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Der durstige Mann
Das als „Der durstige Mann“ (dänisch Den tørstige mand) bekannte Plakat „Tuborg Øl“ (deutsch Tuborg-Bier) stammt vom dänischen Maler und Illustrator Erik …
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Kern des Plakats
„Der durstige Mann“ (dänisch „Den tørstige mand“) ist der bekannte Name des Plakats „Tuborg Øl“ („Tuborg-Bier“). Es wurde 1900 vom dänischen Maler und Illustrator Erik Henningsen (1855–1930) für die damals eigenständige dänische Brauerei Tuborg geschaffen. Das Plakat entstand im Zusammenhang mit einem Wettbewerb und wurde später weit über Dänemark hinaus bekannt.
Das Werk gilt als ein Hauptwerk unter den Bierplakaten, die um die Jahrhundertwende entstanden. Eine unsignierte Lithografie, also ein Druck nach einem Steindruckverfahren, befindet sich heute im Designmuseum Danmark in Kopenhagen. Dieses Museum besitzt die älteste Plakatsammlung Dänemarks.
Der Wettbewerb von 1900
Tuborg veranstaltete im Februar 1900 aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Biermarke Tuborg-Øl einen Plakatwettbewerb. Künstler sollten ein „dekoratives Werbeplakat“ zusammen mit einem Bieretikett entwerfen. Als Preis wurden 10.000 Dänische Kronen ausgelobt. Diese Summe war für die damalige Zeit sehr hoch und führte zu großer Beteiligung.
Die Brauerei setzte eine dreiköpfige Jury ein. Sie bestand aus dem Maler Johan Rohde, dem Formschneider Frederik Hendriksen und dem künstlerischen Apotheker Alfred Benzon. Die eingereichten Entwürfe wurden im Mai 1900 öffentlich in der Frederiksborggade im Zentrum Kopenhagens gezeigt. Unter den teilnehmenden Künstlern waren auch Peder Klint, Mogens Ballin und Sigurd Swane.
Entscheidung für Henningsens Entwurf
Den offiziellen Siegerpreis erhielt nicht Henningsen, sondern der Maler Jens Ferdinand Willumsen. Sein Vorschlag zeigte einen Bier trinkenden Arbeiter in einem gelben Hemd.
Trotzdem entschied sich der Tuborg-Geschäftsführer Benny Dessau für Henningsens Bild. Henningsen hatte es zunächst als Ölgemälde geschaffen. Dessau bevorzugte diesen Entwurf gegenüber den anderen und ließ ihn produzieren. Seine Entscheidung begründete er mit den Worten: „Kunst har jeg ingen forstand på, men plakaten, det er den der!“ Das bedeutet: „Kunstverstand habe ich keinen, aber das Plakat, das ist es!“
Bildmotiv und Wirkung
Das Plakat zeigt in einer Einöde einen korpulenten, rotbäckigen Herrn. Er wirkt, als schwitze er in brütender Hitze. Die Darstellung soll beim Betrachter Verständnis und Mitleid für den durstigen Mann hervorrufen. Wichtig ist dabei, dass im Bild keine „sofortige Aussicht auf die Erfüllung seiner Bedürfnisse“ erscheint.
Vermutlich standen eine oder mehrere Personen für das Bild Modell. Die Grundidee des Motivs, also Situation, Hintergrund, besondere Haltung und Kleidung des Mannes, übernahm Henningsen aus einer Zeichnung, die 1893 in der deutschen Wochenschrift „Fliegende Blätter“ erschienen war. Nur das Geländer, an das sich der Mann lehnt, ging auf eine eigene Eingebung Henningsens zurück.
Besonderheit als Werbung
Für die damalige Werbung war Henningsens Plakat ungewöhnlich. Normalerweise wurden beworbene Waren deutlich gezeigt. Dieses Plakat verzichtet jedoch auf Hinweise auf Sortiment, Verpackung, Geschmack oder Farbe des Produkts. Es zeigt nicht einmal eine Bierflasche.
Auch typische Bildelemente der Bierwerbung fehlen: Es gibt kein schäumendes Bier, keine Geste des Zuprostens und keinen Lichtblick, der dem Mann Hilfe verspricht. Die Aussage wird auf die Situation des Durstes reduziert. Gerade weil die Szene keine Lösung zeigt, entsteht beim Betrachter Mitleid und Aufmerksamkeit.
Nachwirkung
Die Darstellung wird als zeitlos beschrieben und steht im Zusammenhang mit dem Naturalismus, einer Kunstrichtung, die Wirklichkeit möglichst lebensnah zeigen wollte. Diese zeitlose Wirkung trug wesentlich dazu bei, dass das Plakat bis in die Gegenwart aktuell blieb.
Tuborg veranstaltete in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitere große Plakatwettbewerbe, um Werbekampagnen auf dem globalen Markt zu stärken. Aus ihnen ging jedoch kein vergleichbarer Klassiker wie Henningsens „Durstiger Mann“ hervor.