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Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung – 6 Faktoren

Die sechs Globalfaktoren wurden mittels einer Faktorenanalyse aus dem Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP, Hossiep & Paschen, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Zweck
  2. 2. Die sechs Persönlichkeitsfaktoren
  3. 3. Engagement, Disziplin und Sozialkompetenz
  4. 4. Kooperation, Dominanz und Stabilität
  5. 5. Gütekriterien und Bewertung
  6. 6. Weitere Formen und internationale Ausgaben

Überblick und Zweck

Das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung – 6 Faktoren, kurz BIP-6F, ist ein psychologisches Testverfahren in Fragebogenform. Es wurde von Rüdiger Hossiep und Claudia Krüger 2012 veröffentlicht und dient dazu, sechs globale, berufsrelevante Persönlichkeitseigenschaften systematisch zu erfassen.

Die sechs Globalfaktoren wurden mithilfe einer Faktorenanalyse aus dem Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung, kurz BIP, von Hossiep und Paschen aus dem Jahr 2003 gewonnen und durch weitere Fragen ergänzt. Das BIP-6F ist aber keine Kurzversion des BIP, sondern ein eigenständiges Fragebogenverfahren.

Die Hauptzielgruppe sind berufstätige Fach- und Führungskräfte. Das Verfahren kann auch bei anderen Personen eingesetzt werden, wenn sie mindestens grundlegende Berufserfahrungen haben, zum Beispiel durch Praktika oder Nebentätigkeiten. Der Fragebogen umfasst 48 Aussagen, sogenannte Items, die von der teilnehmenden Person eingeschätzt werden. Die Bearbeitung ist auf Papier oder am Computer möglich und dauert jeweils etwa 10 Minuten.

Die sechs Persönlichkeitsfaktoren

Das BIP-6F besteht aus den sechs Faktoren Engagement, Disziplin, Sozialkompetenz, Kooperation, Dominanz und Stabilität. Ein Faktor ist hier ein übergeordnetes Persönlichkeitsmerkmal. Jeder Faktor enthält außerdem Facetten, also genauere Teilmerkmale auf einer niedrigeren Abstraktionsebene.

Engagement beschreibt unter anderem den Stellenwert beruflicher Tätigkeit im Vergleich zu anderen Lebensbereichen und die Anforderungen an die eigene Leistung. Disziplin bezieht sich auf planvolles, sorgfältiges und analytisches Vorgehen. Sozialkompetenz beschreibt den Umgang mit anderen Menschen, etwa Kontaktfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Kooperation betrifft die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Dominanz beschreibt Durchsetzungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft. Stabilität meint Belastbarkeit, Selbstbewusstsein und den Umgang mit Stress oder Frustration.

Engagement, Disziplin und Sozialkompetenz

Der Faktor Engagement setzt sich aus den Facetten Karriereorientierung, Leistungsanspruch und Wettbewerbsorientierung zusammen. Personen mit hoher Ausprägung sehen sich als Triebfeder von Fortschritt und Veränderung. Sie werden durch Wettbewerb motiviert und gelten als stark leistungsorientiert und ehrgeizig.

Disziplin umfasst die Facetten Planungs-/Strukturorientierung, Sorgfalt und Analyseorientierung. Eine hohe Ausprägung weist auf Personen hin, die Ergebnisse sorgfältig kontrollieren, Entscheidungen erst nach gründlicher Analyse treffen und Tätigkeiten systematisch sowie langfristig planen.

Sozialkompetenz umfasst die Facetten Kontaktstärke, Einfühlungsvermögen und Begeisterungsfähigkeit. Personen mit hoher Ausprägung gehen auf andere zu und knüpfen schnell Kontakte. Sie treten lebhaft auf, können andere begeistern und haben ein gutes Gespür für unterschiedliche Charaktere.

Kooperation, Dominanz und Stabilität

Kooperation umfasst die Facetten Teamorientierung, Kompromissbereitschaft und Integrationsfähigkeit. Eine hohe Ausprägung bedeutet, dass Personen gerne mit anderen zusammenarbeiten, ihre besten Arbeitsergebnisse im Team erzielen und Zusammenarbeit sowie Austausch mit anderen suchen.

Dominanz umfasst die Facetten Durchsetzungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft. Personen mit hoher Ausprägung setzen ihren Standpunkt auch gegen Widerstände durch. Sie denken und handeln unabhängig und können andere möglicherweise durch kritische oder ironische Äußerungen verletzen.

Stabilität umfasst die Facetten Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Stress-/Frustrationstoleranz. Eine hohe Ausprägung bedeutet, dass eine Person auch bei hoher Belastung leistungsfähig bleibt, selbstbewusst auftritt und auch ohne unmittelbare Anerkennung oder Belohnung motiviert ist.

Gütekriterien und Bewertung

Für psychologische Tests sind Gütekriterien wichtig, weil sie zeigen sollen, ob ein Verfahren zuverlässig und sinnvoll misst. Beim BIP-6F beträgt Cronbachs Alpha für alle sechs Skalen in der Selbstbeschreibung, in der Fremdbeschreibung und im Anforderungsmodul durchgehend mindestens .73. Cronbachs Alpha ist ein Maß für die Reliabilität, also dafür, wie zuverlässig eine Skala misst. Der Artikel folgert daraus, dass bei allen Verfahren von einer reliablen Messung ausgegangen werden kann, die psychometrischen Ansprüchen genügt.

Zur Kriteriumsvalidität, also zur Frage, wie gut Testergebnisse mit relevanten äußeren Kriterien zusammenhängen, wird angegeben, dass das Verfahren 11–17 Prozent der Varianz verschiedener Kriterien wie Arbeitszufriedenheit und Entgelt aufklären kann.

Das Diagnostik- und Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen bewertet den BIP-6F als „ein nach wissenschaftlichen Kriterien sehr gut und sorgfältig entwickeltes Verfahren, das gleichsam eine ökonomische wie inhaltlich wertvolle Erfassung von sechs berufsbezogenen Persönlichkeitsfaktoren ermöglicht.“

Weitere Formen und internationale Ausgaben

Neben dem Selbstbeschreibungsinventar BIP-6F-SI gibt es ein Fremdbeschreibungsinventar, das BIP-6F-FI. Damit können Selbstbild und Fremdbild verglichen werden, also die eigene Einschätzung einer Person und die Einschätzung durch Personen aus ihrem beruflichen Umfeld.

Außerdem gibt es ein Anforderungsmodul, das BIP-6F-AM. Damit können die persönlichkeitsbezogenen Anforderungen einer Position mit der Persönlichkeit eines Bewerbers oder einer Bewerberin abgeglichen werden.

Internationale Versionen erschienen unter anderem als italienische Auflage 2014, als russische Auflage 2015 und als „Business-focused Inventory of Personality - 6 Factors“ in der 2. englischen Auflage bei Hogrefe UK 2021.

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