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Archäobotanik

Die Archäobotanik versucht als Mischgebiet der Archäologie und Botanik die Vegetations- und Agrargeschichte mit Hilfe von Funden pflanzlichen Ursprungs zu …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist Archäobotanik?
  2. 2. Pflanzenreste
  3. 3. Erhaltungsformen und Fundorte
  4. 4. Feld- und Labormethoden
  5. 5. Datierung der Funde
  6. 6. Probleme und Überprüfung der Ergebnisse

Was ist Archäobotanik?

Die Archäobotanik ist ein Mischgebiet aus Archäologie und Botanik. Sie versucht, die Vegetations- und Agrargeschichte mit Hilfe von Funden pflanzlichen Ursprungs zu rekonstruieren. Aus den Funden lassen sich Rückschlüsse auf Ernährungsgewohnheiten, Anbaumethoden, Siedlungsgeschichte und das Klima früherer Zeiten ziehen. Zusammen mit der Archäozoologie (Erforschung tierischer Funde) und der Biologischen Anthropologie bildet sie die Archäobiologie bzw. Bioarchäologie. Ein Sondergebiet ist die Paläoethnobotanik, die als Mischgebiet aus Ethnobotanik und Paläoethnologie besonders die Zusammenhänge zwischen Vegetation und Besiedlung sowie die Ausbreitung von Pflanzen durch den Menschen (Hemerochorie) untersucht. Nicht verwechseln: Die Paläobotanik gehört zur Paläontologie.

Pflanzenreste

Man unterscheidet zwei Gruppen von Funden: Mikroreste, also Pollenkörner und Sporen, und Makroreste. Zu den Makroresten gehören Früchte und Samen, Holzreste (auch Holzkohlen), Moose, Bast und Fasern, in seltenen Fällen auch Blattreste und Harz.

Erhaltungsformen und Fundorte

Pflanzenreste können auf verschiedene Weise erhalten bleiben. Subfossile Reste bestehen aus organischem Material, das zum Teil chemisch verändert ist: trocken konserviert in Wüsten, Höhlen, Grüften oder Fachwerk; gefroren in Eis (Gletschern) und Permafrostböden; feucht durch Grundwasser in Mooren, Seen, Flussauen, Gräben, Brunnen und Latrinen; konserviert durch Salze in Bergwerken oder neben Metallteilen wie Münzen und Pfeilspitzen; konserviert durch Urin in Rattenabfallhaufen. Verkohlte Reste findet man an Feuerstätten, Feuerbestattungs- und Opferstellen sowie in durch Brände zerstörten Gebäuden. Mineralisierte Reste treten in Latrinen auf, Abdrücke in Lehm und Töpferwaren. Fossile oder subfossile Reste können auch in Produkten wie Backwaren, Getränkeresten, Holzgeräten und Stricken erhalten sein.

Feld- und Labormethoden

Makroreste findet man auf Grabungen durch Zufallsfunde oder durch gezielte Entnahme von Bodenproben aus Feucht- oder Trockenböden. Durch Sieben, Schlämmen oder Flotation trennt man die organischen Bestandteile vom mineralischen Bodenmaterial. Die organischen Teile werden unter einem Stereomikroskop (Binokular) untersucht und die bestimmbaren Pflanzenreste ausgelesen. Anschließend werden die Funde morphologisch und anatomisch bestimmt sowie quantitativ erfasst. Die Bestimmung erfolgt mit einer Referenzsammlung sowie durch Beschreibungen, Zeichnungen und Fotos aus anderen Publikationen; für botanische Makroreste gibt es nur sehr wenige begrenzte Bestimmungsschlüssel. Mikroreste erhält man durch Bodenproben, meist Bohrkerne, häufig aus Mooren oder Seen. Die Zellwand der Pollenkörner und Sporen besteht aus dem extrem widerstandsfähigen Sporopollenin, so dass sie selbst in sehr starken Säuren und Laugen erhalten bleiben. Zur Aufbereitung werden die Proben unter anderem mit Salzsäure und Flusssäure behandelt, um das mineralische Material aufzulösen; in Kalilauge werden Huminsäuren neutralisiert; durch Acetolyse werden organische Reste entfernt und die Pollenkörner für die mikroskopische Untersuchung angefärbt. Alternativ können mineralische Partikel auch durch Schweretrennung abgetrennt werden. Der angereicherte Pollen wird in einer Stichprobe auf einen Objektträger gebracht und unter einem Durchlichtmikroskop mit Bestimmungsschlüsseln bestimmt und quantitativ ausgewertet.

Datierung der Funde

Zur absoluten Datierung dienen: die Radiokohlenstoffdatierung (Bestimmung des Restanteils des Kohlenstoffisotops 14C), die Dendrochronologie (Vergleich der Jahresringe von Holzfunden) und die Warvenchronologie (Bestimmung der geschichteten Tonablagerungen, der Warven, in stehenden Gewässern). Zur relativen Datierung dienen: die Palynologie (pollenstratigraphische Korrelation), die Tephrochronologie (Bestimmung der Ablagerungen von Vulkanasche, den Tephren), die Magnetostratigraphie (Spuren der Erdmagnetfeldumpolungen im Gestein) sowie die Archäologie (Korrelation durch Vergleich mit anderen Funden, zum Beispiel Töpferwaren).

Probleme und Überprüfung der Ergebnisse

Bei der Interpretation der Funde, etwa der Bestimmung der relativen Häufigkeit bestimmter Pflanzen, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden: die Erhaltungsselektion (verschiedene Pflanzenreste überdauern unterschiedlich lang), die unterschiedliche Anzahl von Samen oder Früchten pro Individuum (zum Beispiel Feige im Vergleich mit Pfirsich), die unterschiedliche Pollenproduktion von selbstbestäubenden und windblütigen Pflanzen sowie menschliche Einflüsse. Die Ergebnisse werden überprüft, indem man sie mit anderen archäologischen Ergebnissen vergleicht und Experimente durchführt, etwa zu Anbaumethoden oder Verbrennungsvorgängen.

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