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Der arme Poet
Der arme Poet ist das bekannteste und beliebteste Bild des deutschen Malers Carl Spitzweg. Der arme Poet (Carl Spitzweg). Der arme Poet. Carl Spitzweg, 1839.
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Werk und Bedeutung
Der arme Poet ist ein Ölgemälde von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1839. Es misst 36 × 45 cm; die bekannteste Fassung befindet sich in der Neuen Pinakothek München. Das Bild gilt als Spitzwegs frühestes Meisterwerk sowie als sein bekanntestes und beliebtestes Werk. Es zeigt einen mittellosen Schriftsteller in einer kalten, engen Dachstube und verbindet dessen künstlerischen Anspruch mit den ärmlichen Lebensumständen.
Dachstube und Bilddetails
Links beleuchtet ein kleines Fenster das Zimmer; dahinter sind verschneite Dächer zu sehen. Rechts erkennt man Dachsparren und eine Tür. Über der Schlafstelle hängt ein Regenschirm, der vor durch das Dach tropfender Feuchtigkeit schützt. Ein grüner Kachelofen bleibt ohne Feuer. Der Dichter besitzt kein Bett, sondern liegt auf einer Matratze am Boden. Er trägt einen zerschlissenen, am Ellbogen geflickten Schlafrock und eine Schlafmütze.
Auf den Knien hält er Manuskriptseiten. Seine rechte Hand bildet mit Daumen und Mittelfinger eine Geste, die er durch die Brille betrachtet. Vor der Matratze liegen Bücher und Schachteln mit einem Tintenfass. Ein Buch trägt den Titel „Gradus ad Parnassum“ („Stufen zum Parnass“). Dies kann entweder Johann Joseph Fux’ theoretisches Hauptwerk von 1725 oder, im Zusammenhang des Bildes näherliegend, Paul Alers 1702 in Köln veröffentlichte Anleitung zum Schreiben lateinischer Verse bezeichnen. An der Wand steht wahrscheinlich das Versmaß des Hexameters in roter Farbe.
Weitere Gegenstände verdeutlichen die Not: Kerze und Waschschüssel stehen auf dem Ofen, ein löchriges Handtuch hängt darüber. Am kalten Ofenrohr hängt ein Zylinderhut. Im Ofenloch stecken Papiere; weitere Blätter sind mit „Operum meorum fasciculum III“ („Das dritte Bündel meiner Werke“) beschriftet. Dazu kommen ein einzelner Stiefel, Stiefelknecht, Mustopf, Ausgehrock und Spazierstock. Der Dichter bleibt im Bett, um warm zu bleiben; heizen könnte er nur, indem er seine Werke verbrennt.
Deutung und kunstgeschichtlicher Zusammenhang
Unklar ist, was der Poet mit den Fingern seiner rechten Hand tut. Einer Deutung zufolge skandiert er einen Vers, also spricht und gliedert ihn nach seinem Versmaß. Nach einer anderen zerdrückt er einen Floh. Diese Auslegung würde ironisch den Gegensatz zwischen dem hohen Anspruch des Dichters und seiner tatsächlichen Lage zeigen.
Das Motiv eines Künstlers im ärmlichen Zimmer gab es bereits vor Spitzweg: William Hogarth behandelte es 1736, William Turner 1809; Tommaso Minardi schuf in dieser Art ein Selbstporträt. Honoré Daumier griff das Thema später in Poète dans la mansarde (1842) und Locataires et Proprietaires: Brigand de proprietaire (1847) auf. Den Titel übernahm Spitzweg vermutlich von August von Kotzebues Schauspiel Der arme Poet aus dem Jahr 1812.
Fassungen und spätere Wirkung
Nach dem heutigen Forschungsstand diente der Münchner Dichter Mathias Etenhueber (1722–1782), der meist in finanzieller Not lebte, als Vorbild. Es gibt drei fertig ausgeführte Fassungen, alle von 1839. Die mutmaßliche Erstfassung ist in Privatbesitz und war früher Leihgabe im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Die Münchner Fassung erhielt die Neue Pinakothek 1887 als Schenkung von Spitzwegs Neffen. Eine Berliner Fassung befand sich in der Nationalgalerie.
Am 12. Dezember 1976 stahl Frank Uwe Laysiepen, auch Ulay genannt, die Berliner Fassung im Rahmen einer politischen Kunstaktion, gab sie jedoch nach wenigen Stunden zurück. Am 3. September 1989 wurde sie zusammen mit Spitzwegs Der Liebesbrief gewaltsam aus Schloss Charlottenburg geraubt. Beide Bilder sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Eine Ölskizze von 1837 wurde im Januar 2012 bei Sotheby’s in New York für 542.500 US-Dollar versteigert und befindet sich im Grohmann Museum in Milwaukee.
Als Spitzweg das Bild 1839 im Münchener Kunstverein ausstellte, fiel die Kritik scharf aus: Der „beabsichtigte Witz“ wurde als „stimmungslos und fade“ bezeichnet, und das Werk galt als Verhöhnung der Dichterkunst. Die schlechten Kritiken führten dazu, dass Spitzweg später meist nur noch mit seinem Monogramm, einem stilisierten Spitzweck, signierte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergab eine Umfrage, dass das Bild nach Leonardo da Vincis Mona Lisa zu den beliebtesten Bildern der Deutschen zählt. 2008 widmete die Deutsche Post ihm eine Sonderbriefmarke; im Musikvideo Holiday von Madonna (1983) erscheint es als Hintergrundkulisse einer Spielszene mit einem Schauspieler als Poet.