Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Dassel (Patriziergeschlecht)
Das Geschlecht lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen und verzweigte sich seitdem mehrfach. Bedeutendster Zweig war ein in Lüneburg ansässiges …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick
Dassel, bis ins 20. Jahrhundert besitzbedingt auch von Dassel-Wellersen, ist der Name eines niedersächsischen Adelsgeschlechts. Es nennt sich nach der Stadt Dassel, dem Stammsitz der ausgestorbenen Grafen von Dassel. Das Geschlecht lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen und verzweigte sich seitdem mehrfach. Besonders wichtig war ein Zweig in Lüneburg, der als Patriziergeschlecht Bedeutung hatte. Patrizier waren Angehörige einflussreicher städtischer Oberschichten, die oft wirtschaftliche Macht und politische Ämter verbanden.
Entwicklung der Familie
Das Geschlecht erscheint erstmals um 1230 urkundlich mit Hermannus de Dasle im Gefolge der Grafen von Dassel. Am 29. Juli 1348 wird Mechthildis, die Tochter des Ritters Hermann von Dasle, erwähnt. Im 14. und 15. Jahrhundert erwarb die Familie im Umland von Einbeck umfangreichen Lehens- und Allodialbesitz. Lehensbesitz war Besitz, der von einem Lehnsherrn vergeben wurde; Allodialbesitz war freies Eigentum. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit dem Einbecker Bürger Hermannus de Dasle, der 1359 als Käufer in Hoppensen genannt wird.
In Einbeck errichtete die Familie 1600 ein großes Bürgerhaus. Der Vorgängerbau von 1317 war 1540 abgebrannt. Das sogenannte Steinerne Haus wurde über mehrere Generationen von Familienmitgliedern bewohnt. 1803 verkaufte Forstmeister Friedrich Thedel von Dassel, gestorben 1837 und Maire in Rotenkirchen, das Haus an einen Kaufmann namens Krome. Ab 1866 betrieben dessen Söhne im Hinterhof eine Weberei. Nach einem technischen Defekt brannten Weberei und Haus 1906 ab.
Der Lüneburger Zweig gelangte durch Tätigkeiten an der Lüneburger Saline zu finanziellem Erfolg und politischem Einfluss. Er besaß ein großes Patrizierhaus und starb im 19. Jahrhundert aus. Zeitweise gab es auch einen Zweig in Riga; dort ist im Silberschatz der Schwarzhäupter das Wappen der Familie auf einem Prunkstück von 1676 erhalten.
Stammreihe und Besitz Wellersen
Die Stammliste nennt Hermann von Dassel, verheiratet mit Mya Junge, als Ahnherrn derer von Dassel in Einbeck. Aus der Familie gingen unter anderem Dietrich von Dassel, gestorben 1444, und Dietrich II. von Dassel, gestorben 1490, hervor. Dietrich II. gilt als Ahnherr des Lüneburger Zweiges und war Ratsherr in Lüneburg. In der Folge treten mehrere Familienmitglieder in Lüneburg und Einbeck auf, darunter Bürgermeister, Ratsherren, ein Kanoniker in Bardowick und Georg III. von Dassel, gestorben 1626, der als Gründer von Hoppensen genannt wird.
Nicht alle urkundlich belegten Personen ließen sich in diese Stammliste einfügen. Das gilt für Dieterich von Dassel, der 1334 als Kanoniker im Merseburger Dom erwähnt wird, ebenso wie für Johann von Dassel, der 1298 in Rostock beurkundet ist.
1639 erwarb Georg Jeremias von Dassel auf Hoppensen das Nachbargut in Wellersen. Wellersen war ein landtagsfähiges Rittergut, also ein Gut mit besonderer ständischer Bedeutung. Es blieb bis in das 20. Jahrhundert in Familienhand und wurde später verkauft. Am 30. November 1872 wurde preußisch genehmigt, den Namen von Dassel-Wellersen zu führen, solange das Rittergut Wellersen bei der Nachkommenschaft blieb. Lonny von Griesheim, geborene von Dassel-Wellersen, lebte bis zu ihrem Tod 1970 in Wellersen.
Adelsrecht und Familienorganisation
Seit 1900 besteht ein Familienverein; Familientage fanden bereits davor statt. 1925 bestätigte ein Ausschuss für adelsrechtliche Fragen in Berlin die Wiederaufnahme in die Gothaischen Taschenbücher in der Abteilung A, Uradel, als Adelsmatrikel. Der Artikel nennt als möglichen Zusammenhang den Ursprung als eigentliche Patrizierfamilie. Die Genealogie der Familie war jedoch schon zuvor dort veröffentlicht worden.
Wappen
Das Stammwappen zeigt in Silber einen roten Balken vor drei grünen Lindenblättern, die in ein Schächerkreuz gestellt sind. Ein Schächerkreuz ist eine besondere Kreuzform. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken steht ein wachsender dreiblättriger Lindenzweig zwischen zwei silbernen Büffelhörnern, die jeweils mit einem roten Balken belegt sind.
Familienmitglieder und Stiftungen
Zu den bekannten Familienmitgliedern zählt der Artikel unter anderem Rainald von Dassel, gestorben 1167, Erzbischof von Köln; Lutke von Dassel, 1474–1537, deutscher Politiker; Hartwig von Dassel, 1557–1608, Ratsherr und Autor mehrerer rechtswissenschaftlicher Schriften; Albrecht von Dassel, 1602–1657, Ratsherr der Hansestadt Lübeck; Georg von Dassel, 1629–1687, deutscher Politiker; Margareta I. von Dassel, 1606–1667, und Margareta II. von Dassel, 1640–1680, beide Äbtissinnen im Kloster Medingen. Außerdem werden mehrere preußische Offiziere und Politiker genannt, darunter August von Dassel, 1784–1868, preußischer Generalmajor, und Johannes von Dassel, 1863–1928, General der Infanterie.
Ende des 19. Jahrhunderts bestanden bereits drei Stiftungen, deren Bestimmungen auf die Familie von Dassel zurückgingen: die Patriotische Stipendienkasse in Lüneburg, eine Stiftung für weibliche Mitglieder der Lüneburger Patrizierfamilien für das Kloster Medingen und die Hundt’sche Stiftung für Studenten aus der Familie von Dassel auf Hoppensen. Zum 1. Oktober 1910 entstand außerdem durch den 1908 verstorbenen Hauptmann, zuletzt Major, Otto von Dassel eine O. v. Hassel-Stiftung. Otto von Dassel wirkte auch als Genealoge, verfasste eigene Familiennachrichten und war Herausgeber der Familiengeschichtlichen Blätter, einer Monatsschrift zur Förderung der Familiengeschichtsforschung.