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Bestätigungsfehler
Ein Bestätigungsfehler (auch Bestätigungsfehlschluss oder Bestätigungsverzerrung, engl. confirmation bias) ist ein Begriff der Kognitionspsychologie, …
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Begriff und Bedeutung
Ein Bestätigungsfehler, auch Bestätigungsfehlschluss oder Bestätigungsverzerrung genannt, ist eine kognitive Verzerrung: Menschen neigen dazu, Informationen so zu suchen, auszuwählen und auszulegen, dass diese ihre Erwartungen oder bestehenden Überzeugungen bestätigen. Die erste Theorie dazu stammt von Peter Wason aus den Jahren 1960 und 1968. Der Bestätigungsfehler betrifft zahlreiche Prozesse der Informationsverarbeitung und gilt als Grundlage verschiedener weiterer Verzerrungen und Urteilsfehler.
Wason war von Karl Poppers Falsifikationismus beeinflusst. Danach sollten Hypothesen nicht nur durch passende Beobachtungen gestützt, sondern gezielt mit möglicherweise widerlegenden Hinweisen geprüft werden. Wason nahm dagegen an, dass Menschen bevorzugt nach Bestätigung suchen. Allgemein liegt ein Bestätigungsfehler vor, wenn eine Hypothese unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt durch Auswahl, Erinnerung oder Interpretation von Informationen eher bestätigt wird.
Die Forschung hat die einfache Annahme eines allgegenwärtigen, systematischen Bestätigungsfehlers allerdings stark infrage gestellt. Dennoch kann die Neigung zur Bestätigung beim Erinnern, Wahrnehmen, Interpretieren und bei der Wahl von Suchstrategien auftreten. Besonders wahrscheinlich ist sie, wenn eine Theorie bereits fest etabliert ist oder die erwartete Bestätigung als angenehm oder erstrebenswert gilt. Nach Trope und Liberman (1996) ist außerdem wichtig, welche Kosten eine Fehlentscheidung hätte: Menschen versuchen vor allem, folgenschwere Fehler zu vermeiden, unabhängig davon, ob sie eine Hypothese bestätigen oder widerlegen möchten.
Bestätigende Informationen können bevorzugt werden, weil passende Angaben besser in Erinnerung bleiben, stärker bewertet werden als widersprechende Angaben oder weil Quellen mit unpassenden Informationen gemieden werden.
Positive Teststrategie
Joshua Klayman und Young-Won Ha unterschieden 1987 den Bestätigungsfehler von der positiven Teststrategie, kurz PTS. Die PTS ist eine allgemeine Methode zur Prüfung von Hypothesen. Dabei untersucht man vor allem Werte oder Ereignisse, die bereits aufgetreten sind oder erwartet werden.
Die verkürzte Aussage, Menschen suchten nur nach Hinweisen, die ihre Meinung bestätigen, beschreibt diese Strategie nicht richtig. Untersuchungen zeigen, dass eine PTS nur in Ausnahmefällen einen Bestätigungsfehler hervorruft. Als Heuristik, also als vereinfachte praktische Vorgehensweise, begrenzt sie die sehr große Zahl möglicher Untersuchungen auf eine plausible und überprüfbare Auswahl. Sie kann deshalb effektiv und rational sein und sogar zur Widerlegung einer Hypothese führen.
Ein systematischer Fehler entsteht erst unter besonderen Bedingungen: Die durch die PTS ausgewählten Daten müssen eine Teilmenge derjenigen Daten sein, die eigentlich zu einer anderen, korrekten Hypothese gehören. Dann können die Prüfungen wiederholt eine falsche Hypothese bestätigen. Außerdem geben Versuchspersonen eher zustimmende Antworten. Treffender ist daher die Aussage: Menschen neigen dazu, Prüfungsfragen so zu formulieren, dass zustimmende Antworten ihre Annahmen bestätigen.
