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Der Widerspenstigen Zähmung
Der Widerspenstigen Zähmung (engl. The Taming of the Shrew) ist eine Komödie von William Shakespeare. Das Werk spielt in der italienischen Stadt Padua und …
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Grundkonflikt
Der Widerspenstigen Zähmung (englisch The Taming of the Shrew) ist eine frühe Komödie William Shakespeares. Sie spielt in Padua und verbindet die Heiratspläne des reichen Kaufmanns Baptista für seine Töchter Bianca und Katharina mit einer Rahmenhandlung um den betrunkenen Kesselflicker Schlau. Im Mittelpunkt steht die „Zähmung“ der als widerspenstig dargestellten Katharina durch Petruchio.
Das Stück war vermutlich spätestens im Sommer 1592 abgeschlossen; ein Aufführungsnachweis findet sich in Philip Henslowes Tagebuch vom Juni 1594. Der einzige authentische Text steht in der First Folio von 1623. Wegen der misogynen, also frauenfeindlichen, Handlungselemente wird das Werk seit dem späten 19. Jahrhundert häufig als „problem play“ betrachtet und unter dem Gesichtspunkt der frühneuzeitlichen Geschlechterpolitik diskutiert.
Handlung
Im Prolog findet ein Lord den betrunkenen und eingeschlafenen Kesselflicker Schlau auf der Straße. Als Scherz lässt er ihn auf sein Schloss bringen. Beim Erwachen wird Schlau eingeredet, er sei ein Lord, der 15 Jahre geisteskrank gewesen sei; sein bisheriges Leben sei nur ein Traum gewesen. Ein als Frau verkleideter Diener spielt seine Ehefrau. Eine wandernde Theatertruppe führt ihm anschließend die eigentliche Komödie vor.
Lucentio liebt Bianca, die jüngere Tochter Baptistas. Baptista will sie jedoch erst verheiraten, wenn die ältere Katharina einen Mann hat. Lucentio muss daher seine Rivalen Hortensio und Gremio umgehen und zugleich einen Ehemann für Katharina finden. Petruchio, der eine reiche Partie sucht, erklärt trotz Katharinas Widerstand: „will you, nill you, I will marry you“ (II.i.263). Bei der Hochzeit erscheint er zu spät und auffällig schlecht gekleidet.
In seinem Haus entzieht Petruchio Katharina unter dem Vorwand der Fürsorge Essen und andere Annehmlichkeiten. Er zwingt sie auch zu sprachlichem Gehorsam: Als er mittags behauptet, der Mond scheine, muss sie ihm zustimmen; danach behauptet er, es sei die Sonne. Lucentio gewinnt inzwischen Bianca und Baptistas Einwilligung. Bei einem Bankett nach Biancas Hochzeit wetten die Männer, welche Ehefrau ihrem Mann am ehesten folgt. Katharina gehorcht als Einzige und hält einen Monolog über die Unterwürfigkeit der Frau.
Im Epilog der Rahmenhandlung schläft Schlau wieder. Der Lord lässt ihn vor die Gastwirtschaft zurückbringen; dort erwacht er und will zu seiner Frau nach Hause gehen.
Vorlagen und dramatische Mittel
Die drei Handlungsstränge beruhen auf unterschiedlichen Überlieferungen. Die Rahmenhandlung über den betrunkenen Mann, der zum Spaß als Herr behandelt wird, verwendet ein volkstümliches Motiv, das bereits in Märchen aus 1001 Nacht und in Balladen vorkommt. Gerhart Hauptmann griff es später in Schluck und Jau (1899) auf.
Die Handlung um Katharina gehört zum seit dem Mittelalter verbreiteten Motiv der shrew, einer zänkischen und widerborstigen Frau beziehungsweise eines „Weibsteufels“. In älteren englischen Balladen wie A Merry Jest of a Shrewed and Cursed Wife (um 1550) ist die shrew meist bereits verheiratet; ihr Mann setzt sich brutal mit Prügeln durch. Shakespeare verändert dieses Muster, indem Katharina vor der Ehe als widerspenstig erscheint und Petruchios Zähmung ohne solche körperliche Gewalt erfolgt.
