Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Archiv Frau und Musik

Das Archiv Frau und Musik ist ein in Frankfurt am Main ansässiges internationales Musikarchiv. Es ist das weltweit größte und bedeutendste Archiv zur Musik …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Geschichte
  3. 3. Preise und Auszeichnungen
  4. 4. Projekte
  5. 5. Bestand

Überblick

Das Archiv Frau und Musik ist ein internationales Musikarchiv in Frankfurt am Main (Heinrich-Hoffmann-Straße 3). Es ist das weltweit größte und bedeutendste Archiv zur Musik von Komponistinnen und wurde 1979 in Köln durch eine Initiative der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg gegründet. Träger ist der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V. (eingetragener Verein). Gefördert wird es von der Stadt Frankfurt, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie durch Projektgelder der Frankfurter Stiftung maecenia, der Mariann Steegmann Foundation und des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF). Bis 2015 gab das Archiv die Fachzeitschrift VivaVoce heraus (zwei- bis dreimal pro Jahr, rund 100 Ausgaben). Als Forschungsstätte bietet es fachliche Beratung und Recherchen, Hilfe bei Konzertprogrammen und wissenschaftlichen Arbeiten, Archivführungen, Vorträge, Workshops, Aufnahme von Medien musikschaffender Frauen und Praktika an. Es ist u. a. Mitglied im Verbund der Frankfurter Museumsverbände, der International Alliance for Women in Music (IAWM), der International Association of Music Libraries (IAML), der GEMA, dem i.d.a.-Dachverband, bei Musica International und der Gesellschaft für Musikforschung (GfM).

Geschichte

Auslöser war 1977 ein Artikel Elke Mascha Blankenburgs über vergessene Komponistinnen in der Zeitschrift Emma. Daraufhin gründeten Musikerinnen, Dirigentinnen und Komponistinnen aus vielen Teilen der Welt einen Arbeitskreis mit dem Ziel, vergessene Kompositionen von Frauen aufzufinden und wieder aufzuführen. Im Oktober 1979 hatte die Initiative bereits 100 Mitglieder; dem Gründungsvorstand gehörten neben Elke Blankenburg auch die Komponistinnen Barbara Heller und Siegrid Ernst an. Nachforschungen in internationalen Musikbibliotheken brachten innerhalb eines Jahres Namen und Werke von über 300 Komponistinnen zutage – die Basis für die Gründung des Archivs. Der Sitz wechselte 1988 von Köln nach Kassel und schließlich 2001 nach Frankfurt. Von Oktober 2013 bis 2018 wurde das Facharchiv in der Roten Liste Kultur des Deutschen Kulturrates als gefährdet (Kategorie 2) eingestuft, weil die Stadt Frankfurt 2013 aus Sparmaßnahmen ihre finanzielle Unterstützung eingestellt hatte. Seit Oktober 2013 ist das Archiv Mitglied im i.d.a.-Dachverband der deutschsprachigen Frauen/Lesbenarchive. Am 17. November 2019 feierte es im Frankfurter Römer mit Festakt und Konzert sein 40-jähriges Bestehen. Vorstand des Trägervereins sind Mary Ellen Kitchens, Dr. Vera Lasch und Heike Matthiesen; erweiterter Vorstand sind Vivienne Olive, Mareike Hilbrig, Uta Walther und Elisabeth Treydte.

Preise und Auszeichnungen

  • Kulturförderpreis der Stadt Kassel 1994- Förderpreis der Dr.-Wolfgang-Zippel-Stiftung 1996- Förderpreis der Dierichs-Stiftung Kassel 1999- FEM-Nadel des Deutschen Komponist:innenverbands im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2023, für Arbeit und Engagement um die zeitgenössische Musik

Projekte

  • Composer in Residence: Alle drei Jahre vergibt das Archiv ein Arbeitsstipendium an Komponistinnen, international ausgeschrieben, in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Stipendiatinnen: Sun-Young Pahg/Südkorea (2009), Belma Bešlić-Gál/Bosnien (2011), Manuela Kerer/Italien (2015), Tania Rubio/Mexiko (2019), Farzia Fallah/Iran (2021).- Europäischer Dirigentinnen-Reader (2001) von Elke Mascha Blankenburg, das erste Buch zu aktiv arbeitenden Dirigentinnen.- Digitales Deutsches Frauenarchiv (DDF): Seit 2018 erhält das Archiv Projektförderung zur Digitalisierung bedeutender Bestände zur Frauenbewegungsgeschichte – 2018 die komplette Digitalisierung von VivaVoce, 2019 Interviews mit Frauenbewegungsvertreterinnen der 1970er/1980er Jahre (z. B. Eva Rieger, Gloria Coates), 2020 die digitale Sicherung der Nachlässe von Felicitas Kukuck, Leni Alexander, Silvia Leonor Alvarez de la Fuente und Weronika Aleksandra Markiewicz, 2022 die Dokumentation historischer Konzertereignisse und Archivierung von Webseiten zum Thema Frau und Musik.- Korrespondenzprojekt „So begann alles“: Erschließung von 528 Briefen der Korrespondenzen von Barbara Heller und Elke Mascha Blankenburg.- Frau* und Musik im Unterricht: Workshops für Musiklehrkräfte aller Schulformen und -stufen, Lehramtsstudierende und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst; Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien.- Digitales Bildungspaket „Komponistinnen in den Schulunterricht“: Materialsammlung mit Zugängen zum Thema am Beispiel der französischen Komponistin Louise Farrenc.- Studie Frauenanteil Berufsorchester (mit musica femina münchen): Untersuchung des Gender-Gap in Berufsorchestern in Führungspositionen hinter und auf der Bühne anhand von Personal- und Konzertdaten der Saison 2019/2020.- Sichtbar- und Nutzbarmachung: Zusammenarbeit mit dem BDLO (Bundesverband Amateurmusik Sinfonie- und Kammerorchester) 2022/2023, um Orchester- und groß besetzte Kammermusikwerke von Komponistinnen leichter auffindbar zu machen; die BDLO-Datenbank wird mit Verweisen aus den Archivbeständen angereichert.

Bestand

Der Bestand umfasst rund 30.000 Medieneinheiten: Kompositionen und künstlerische Nachlässe von Musikerinnen, Komponistinnen und Dirigentinnen, Zeitungsartikel, Broschüren, Konzertplakate, Sekundärliteratur, Bildmaterial, Tonträger sowie Facharbeiten. Insgesamt enthält das Archiv Werke von über 2.000 internationalen Komponistinnen vom 9. bis zum 21. Jahrhundert. Seit 2015 befinden sich die Nachlässe von Elke Mascha Blankenburg (1943–2013) und Leni Alexander (1924–2005) vor Ort; aktive Komponistinnen wie Violeta Dinescu und Tsippi Fleischer bringen ihre Werke bereits ins Archiv ein. 2001 kam die Sammlung des Münchner Vereins musica femina münchen – das Komponistinnen-Archiv München (KAM) – als Schenkung dazu. Zum Bestand gehören außerdem Erstdrucke des 18. und 19. Jahrhunderts, handschriftliche Briefe Clara Schumanns und eine weltweit einzigartige Postkartensammlung von Damenblasorchestern um 1900. Eine Sondersammlung ergänzt die klassischen Kompositionen durch Rock, Pop, Jazz, Chanson und Weltmusik.

Weiterlesen