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Deutsche Märchen und Sagen

Deutsche Märchen und Sagen ist eine elektronische Anthologie von gemeinfreien Volksmärchen- und Sagensammlungen aus Deutschland, die überwiegend im 19.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Umfang
  2. 2. Ziel der Auswahl und Entwicklung des Erzählguts
  3. 3. Quellenbasis
  4. 4. Bewertung und Grenzen

Gegenstand und Umfang

Deutsche Märchen und Sagen ist eine elektronische Anthologie mit gemeinfreien Sammlungen von Volksmärchen und Sagen aus Deutschland. Herausgeber ist der Erzählforscher Hans-Jörg Uther. Das Sammelwerk erschien 2002 bei Directmedia als Band 80 der Reihe Digitale Bibliothek auf CD-ROM.

Die Anthologie beruht auf insgesamt 47 Quellen und enthält den Volltext von über 24.000 Märchen, Sagen, Bräuchen und Legenden. Im Anhang verzeichnet eine Bibliographie zur Erzählforschung über 20.000 Titel. Die digitale Ausgabe sollte vor allem das hohe Fassungsvermögen und die Suchmöglichkeiten der CD nutzen. Die einzelnen Sammlungen sind im kostenfreien Angebot zeno.org unter den Namen ihrer jeweiligen Herausgeber auch im Internet verfügbar.

Ziel der Auswahl und Entwicklung des Erzählguts

Uther versteht die Auswahl als erstmals elektronisch erfasste Zusammenstellung von Märchen- und Sagensammlungen aus der Zeit zwischen 1770 und 1920. Sie soll einen repräsentativen Eindruck von der Vielfalt des Erzählguts vermitteln und zugleich den Wandel der Vorstellungen von Volksdichtung zeigen.

Dieser Wandel reicht laut Uther von der Adaption schriftlicher Quellen bis zur Aufzeichnung mündlicher Überlieferung. Ebenso umfasst er Bearbeitungen, die innerhalb der Form auf „Treue und Wahrheit“ zielten, bis zur romantisch verklärten und dichterischen Ausschmückung älterer Stoffe und Motive. Die Wurzeln dieser Ausschmückung liegen bereits im 18. Jahrhundert.

Quellenbasis

Die 47 verwendeten Quellen stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Sie umfassen Märchen-, Sagen- und Brauchsammlungen aus zahlreichen Regionen, darunter Baden, Mecklenburg, Pommern und Rügen, Schwaben, Preußen, Sachsen, Hessen, Schleswig, Holstein, Lauenburg, Westfalen, die Oberpfalz, Bayern, Oldenburg, die Altmark sowie Thüringen.

Zu den aufgenommenen Quellen gehören unter anderem die Kinder- und Hausmärchen und Deutschen Sagen der Brüder Grimm, Ludwig Bechsteins Deutsches Sagenbuch und Sämtliche Märchen, Johann Karl August Musäus’ Volksmärchen der Deutschen, Johann Karl Christoph Nachtigals Volcks-Sagen von 1800 sowie regionale Sammlungen von Bernhard Baader, Karl Bartsch, Adalbert Kuhn, Ulrich Jahn, Franz Schönwerth, Alexander Schöppner und Johann Wilhelm Wolf. Neben Volksmärchen und Sagen enthält die Quellenbasis auch Werke zu Sitten, Gebräuchen, Aberglauben, Liedern, Reimen, Legenden und Erzählungen für Kinder und Jugendliche.

Bewertung und Grenzen

Nach der Rezension bildet die CD mit wenigen Ausnahmen die wichtigsten und einflussreichsten deutschen Sammlungen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ab. Obwohl Scans fehlen, gilt sie als bahnbrechend für die deutschsprachige Volkskunde, weil sie verlässliche Ausgaben für Forschung und ein breites Publikum zugänglich machte. Als besondere Aufnahme wird Nachtigals sehr seltene erste gedruckte deutsche Sagensammlung genannt.

Die Edition wurde in Literaturwissenschaft und Folkloristik positiv aufgenommen. Kritisiert wurde jedoch ihre Auswahlbreite: Von den 362 Sammlern des deutschen Sprachraums, die Hannelore Jeske ermittelt hatte, sind bei Uther nur 116 vertreten, also 32 %. Außerdem wurde beanstandet, dass die inhaltliche Erschließung, die in den Aufgabenbereich Uthers fällt, „manche Wünsche offen“ lasse.

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