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Das Leben und das Schreiben

Das Leben und das Schreiben ist ein Doppelsachbuch des Autors Stephen King. Im ersten Teil erzählt er in großen Zeitsprüngen, reduziert auf die ihn für sein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Aufbau
  2. 2. Vom Leben zum Schriftsteller
  3. 3. Grundlagen des Schreibens
  4. 4. Überarbeiten und mit Testlesern prüfen
  5. 5. Rezeption und Ausgaben

Gegenstand und Aufbau

Das Leben und das Schreiben ist ein Doppelsachbuch des Autors Stephen King. Der erste Teil ist ein stark verkürzter Lebenslauf: King erzählt in großen Zeitsprüngen nur die Ereignisse und Erfahrungen, die seine Entwicklung als Schriftsteller geprägt haben. Der zweite Teil ist ein Werkstattgespräch über seine schriftstellerische Arbeit. Kings Hinweise zur Konstruktion guter Unterhaltungsliteratur richten sich zugleich an Leser aller Genres, die ihre Fähigkeiten des kritischen Lesens entwickeln möchten.

Zwei Motti stehen am Anfang des Buches: „Ehrlichkeit kommt weiter“ und „Die Wahrheit leidet Not“. King erklärt sie mit dem Satz: „Die Aufgabe von Literatur ist es, in einer fiktiven Welt die Wahrheit im Lügennetz der Geschichte zu finden.“ Daraus folgt sein Plädoyer für Glaubwürdigkeit und eine authentische Darstellung sozialer Verhältnisse.

Drei Anhänge erweitern den praktischen Nutzen des Buches: ein Bericht über seine Entstehung nach einem schweren Unfall, ein Textbeispiel für gründliche Korrekturen sowie eine Liste mit Buchempfehlungen. Außerdem enthält das Buch ein Namens- und Titelregister.

Vom Leben zum Schriftsteller

King bezeichnet den autobiografischen Teil ausdrücklich nicht als vollständige Autobiografie, sondern als „eine Art Lebenslauf“ und als Versuch, die Entwicklung zum Schriftsteller nachzuzeichnen. In selbstironischem Ton berichtet er von mehr als fünfzig Jahren, die zunächst von finanziellen Engpässen und später von einer beinahe zerstörerischen Alkohol- und Drogenabhängigkeit geprägt waren. Für King stehen seine prägenden Erlebnisse in engem Zusammenhang mit Inhalt und Form seiner Unterhaltungsliteratur.

Seinen Vater, der die Familie früh verließ, erinnert King nicht. Seine Mutter Nellie King, sein zwei Jahre älterer Bruder David und er bildeten „unsere kleine Familien-Troika“. Die Mutter arbeitete in einer Wäscherei und kämpfte darum, die Familie finanziell über Wasser zu halten. King beschreibt sie als „eine der ersten emanzipierten Frauen Amerikas, wenn auch nicht freiwillig.“

Früh interessierte er sich für Science-Fiction, Horror und Fantasy, las Comics und begann, eigene Geschichten zu schreiben. Magazine wie Writers Digest, Fantasy and Science Fiction und Ellery Queens Mystery Magazine veröffentlichten seine Texte jahrelang nicht. Die Rückmeldungen der Redakteure zeigten ihm jedoch allmählich, dass seine Geschichten Qualität besaßen: „Gute Geschichte. Nicht für uns, trotzdem gut. Sie haben Talent.“ Eine Geschichte verkaufte er für ein paar Cents an Klassenkameraden. Später wurde er Redakteur der Schülerzeitung und sorgte mit einer naiven vierseitigen Satire über die Lehrer für großes Aufsehen. Er bezeichnete dies als „die nützlichste Lektion in Sachen Schreiben, die ich je bekam.“

Als Sportreporter einer wöchentlichen Kleinstadtzeitung lernte er durch die radikalen Korrekturen des Herausgebers „in weniger als zehn Minuten“ mehr über das Schreiben als in Jahren am College. Um sich das Studium zu finanzieren, arbeitete er in einer Weberei sogar in Doppelschichten und schrieb weiterhin Geschichten, die er gelegentlich verkaufen konnte.

