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Die Legende vom Tränenvogel

Die Legende vom Tränenvogel (눈물을 마시는 새 Nunmureul Masineun Sae, wörtlich etwa Der Tränen trinkende Vogel) ist ein 2003 in Südkorea erschienener, vier …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Veröffentlichung und Ausgaben
  3. 3. Handlung
  4. 4. Wichtige Figuren
  5. 5. Rassen, Orte und Wesen
  6. 6. Götter, Fortsetzungen und andere Medien

Überblick und Bedeutung

Die Legende vom Tränenvogel ist ein südkoreanischer Fantasy-Zyklus von Lee Young-do. Er erschien 2003 in Südkorea und umfasst vier Bände. Der koreanische Originaltitel lautet 눈물을 마시는 새 Nunmureul Masineun Sae, wörtlich etwa Der Tränen trinkende Vogel.

Besonders ist der Roman, weil er kaum die im Fantasy-Genre üblichen Motive aus westlicher Mythologie verwendet. Stattdessen greift er Konzepte aus koreanischer Sagen- und Alltagswelt auf, zum Beispiel Dokkaebi, das Brettspiel Yut oder die Sportart Ssireum. Ein Schwerpunkt der Erzählung liegt neben der Handlung auf den Kulturen und gesellschaftlichen Strukturen verschiedener Völker.

Veröffentlichung und Ausgaben

Der Roman wurde zunächst in Fortsetzungen in einem Internetforum veröffentlicht, wie viele Erzählungen von Lee Young-do. Danach brachte der südkoreanische Verlag Hwanggeumgaji („Goldener Zweig“) die Geschichte in vier Bänden heraus.

Für die Frankfurter Buchmesse 2022 ließ der Verlag englischsprachige Entwürfe der vier Bände erstellen. Dadurch wurden die Rechte an dem Roman in zwölf Länder verkauft, darunter Deutschland. Die gesamte Lizenzgebühr betrug 600 Millionen Won, etwa 500.000 Euro. Das war bis dahin die höchste Summe, die je für ein einzelnes koreanisches Werk gezahlt wurde.

Die Rechte an der deutschen Ausgabe gingen an Penguin Random House. Die Veröffentlichung erfolgte im Heyne Verlag. Die deutschen Bände heißen: Band 1: Das Blut der Herzlosen, Band 2: Der träumende Krieger, Band 3: Der Feuergeist, Band 4: Die Suche nach dem König.

Handlung

Die Handlung beginnt damit, dass der Großtempel Hainsha drei Vertreter der vier Rassen zu einer wichtigen Rettungsmission ruft. Ein Naga soll als vierter Teilnehmer befreit werden, um die vier Rassen zu retten. Die Nagas leben seit Jahrhunderten getrennt von den anderen Rassen im südlichen Kiboren. Die drei Gerufenen kennen einander zunächst nicht und treffen sich in der Letzten Taverne. Von dort aus reisen sie durch die Wüste nach Süden in das Land der Nagas.

Gleichzeitig wartet in der Naga-Stadt Hatengrazu der junge Ryun Pey auf seine Initiation zum Erwachsenen. Bei diesem Ritual wird Nagas das Herz entfernt, wodurch sie nahezu unsterblich werden. Ryun hat große Angst davor, weil sein Vater bei diesem Ritual gestorben ist, und flieht. Dabei wird er Zeuge der Ermordung seines besten Freundes Hwarit Makerow. Sterbend erklärt Hwarit, dass er Teil einer Verschwörung und auf einer wichtigen Mission war. Ryun soll diese Mission übernehmen, nach Norden reisen und auf drei Vertreter der „Ungläubigen“ warten, wie die Nagas die anderen Rassen nennen.

Auf der Reise zum Großtempel wird nach und nach klar, worum es bei der Rettungsmission geht: Ein Krieg zwischen den Rassen soll verhindert werden. Außerdem müssen die Götter beschützt werden, die in Gefahr sind, ermordet zu werden. Dafür sollen die vier Retter die Inkarnationen der Götter auf Erden finden.

Wichtige Figuren

Der Rettungstrupp besteht aus vier Hauptfiguren. Kaygon Draka ist ein Mensch und der Anführer, auch „Lotse“ genannt. Tinahan ist ein Lekon und übernimmt die Rolle des Verteidigers. Bihyung Slabl ist ein Dokebi und der Zauberer der Gruppe; er reitet einen fliegenden Riesenkäfer namens Nanui. Ryun Pey ist ein Naga und das Ziel der Rettungsmission. Sein vollständiger, „göttlicher“ Name lautet Didyusryuno Rargand Pey.

