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Arbeiterbewegung (Schweden)

Die Arbeiterbewegung ist eine der drei großen schwedischen Volksbewegungen des 19. Jahrhunderts. Voraussetzungen. Bearbeiten. Die Arbeiterbewegung entstand …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und soziale Voraussetzungen
  2. 2. Frühe Organisationen und Selbsthilfe
  3. 3. Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Bedeutung und soziale Voraussetzungen

Die schwedische Arbeiterbewegung war eine der drei großen Volksbewegungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand als Reaktion auf die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung. Ihr Ziel war, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern und ihre Interessen sowohl gewerkschaftlich als auch politisch zu vertreten.

Die Lage vieler Arbeiter war schwer, auch wenn Schweden nie das Elend englischer Industriestädte erlebte. Ein Arbeitstag dauerte normalerweise 10 bis 12 Stunden. Frauen- und Kinderarbeit waren weitverbreitet. Arbeitsunfälle kamen etwa doppelt so häufig vor wie in der Landwirtschaft, und die Löhne lagen oft auf oder unter dem Existenzminimum, also unter dem Einkommen, das zum Lebensunterhalt nötig ist.

Die Bedingungen unterschieden sich deutlich je nach Berufsgruppe. Arbeiter in Hütten- und Eisenwerken hatten vergleichsweise gute Bedingungen: Kranke erhielten halben Lohn, ältere Arbeiter Renten, kinderreiche Familien Unterstützung. Manche Unternehmen bauten Arbeiterwohnungen. Allerdings wurde ein großer Teil des Lohnes in Naturalien, also in Waren statt Geld, bezahlt; dies hielt sich bis zur Jahrhundertwende. Besonders schlechte Bedingungen hatten Sägewerk- und Waldarbeiter sowie Fabrikarbeiter in den Städten.

Frühe Organisationen und Selbsthilfe

Die ersten Initiativen für Arbeiter kamen aus intellektuellen und kleinbürgerlichen Kreisen. Nach deutschem Vorbild entstanden Bildungszirkel und Arbeitervereine. In ihnen waren Arbeiter jedoch in der Minderheit. Diese Initiativen vertraten einen religiös geprägten Humanismus; politische Stellungnahmen gingen, falls sie vorkamen, in liberale Richtung.

Wichtiger für die spätere Arbeiterbewegung waren Selbsthilfeorganisationen der 1850er und 1860er Jahre. An mehreren Orten wurden Krankenkassen gegründet, die sich später zu einer landesweiten Krankenkassenbewegung zusammenschlossen. 1910 waren etwa 13 % der erwachsenen Bevölkerung in diesen Krankenkassen versichert.

Eine weitere Form der Selbsthilfe waren Konsumgenossenschaften nach britischem Vorbild. Sie schlossen sich 1899 im Kooperativen Verband Kooperativa Förbundet (KF) zusammen. Konsumgenossenschaften sollten Monopoltendenzen im Handel bekämpfen und Arbeitern dadurch günstigere Waren anbieten. Der Konflikt mit dem Handel war zeitweise hart. Die Genossenschaften setzten sich erst durch, als sie selbst wichtige Waren produzierten und so die Versorgung ihrer eigenen Läden sichern konnten.

Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Der Durchbruch der Arbeiterbewegung erfolgte in den 1880er Jahren. In Norrland kam es wegen starker Lohnsenkungen zu einer Streikwelle. Bereits 1879 hatte in Sundsvall der bis dahin größte Streik mit ungefähr 5.000 Streikenden stattgefunden. Die Behörden ließen das Streiklager vom Militär umringen und zwangen die Streikenden zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze.

Als Folge der verlorenen Streiks entwickelte sich eine Gewerkschaftsbewegung. Lokale Gewerkschaftsvereine schlossen sich Ende der 1880er Jahre zu landesweiten Gewerkschaftsverbänden zusammen. Diese gründeten 1898 eine Dachorganisation, die Landesorganisation Landsorganisationen (LO). Eine Dachorganisation verbindet und vertritt mehrere einzelne Verbände.

Die Sozialdemokratie kam 1881 durch den schonischen Schneidermeister August Palm nach Schweden. Er stellte sozialdemokratische Ideen auf Versammlungen in Malmö und Stockholm vor. 1889 wurde die Schwedens Sozialdemokratische Arbeiterpartei gebildet. Am 1. Mai 1890 fand die erste Maidemonstration statt; sie forderte einen Achtstunden-Arbeitstag.

Die gewerkschaftliche und die politische Arbeiterbewegung arbeiteten danach eng zusammen und entwickelten sich im Großen und Ganzen parallel. Um 1907 erreichten sie einen ersten Höhepunkt: Die Gewerkschaft hatte 186.000 Mitglieder, die Sozialdemokratische Partei 113.000 Mitglieder. 1917 spaltete sich ein kleinerer, radikalerer Teil ab, schloss sich dem Kommunismus an und gründete Schwedens Sozialdemokratische Linkspartei (Sverges socialdemokratiska vänsterparti). Aus ihr ging 1921 Schwedens Kommunistische Partei (Sverges kommunistiska parti) hervor.

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