Auf der Universität von Maine lernte King seine spätere Frau Tabitha Spruce kennen. Nach der Universität fand er zunächst keine Stelle als Lehrer. Die Familie lebte mit zwei Kindern in einem gemieteten Trailer; King arbeitete in einer Wäscherei, und beide konnten die Familie gerade so versorgen. Er hatte dabei den Eindruck, „dass ich das Leben meiner Mutter“ wiederholte.

Die Entstehung und Formung der Ideen zu Carrie, seinem ersten großen Erfolg, beschreibt King als Beispiel dafür, wie „das Leben und das Schreiben“ einander beeinflussen. Der Erfolg löste die finanziellen Probleme der Familie mit einem Schlag. Später berichtet King, dass er sich sechs Jahre lang seiner Alkohol- und Drogenabhängigkeit hingab, unter anderem aus Angst vor dem Verlust seiner Kreativität und vor einer Rückkehr in die Armut: „Sechs Jahre lang saß ich betrunken oder vollkommen zugeknallt hinter diesem Tisch, wie der Kapitän eines Schiffes, der nicht weiß, wohin die Reise geht.“ Das Schreiben half ihm, dem Horror und der Verzweiflung zu begegnen; manchmal sei es ein Kraftakt gewesen, „um der Verzweiflung ins Auge zu spucken“.

Grundlagen des Schreibens

King ordnet sich der Unterhaltungsliteratur und den „profanen Kritzlern“ zu. Auch diese Autoren benötigen für eine erfolgreiche Vermarktung sichere erzählerische Fähigkeiten. Die grundlegende Aufgabe eines Schriftstellers besteht für ihn darin, Gedanken in die Köpfe der Leser zu übertragen. Diese Fähigkeit nennt er „Telepathie“. Schreiben sei vor allem eine Frage der Grundlagen und der harten Arbeit an Entwürfen; Schriftstellerei sei „genauso eine Arbeit wie Rohre verlegen oder Fernlastwagen fahren“.

In seinem „Werkzeugkasten“ erläutert King mit kommentierten Beispielen und Übungen Bausteine und Methoden des Schreibens. Gute Bücher entstünden durch ernsthafte Arbeit an den Texten, aber auch durch ausdauerndes Lesen anderer Bücher und die ständige Beobachtung, wie diese gemacht sind.

Auf der obersten und am häufigsten verwendeten Ebene des Werkzeugkastens stehen der Wortschatz, die Grammatik, die aktivische Darstellung und die Reduktion von Adverbien. King empfiehlt möglichst kurze und klare Wörter. Grammatik ist für ihn die Verbindung von Wörtern nach anerkannten Regeln. Passivkonstruktionen sowie eine übermäßige Verstärkung durch Adverbien und Adjektive hält er für Zeichen unsicheren Schreibens.

Die zweite Ebene betrifft die Absätze. Sie brauchen eine innere Struktur: Auf einen einleitenden Thema-Satz sollen die näheren Ausführungen folgen. King meint: „Ich bin der Meinung, dass nicht der Satz, sondern der Absatz die kleinste Einheit eines Textes darstellt.“ Der Absatz gibt dem Leser Orientierung für die folgenden Informationen.

Einen guten Roman könne man vor dem Beginn weder vollständig bis zum Ende planen noch gezielt für eine bestimmte Marktlücke konstruieren. Ein Roman schreibe sich von selbst oder gar nicht. Seine tragenden Themen werden nach Kings Erfahrung durch Vorlieben, Lebenserfahrungen und ungelöste Fragen des Autors mitbestimmt. Er beginnt daher nicht mit einer Botschaft oder einer festgelegten tieferen Bedeutung, sondern mit einer erlebten Situation und der Idee zu einer interessanten Geschichte.

