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Destilliertes Wasser
In Medizin, Pharmazie, Chemie und Biologie wird es unter anderem als Lösungs- und auch als Reinigungsmittel verwendet. ... Osmosevorgangs zerplatzen (siehe …
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Definition und Verwendung
Destilliertes Wasser, lateinisch Aqua destillata, ist Wasser (H₂O), das durch Destillation weitgehend von den in Quell- oder Leitungswasser enthaltenen Ionen, Spurenelementen und anderen Verunreinigungen befreit wurde. Es wird in Medizin, Pharmazie, Chemie und Biologie unter anderem als Lösungs- und Reinigungsmittel eingesetzt. Seine Verwendung ist beispielsweise in der DIN 43530 und der VDE 0510 genormt.
Herstellung
Destilliertes Wasser wird aus Leitungswasser oder vorgereinigtem Wasser hergestellt. Bei der Destillation wird das Wasser zunächst verdampft und danach wieder kondensiert, also in den flüssigen Zustand zurückgeführt. Viele gelöste Stoffe bleiben dabei zurück.
Chemische und physikalische Eigenschaften
Destilliertes Wasser ist weitgehend frei von Salzen, organischen Stoffen und Mikroorganismen. Zu den gelösten Salzteilchen gehören Anionen, also negativ geladene Ionen, und Kationen, also positiv geladene Ionen.
Die Ionenfreiheit wird über die elektrische Leitfähigkeit geprüft. Diese sollte bei 25 °C zwischen 0,5 und 5 µS/cm liegen. Durch die Autoprotolyse des Wassers sind trotzdem H₃O⁺- und OH⁻-Ionen vorhanden. Ihre Konzentration ist jedoch so gering, dass sie elektrischen Strom nur in sehr geringem Maß leiten.
Geringe Mengen leicht flüchtiger Verbindungen können auch nach der Destillation enthalten sein, ohne die Leitfähigkeit zu beeinflussen. Bei Kontakt mit Luft sinkt der pH-Wert schnell von ungefähr 7 auf etwa 4,5 bis 5. Ursache ist die Reaktion des Wassers mit Kohlenstoffdioxid aus der Luft.
Mehrfache Destillation
Für besonders reines Wasser reicht eine einzige Destillation nicht aus. Zweifach destilliertes Wasser heißt bidestilliertes Wasser oder aqua bidestillata; gebräuchliche Kurzbezeichnungen sind aqua bidest und Bidestillatus. Dreifach destilliertes Wasser wird aqua tridestillata genannt.
Beim Kochen können sich aus Glasgefäßen geringe Spuren von Kieselsäure lösen und das Wasser erneut verunreinigen. Deshalb wird das Destillat ab dem zweiten Durchgang in Gefäßen aus Quarz oder Platin destilliert und aufbewahrt.
Wirkung auf den Körper
Das Trinken üblicher Mengen destillierten Wassers verursacht keine akuten gesundheitlichen Risiken. Bei stark übermäßigem Konsum besteht jedoch – ebenso wie bei normalem Wasser – die Gefahr einer Wasservergiftung. Wird ausschließlich destilliertes Wasser getrunken und zugleich einseitig gegessen, kann der Körper außerdem an Elektrolyten verarmen. Elektrolyte sind gelöste, elektrisch geladene Teilchen wie Na⁺- und Cl⁻-Ionen.
Nach einer Einschätzung von Michael Fromm von der Charité kann die Niere den Harn höchstens auf 50 mOsmol/l verdünnen; dabei werden weniger als 25 mmol NaCl je Liter Harn ausgeschieden. Die Na⁺-Konzentration im Plasma darf demnach von ihrem Ausgangswert um etwa 25 mmol/l auf ungefähr 120 mmol/l sinken, bevor Symptome auftreten. Das Verteilungsvolumen für NaCl in Plasma und Interstitium beträgt 25 % des Körpergewichts, also 17 Liter bei einer Person mit 70 kg. Ein nierengesunder Mensch könnte theoretisch insgesamt 17 Liter Wasser ohne zusätzliche Elektrolyte trinken, sofern die Aufnahme über mehrere Tage verteilt ist.
Werden große Wassermengen schnell aufgenommen, kann der Ausgleich zwischen Plasma und Interstitium nicht mithalten. In einer Studie senkten 9 Liter Wasser innerhalb von 7 Stunden die Na⁺-Konzentration auf 122 mmol/l. Eine Gefahr entsteht daher vor allem bei großen Mengen und fehlendem Elektrolytausgleich durch Nahrung.
Destilliertes Wasser darf nicht direkt ins Blut gelangen. Bei einer Infusion kann es – ebenso wie normales Trinkwasser – durch Osmose zum Zerplatzen von Körperzellen kommen. Osmose bezeichnet die Bewegung von Wasser durch eine für bestimmte Stoffe durchlässige Membran; die Zerstörung roter Blutkörperchen wird Hämolyse genannt. In einigen Regionen, beispielsweise in Südostasien, wird destilliertes Wasser dennoch industriell abgefüllt und als besonders „reines“ Trinkwasser verkauft.
Andere Verfahren zur Entmineralisierung
Die Destillation benötigt viel Energie und gilt deshalb als teuer und ökologisch ungünstig. Für die meisten Anwendungen wird stattdessen demineralisiertes Wasser verwendet, das mit geringerem Aufwand durch Ionenaustauscher oder Umkehrosmose hergestellt wird. Es wird unter anderem als destillatgleiches Wasser, VE-Wasser („voll entsalzt“), Deionat, Batteriewasser oder Bügelwasser verkauft.
Ionenaustauscherharze entfernen Kationen und Anionen. Anders als destilliertes Wasser können die so hergestellten Produkte jedoch noch apolare oder organische Stoffe sowie Verunreinigungen aus den Austauscherharzen enthalten. Bei Lagerung in Kunststoffgefäßen ist auch Keimfreiheit nicht garantiert. Deshalb sollten solche Produkte nicht als destilliertes Wasser bezeichnet werden.
Auch Reinstwasser wird mithilfe von Umkehrosmose und Ionenaustauschern hergestellt. Mehrstufige Verfahren kombinieren diese Techniken mit Filtern, Aktivkohlefiltern und UV-Bestrahlung. UV-Strahlung dient dabei der Entkeimung und der Photooxidation organischer Verunreinigungen. Umkehrosmose wird außerdem zur Meerwasserentsalzung und damit zur Gewinnung von Süßwasser genutzt.