Die Liebesintrige um Bianca knüpft an George Gascoignes The Supposes (1566) an, eine Bearbeitung von Ludovico Ariostos I Suppositi (1509 als Prosa, 1528–1531 als Versfassung). Das Motiv der supposes bedeutet „Täuschungen“ und „Verwechslungen“; Gascoigne definierte es als das Verkennen oder Imaginieren einer Sache für eine andere. Shakespeare nutzt es, um die Teilhandlungen zu verbinden. Die Tradition von Liebesintrigen und Konflikten junger Männer mit Vätern führt außerdem zu Plautus; die Dienernamen Tranio und Grumio erinnern an dessen Mostellaria.
Text, Datierung und umstrittenes Verhältnis zu A Shrew
Moderne Ausgaben beruhen auf dem Foliodruck von 1623. Seine Vorlage war wahrscheinlich entweder eine Entwurfsfassung Shakespeares oder eine für die Bühne provisorisch bearbeitete Umschrift seiner foul papers, also seiner Arbeitsmanuskripte. Einfügungen von Schauspielernamen anstelle von Figurennamen zeigen eine Bearbeitung für die Theaterpraxis.
Die genaue Entstehungszeit bleibt unsicher, weil 1594 anonym The Taming of a Shrew erschien. Dieses Stück spielt in Athen, benutzt meist andere Namen und ist dramatisch einfacher aufgebaut, verbindet aber ebenfalls dieselben drei Teilgeschichten. Einzelne Dialoge stimmen wörtlich überein, sind insgesamt jedoch unabhängig formuliert.
Für die Beziehung beider Stücke gibt es drei Hypothesen: A Shrew könne eine Vorstufe von The Shrew sein; es könne trotz des früheren Drucks eine abgeleitete Gedächtnisrekonstruktion, ein bad quarto, von The Shrew sein; oder beide könnten auf eine verlorene gemeinsame Urfassung zurückgehen. Die neuere Forschung sieht überwiegend The Shrew als Quelle für A Shrew und datiert Shakespeares Stück deshalb meist um oder vor 1593, etwa 1592. Dies bleibt teilweise strittig.
Aufführung, Kritik und deutsche Übersetzungen
Das Stück gilt als besonders wirkungsvoll auf der Bühne. Haupt- und Nebenhandlung verlaufen eigenständig, ergänzen und kontrastieren einander: Die Bianca-Handlung bietet Intrigen, Tricks und Wendungen, die Zähmungshandlung ist einfacher. Die Schlusswette gestaltet den Abschluss nochmals als „Drama im Kleinen“. Schon zur Entstehungszeit war das Werk sehr bekannt; seine Theatergeschichte blieb erfolgreich.
Aufführungen aktualisierten das Stück meist statt es historisierend zu spielen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen überwiegend Bearbeitungen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts betonte man das Klamaukhafte; ab der Mitte des 18. Jahrhunderts prägte David Garricks Catherine and Petruchio die Praxis und konzentrierte sich auf die Zähmungshandlung.
Kritik richtete sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gegen Petruchios Behandlung Katharinas und ihre Unterwerfungsrede. E. Griffin bezweifelte 1775 die moralische Vertretbarkeit des bedingungslosen Gehorsams; G. B. Shaw nannte das Werk 1897 eine peinliche „von der Herr-der-Schöpfung-Moral der Wette“. Besonders anstößig gelten Petruchios Besitzanspruch „She is my goods, my chattels, my field, my barn“ (II,2,229–232) sowie Katharinas Rede (V,2,136–179). Neuere Deutungen betonen entweder Rollenspiel oder Katharinas Entwicklung zur integrierten Persönlichkeit. Laut Suerbaum bleibt das Stück jedoch eine Männerphantasie, die ihren Anspruch zugleich „forsch vorträgt und subversiv untergräbt“.
Die erste deutsche Übersetzung erschien 1779 durch Johann Joachim Eschenburg als Die Kunst, eine Widerbellerinn zu zähmen. Die Schlegel-Tieck-Ausgabe veröffentlichte 1831 Wolf Heinrich Graf von Baudissins Der Widerspenstigen Zähmung. Neuere Übersetzungen stammen unter anderem von Erich Fried, Frank Günther und Anna Cron. Günther und Cron berücksichtigten eine ursprünglich Robert Greene zugeschriebene Fassung, in der Schlau auch am Schluss erwacht; dadurch kann die Zähmung als Traum des Betrunkenen relativiert werden.