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Chartreuse (Gebirge)
Die Chartreuse ist ein voralpines Gebirgsmassiv aus Kalkstein in den nördlichen französischen Alpen. Das Massiv, dessen höchster Gipfel die Chamechaude mit …
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Überblick und Lage
Die Chartreuse ist ein voralpines Gebirgsmassiv aus Kalkstein in den nördlichen französischen Alpen. Es gehört geografisch zu den Chaînes Subalpines Septentrionales (nördliche Voralpen) und geologisch zu den Französischen Kalkalpen. Der höchste Gipfel ist die Chamechaude mit 2082 m. Das dünn besiedelte Gebiet liegt zu drei Vierteln im Département Isère und zu einem Viertel im Département Savoie, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes zwischen Grenoble und Chambéry.
Im Norden und Nordosten trennt die Talfurche von Chambéry, ein leicht gekrümmtes Längstal, die Chartreuse von den Bauges. Östlich und südöstlich grenzt das breite Isèretal, hier Grésivaudan genannt, das Massiv von der kristallinen Hochgebirgsgruppe Belledonne ab. Bei Grenoble beschreibt die Isère einen scharfen Bogen; ihr Durchbruchstal Cluse de l’Isère trennt die Chartreuse vom südwestlich gelegenen Vercors. Im Westen führt nur eine schmale Talfurche zu den Antiklinalen von Ratz und Épine, den südlichsten Ketten des Juragebirges; weiter westlich liegt das Molassebecken des Rhonegrabens.
Bedeutsam für die Kulturgeschichte ist das Kloster Grande Chartreuse: Bruno von Köln gründete es 1084 in einem abgelegenen Seitental des Guiers-Mort. Es ist das Mutterkloster des Kartäuserordens.
Relief, Gipfel und Gewässer
Die Chartreuse erstreckt sich ungefähr 40 km in Südsüdwest-Nordnordost-Richtung und ist rund 15 km breit. Mehrere Bergketten folgen dieser Richtung. Zwischen ihnen liegen die schmalen Längstäler beziehungsweise Längsmulden von Saint-Pierre-de-Chartreuse und Saint-Pierre-d’Entremont sowie zwei schmale, tief eingeschnittene Quertäler. Typisch sind meist senkrecht abfallende, bis zu 200 m hohe und oft steilgestellte Kalksteinwände. Teilweise lassen sie sich fast ohne Unterbrechung über bis zu 10 km verfolgen. An der Ostseite liegt auf durchschnittlich 1000 m das Plateau des Petites Roches. Diese Terrasse mit mehreren Ortschaften liegt etwa 700 m über dem Talboden des Grésivaudan.
Wichtige Gipfel sind neben der Chamechaude die Dent de Crolles (2062 m), die Lances de Malissard (2045 m), der Grand Som (2026 m), der Mont Granier (1933 m), die Grande Sure (1920 m), der Charmant Som (1867 m), die Pinéa (1773 m) und der Mont Outheran (1676 m). Der Mont Granier ist ein markanter Bergstock im Nordosten; bei einem historischen Bergsturz am 24. November 1248 kamen tausende Menschen ums Leben.
Der Guiers Vif und der Guiers Mort entwässern einen Großteil des Massivs. Beide entspringen als Karstquellen am Westhang der östlichsten Bergkette. Sie fließen westwärts durch die Längsmulde und schneiden anschließend in wilden Schluchten durch die westlichen Bergketten. Bei Entre-deux-Guiers vereinigen sie sich zum Guiers, der nach Norden zur Rhône fließt. Der südlichste Teil und die Ostflanke der Chartreuse gehören zum Einzugsgebiet der Isère; kurze Wildbäche haben dort Erosionsrinnen geschaffen.
Entstehung und Gesteine
Strukturgeologisch ist die Chartreuse ein Faltengebirge am Rand der Westalpen. Ihre mächtigen Gesteinsschichten bestehen vor allem aus Sedimenten des Mesozoikums, die im Ozean der Tethys abgelagert wurden. Die Schichtfolge reicht von der unteren Jurazeit, dem Lias vor ungefähr 200 Millionen Jahren, bis zur Oberkreide vor rund 65 Millionen Jahren. In dieser Zeit entstanden tonige und mergelige Schichten sowie Kalksteine. Kalksteine weisen auf ein warmes Flachmeer hin; Mergel entstanden vor allem in kühlerem Wasser und zum Teil unter tiefmarinen Bedingungen, also im Tiefmeer. Die Mächtigkeit der Schichten ist regional unterschiedlich: Die Schichten der Unterkreide werden von West nach Ost in einem Profil um mehr als 100 % mächtiger.