Politik und Rechtsprechung
In der Politik beeinflussen bestehende Überzeugungen die Bewertung neuer Informationen. Sigelman und Sigelman befragten 1984 Personen zur Präsidentschaftsdebatte zwischen Ronald Reagan und Jimmy Carter von 1980. Obwohl alle dieselbe Debatte gesehen hatten, betrachteten Carter-Anhänger Carter und Reagan-Anhänger Reagan als Gewinner. Auch andere politische Informationen werden häufig so ausgelegt, dass sie zu vorhandenen Ansichten passen; Tatsachen können dabei übergangen oder umgedeutet werden. „Fake News“ werden eher geglaubt, wenn sie zum eigenen Wissensstand passen. Dadurch können sich Meinungen verstärken und politische Polarisierung entstehen.
Auch juristische Akteure, die unparteiisch und objektiv entscheiden sollen und wollen, können unbewusst einem Bestätigungsfehler unterliegen. Er kann sämtliche Stufen der Rechtsprechung betreffen, vom Tatort bis zum Gericht. Despodova, Kukucka und Hiley untersuchten 2020 anhand einer fiktiven Situation, wie Rechtsbeistände mögliche Bestätigungsfehler medizinischer Gutachtender einschätzen. Obwohl man sie auf die Möglichkeit eines forensischen Bestätigungsfehlers hingewiesen hatte, unterschätzten sie ihn und bewerteten das Gutachten nicht kritisch genug. Bei realen Angeklagten könnte dies die Verteidigungschancen erheblich verringern.
Meterko und Cooper schlugen 2022 zwei Gegenmaßnahmen vor: Unnötige Kontextinformationen, die Beteiligte unbewusst beeinflussen könnten, sollen vermieden werden. Außerdem soll die Reihenfolge der Beweispräsentation kontrolliert werden, damit Beteiligte sich nicht vorschnell auf eine Tathypothese festlegen.
Soziale Medien
In sozialen Medien wie Instagram oder Tiktok können Filterblasen und Echo Chambers entstehen. Das sind Umgebungen, in denen Personen überwiegend Inhalte und Meinungen begegnen, die zu ihren eigenen Interessen und Ansichten passen. Dadurch kann die Bestätigungsverzerrung verstärkt werden und bestehende Überzeugungen können sich verfestigen.
Videos und Bilder wirken wegen ihres visuellen und interaktiven Charakters stärker auf die Bestätigungsverzerrung als reine Textinhalte. Entscheidend sind aber nicht nur die angezeigten Inhalte, sondern auch die sozialen Verbindungen: Je stärker jemand ausschließlich mit Gleichdenkenden vernetzt ist, desto größer kann der Bestätigungsfehler werden. Wie in der Politik kann dies zur Polarisierung der Nutzenden beitragen. Filterblasen und Echo Chambers haben jedoch nicht ausschließlich negative Folgen. Vor allem Jugendliche können durch den Austausch mit Gleichgesinnten Zugehörigkeit und Identität erfahren.
Erinnerung und Kontext
Beim selektiven Erinnern ist die Forschungslage nicht so eindeutig, wie die allgemeine Beschreibung des Bestätigungsfehlers vermuten lässt. Wer bereits eine feste Meinung hat, erinnert sich nach einer Diskussion sowohl an Argumente für die eigene als auch an Argumente für die gegnerische Position. Es gibt keine eindeutigen Hinweise darauf, dass bestätigende Informationen besser erinnert werden als widersprechende.
Der Contextual bias ist eine besondere Form des Bestätigungsfehlers. Er bezeichnet den Einfluss zusätzlicher Kontextinformationen auf die Verarbeitung und Bewertung der eigentlich entscheidenden Informationen. Rassin zeigte 2020, dass solche Angaben juristische Urteile beeinflussen können, obwohl sie nichts zur Schuldfrage beitrugen. In der Studie erhielten Richter Fallberichte mit entweder positiven oder negativen Kontextinformationen. Die Mehrheit der Richter mit positiven Kontextinformationen stimmte gegen eine Verurteilung des Verdächtigen; negative Kontextinformationen führten dagegen überwiegend zu Verurteilungen. Das Beispiel zeigt, warum sachlich unnötiger Kontext bei Entscheidungen problematisch sein kann.