Weitere wichtige Figuren sind Orenol, ein Mönch im Großtempel Hainsha, der die Rettungsmission initiiert, und Bauh Moridol, der Schlossherr von Zumunnuri. Samo Pey ist Ryuns Schwester. Unter den Nagas anderer Häuser ist sie wegen zahlreicher Affären unbeliebt. Sie ist eine mächtige Kämpferin und verfolgt den Rettungstrupp, weil sie an Ryun ein Racheritual vollziehen muss, bei dem sie ihn töten will.

Rassen, Orte und Wesen

Die vier wichtigen Rassen sind Menschen, Lekons, Dokebis und Nagas. Menschen ähneln realen Menschen. Seit ihr letzter König vor Jahrhunderten verschwand, werden manche vom Königssyndrom befallen: Sie glauben dann, sie selbst oder jemand in ihrem Umfeld sei der rechtmäßige Nachkomme des letzten Königs. Menschen sind die schwächste, aber zahlenmäßig größte Rasse.

Lekons sind etwa drei Meter große, gefiederte Wesen mit Hahnenkopf. Sie sind sehr stark, schnell und meisterhafte Speerwerfer. Sie gelten als gewalttätig, tragen überdimensionierte, fast unzerstörbare Waffen, und ihr Schrei hat große Zerstörungskraft. Jeder Lekon verfolgt ein selbstgewähltes Lebensziel, den Lebenstraum.

Dokebis sind koboldartige, friedliebende Wesen, die Streiche und Humor lieben. Sie können Flammen erzeugen und Temperatur, Größe und Form dieser Flammen verändern. Berühmt sind sie für Hüte, die ihre Träger unsichtbar machen. Wenn ein Dokebi stirbt, geht seine Seele in einen anderen Körper über. Dieser wird zu einem Dokebi-Ahn, einem weisen Wesen, das körperlich nicht tätig sein kann und seine Gedanken jungen Schülern diktiert.

Nagas sind Echsenmenschen aus dem tiefen Süden und werden von anderen Rassen gefürchtet. Sie können einzelne Körperteile nachwachsen lassen und entfernen sich in einem Ritual das eigene Herz, wodurch sie fast unsterblich werden. Sie brauchen die Hitze des Südens; zu weit im Norden verlieren sie die Fähigkeit, sich zu bewegen. Sie verabscheuen gesprochene Sprache und kommunizieren telepathisch, durch das sogenannte Nirmen. Sie sehen sehr gut, unter anderem Temperaturen, hören aber schlecht.

Daneben gibt es die Duokxinis, ein grotesk deformiertes und wahnsinniges Volk mit einer Art Kollektivbewusstsein. Aus unbekannten Gründen haben sie ihren Gott verloren, was als Ursache ihres bizarren Wesens erscheint. Sie gehören nicht zu den vier auserwählten Völkern.

Wichtige Orte sind Kiboren, das heiße, urwaldbedeckte Land der Nagas im Süden; Hatengrazu, die größte Stadt der Nagas, auch Stadt der Stille und Stadt der Unbarmherzigkeit genannt; die Grenzlinie, ab der es für Nagas zu kalt wird; die nördlich davon liegende Punten-Wüste; die Letzte Taverne am Nordrand der Wüste; und Zumunnuri, das große Schloss der Dokebis, dessen Architektur nicht den Naturgesetzen folgt.

Zu den besonderen Tieren gehören Himmelsfische, große fliegende Kreaturen mit Ruinen verlassener Städte auf dem Rücken; Drachen, die aus Pflanzen entstehen und als von Nagas ausgerottet gelten; Schwarze Löwen, deren Pelz selbst nach dem Tod Wärme produziert und deshalb von Nagas begehrt war; sowie große Käfer mit gewisser Intelligenz, die Dokebis als Reittiere nutzen.

Götter, Fortsetzungen und andere Medien

Die vier Rassen haben eigene Gottheiten. Der Gott der Menschen heißt „Der Gott, der nirgendwo existiert“. Die Göttin der Lekons heißt „Die Göttin, die niedriger steht als alle anderen“. Der Gott der Dokebis heißt „Der Gott, der sich selbst tötet“. Die Göttin der Nagas heißt „Die Göttin, die keine Fußspuren hinterlässt“.

2005 erschien eine achtbändige Fortsetzung mit dem Titel 피를 마시는 새 Pireul Masineun Sae, deutsch etwa Der Blut trinkende Vogel. Eine deutsche Übersetzung gibt es bisher nicht. In den Büchern wird mehrfach eine Legende über vier Vögel erwähnt: einen Tränen trinkenden, einen Blut trinkenden, einen Gift trinkenden und einen Wasser trinkenden. Dies wird oft als Hinweis auf zwei mögliche weitere Fortsetzungen gesehen, doch der Autor ist darauf bislang nicht eingegangen.

Alle vier Bände erschienen 2024 bei Audible als Hörbuch. Erzähler ist Philipp Schepmann. Außerdem kündigte der südkoreanische Computerspiel-Publisher Krafton 2022 ein Spiel an, das auf dem Roman basiert.

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