Im frühen Tertiär lagerten sich zusätzlich Sande, Mergel und Kalke ab. Während der Alpenfaltung wurden die Sedimente über den Meeresspiegel gehoben und zusammengeschoben. Danach trugen Wasser, Wind und Eis Gestein ab und verfrachteten das Material ins Alpenvorland. Deshalb sind die alttertiären Sedimente weitgehend verschwunden. Am Westrand des Massivs entstand im Miozän ein Meeresbecken, das sich später mit Abtragungsmaterial aus dem sich hebenden Gebirge füllte.
Hebungen, Senkungen, Verwerfungen, Störungslinien und Aufschiebungen prägten das Massiv. Eine Aufschiebung ist dabei das Überschieben von Gesteinsschichten entlang einer Störung. Im Westen kennzeichnen drei bis vier aufeinanderfolgende Überschiebungen Sedimente vom oberen Jura bis zur oberen Kreide; die Schichten fallen deshalb nach Südosten und Osten ein. Der Osten ist weniger stark gefaltet, aber ebenfalls durch Bruchlinien gestört. Wegen des starken Zusammenschubs sind Antiklinalen und Synklinalen, also aufwärts beziehungsweise muldenförmig gebogene Schichten, im Relief weniger deutlich erkennbar als in den Bauges.
Während der Eiszeiten formten Gletscher die breiten begrenzenden Täler; die Chartreuse selbst blieb bis auf einige Kargletscher weitgehend eisfrei. Besonders prägend sind die Urgonkalke, die in der Kreidezeit vor rund 110 Millionen Jahren abgelagert wurden. Sie bilden in fast dem gesamten Massiv Gipfel und schroffe Felswände, etwa an Chamechaude, Dent de Crolles, Grand Som und Mont Granier. Fontanil-Kalke der Unterkreide treten an der Grande Sure und unter dem Urgonkalk auf. Tithonkalke sind besonders an der Ostflanke unterhalb des Plateau des Petites Roches, am Ecoutoux und am Mont Saint-Eynard sichtbar. Weichere Mergel wurden stärker abgetragen; in ihnen liegt beispielsweise die Längsmulde vom Col de Porte über Saint-Pierre-de-Chartreuse und Saint-Pierre-d’Entremont bis zum Col du Granier.
Siedlung, Nutzung und Tourismus
Die Chartreuse ist dünn besiedelt. Größere Städte und Orte liegen vor allem in den Randtälern: Grenoble mit seinen Vororten im Isèretal im Süden, Chambéry im Norden, Pontcharra im Osten sowie Voreppe, Voiron und Saint-Laurent-du-Pont im Westen. In den inneren Tälern und Mulden gibt es Streusiedlungen und zahlreiche Einzelhöfe, aber keine Gemeinde mit mehr als 1000 Einwohnern. Zentrale Orte sind Saint-Pierre-de-Chartreuse und Saint-Pierre-d’Entremont, das durch die Grenze zwischen Isère und Savoie geteilt ist.
Die Bevölkerung lebt vom Tourismus, von Milchwirtschaft und Viehzucht sowie von der Holzwirtschaft. In den flacheren Mulden liegen Wiesen und Weiden, die Hänge sind überwiegend bewaldet. Die Waldgrenze befindet sich bei etwa 1800 m; darüber liegen Alpweiden.
Das Gebirge ist ein Erholungsraum für Grenoble und Chambéry, doch ist die touristische Infrastruktur weniger stark ausgebaut als in den östlich an Grenoble anschließenden Alpen. Im Sommer und im Winter werden die Bergketten genutzt. Wintersportstationen mit Bergbahnen und Skiliften sind Le Désert-d’Entremont auf etwa 1100 bis 1500 m, Saint-Pierre-de-Chartreuse und Le Planolet am Col du Cucheron auf etwa 1000 bis 1700 m, der Col de Porte auf etwa 1300 bis 1600 m, Le Sappey-en-Chartreuse, der sanft gegliederte Bereich Le Charmant Som sowie Saint-Hilaire auf dem Plateau des Petites Roches.
Schutz des Berggebiets
Seit 1995 schützt der Regionale Naturpark Chartreuse, französisch Parc naturel régional de Chartreuse, die reiche Flora und Fauna des Berggebiets. Der Naturpark umfasst 690 km².