Aus einer fesselnden Ausgangssituation entwickelt sich der Roman durch Handlungsfaden, Umstände und Dialoge. Eine Symbolik kann die Thematik veranschaulichen, darf aber nicht übertrieben werden. Die erfundene Welt ist grundsätzlich unbegrenzt, muss jedoch glaubwürdig bleiben. Bei den Figuren kommt es darauf an, Stereotype zu vermeiden und ihr Verhalten durch anschauliche Details lebensnah zu zeigen („show, don’t tell“). Auch „böse“ Außenseiter-Protagonisten sollen für die Leser in ihrem Handeln und Denken verständlich werden.

Überarbeiten und mit Testlesern prüfen

Nach der ersten Fassung beginnt die Überarbeitung. King hält es für notwendig, manchmal eigene „Lieblingsideen zu töten“ und den Umfang der ersten Fassung um etwa 10 % zu kürzen. Die wichtigste Voraussetzung ist genügend Abstand zum eigenen Entwurf, damit der Autor den Text „mit fremden Augen“ lesen kann. King nennt diese Phase ein „Neuentdecken“ des eigenen Buches; gelegentlich erkenne er erst nach der Rohfassung das eigentliche Thema.

Themen, die beim Beginn des Schreibens nicht feststehen müssen, werden bei der Überarbeitung wichtig. Dann werden Handlungsfäden entwirrt und die Darstellung bereinigt, ergänzt oder stärker fokussiert.

Erst nach dieser ersten Überarbeitung gibt King die zweite Fassung seiner Frau und Freunden als Testlesern. Ihre Rückmeldungen helfen, das richtige Maß für Erzähltempo, Vorgeschichten und notwendige Rückblenden zu finden, besonders wenn eine Geschichte den Leser von Anfang an in medias res führt. Rückblenden und fortschreitende Handlung können außerdem Recherche über den Rahmen der Geschichte erfordern. Dieses Wissen muss sich der Autor aneignen, soll es aber nur dosiert im Text ausbreiten, damit die Leser nicht gelangweilt werden.

Rezeption und Ausgaben

Rüdiger Wartusch beschrieb das Buch in der Frankfurter Rundschau am 15. Februar 2001 als eine Art Anleitung für Menschen, die Bestsellerautoren werden möchten. King plaudere aus dem Nähkästchen, gebe praktische Handlungsanweisungen, spreche über die Herkunft von Ideen und erkläre Funktionsweisen und Hintergründe des Buchmarkts. Dabei sei er laut Wartusch erstaunlich ehrlich und selbstkritisch.

Charlotte Richter-Peill lobte in der Textmanufaktur Kings humorvollen Ton. Selbst Ausführungen über Grammatik würden dadurch zu einem großen Lesevergnügen. Sie bewertete das Buch als bereichernde Lektüre für Anfänger, erfahrene Autoren und Stephen-King-Fans. Benedict Wells nannte es „die Bibel für alle, die damit anfangen“ und hob besonders hervor, dass King seinen Arbeitsprozess anhand vieler Beispiele veranschauliche.

Die englische Originalausgabe erschien als Stephen King: On Writing: A Memoir of the Craft bei Scribner 2000, ISBN 978-0-684-85352-9. Eine Ausgabe von Pocket Books erschien 2002, ISBN 978-0-7434-5596-1. Die Twentieth Anniversary Edition mit Beiträgen von Joe Hill und Owen King veröffentlichte Hodder Paperbacks 2020, ISBN 978-1-4447-2325-0.

Die deutsche Übersetzung von Andrea Fischer erschien zunächst bei Ullstein in Berlin und München 2000, ISBN 3-550-07143-4. Eine Ausgabe des Heyne Verlags erschien 2011 in München, ISBN 978-3-453435742. Die durchgesehene und erweiterte Jubiläumsausgabe des Wilhelm Heyne Verlags erschien 2025 in München, ISBN 978-3-453-44297-9.

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