weil sie keinen anderen Weg sah, ihm zu helfen. Nun will sie auch anderen Wesen gegen deren Willen die Gefühle nehmen.
Ben widersteht Macha und findet Saoirse und Cú. Mit letzter Kraft spielt Saoirse Flöte und gibt die gefangenen Gefühle an Macha zurück. Macha erkennt ihren Fehler und hilft den Kindern, zur Insel zu gelangen. Dort erfährt Ben, dass Conor den Mantel ins Meer geworfen hat. Conor will Saoirse zum Krankenhaus bringen, doch Ben weiß, dass sie nur durch den Mantel gerettet werden kann. Trotz seiner Wasserangst springt er ins Meer. Die Robben helfen ihm, den Mantel zu finden.
Saoirse schwimmt nun als Selkie mit Conor, Ben, Cú und den Robben zur Insel, die eigentlich der versteinerte Mac Lir ist. Durch Saoirses Gesang werden die magischen Wesen und Mac Lir erlöst. Auch Bronagh erscheint und möchte Saoirse nach Tír na nÓg mitnehmen. Auf Bitten von Conor und Ben bleibt sie jedoch nicht bei ihrer Tochter. Am Ende versöhnen sich die Erwachsenen, und die Familie feiert Bens Geburtstag. Ben hat seine Angst vor dem Wasser überwunden.
Entstehung und Gestaltung
Tomm Moore erklärte in einem Interview mit Robbie Collin vom Telegraph, dass traditionelle Selkie-Erzählungen meist die Liebe zwischen einer Selkie-Frau und einem Menschenmann in den Mittelpunkt stellen. Die Kinder, die am Strand darauf hoffen, dass eine Robbe ihre Mutter sein könnte, seien in diesen Geschichten häufig nur Nebenfiguren. Moore wollte dagegen die Kinder zum Mittelpunkt des Films machen.
Der Film entstand als internationale Produktion aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland und Luxemburg. Die Originalsprachen sind Englisch und Irisch. Die Laufzeit beträgt 93 Minuten. Regie führte Tomm Moore, das Drehbuch schrieb Will Collins. Produziert wurde der Film von Claus Toksvig Kjaer, Tomm Moore, Ross Murray, Frederik Villumsen und Paul Young. Die Musik stammt von Bruno Coulais, den Schnitt übernahm Darragh Byrne. Die Altersfreigaben lauten FSK 0 und JMK 6.
Deutsche Fassung
Die deutschsprachige Synchronisation entstand bei der Digital Media Technologie GmbH in Hamburg. Für Synchronregie und Dialogbuch war Celine Fontanges verantwortlich.
Ben wird im Original von David Rawle und auf Deutsch von Jacob Neise gesprochen. Conor sprechen Brendan Gleeson und Roland Hemmo, Macha Fionnula Flanagan und Angela Stresemann, Bronagh Lisa Hannigan und Celine Fontanges sowie Saoirse Lucy O’Connell und Emma Luise Herrmann. Weitere Besetzungen sind Jon Kenny und Wolf Frass als Dan, Pat Shortt und Achim Schülke als Lug, Colm Ó Snodaig und Klaus Dittmann als Mossy sowie Liam Hourican und Peter Weis als Spud.
Soundtrack
Der Soundtrack umfasst 25 Titel. Gesang ist unter anderem in „Song of the Sea“ von Lisa Hannigan, in „The Song“ von Lisa Hannigan und Lucy O’Connell sowie in „Something Is Wrong“, „Head Credits“, „In the Bus“, „The Thread“ und „Amhrán Na Farraige“ von Lisa Hannigan zu hören. Hinzu kommen „Song of the Sea (Lullaby)“ und die französische Fassung „La chanson de la mer (berceuse)“, beide gesungen von Nolwenn Leroy.
Weitere Titel der Filmmusik sind unter anderem „The Mother’s Portrait“, „The Sea Scene“, „The Key in the Sea“, „The Derry Tune“, „In the Streets“, „Dance with the Fish“, „The Seals“, „Run“, „Get Away“, „Help“, „Sadness“, „Molly“, „I Hate You“, „Who Are You“, „The Storm“ und „Katy’s Tune“. Die Musik unterstützt damit sowohl die märchenhaften Elemente als auch die emotionalen Konflikte der Handlung.
Kritik und Auszeichnungen
Mark Kermode vom Guardian bezeichnete den Film als „superb“ und die Animation als „gorgeous“. Er sah farbliche Ähnlichkeiten zu den Filmen des Studio Ghibli und eine Spur von Sylvain Chomet, betonte aber zugleich, dass Tomm Moore seinen eigenen Stil zeige. Kermode vergab fünf von fünf möglichen Sternen. Leslie Felperin vom Guardian vergab vier von fünf Sternen und lobte den Inhalt sowie dessen Umsetzung, insbesondere den Umgang mit den Kindern; eine konkrete Kritik wird nicht genannt.
Die Melodie des Meeres wurde für einen Oscar und einen César in der Kategorie Bester Animationsfilm nominiert, gewann jedoch keinen dieser Preise. 2015 gewann der Film den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Bester Animationsfilm. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh ihm außerdem das Prädikat besonders wertvoll.